Der neue Entwurf wurde vorgestellt

So sollen die Lücken im Nahverkehrsplan geschlossen werden

Rosenheim - Im ÖPNV des Landkreises Rosenheim gibt es einige Lücken. Wie diese geschlossen werden können, wurde am 16. Juli im Kreisausschuss diskutiert. Gutachter Dr. Timo Barwisch von plan:mobil präsentierte den Entwurf für einen gemeinsamen Nahverkehrsplan für Stadt und Landkreis Rosenheim.

Die Pressemeldung im Wortlaut: 

Er umfasst insgesamt rund 230 Seiten mit 33 Maßnahmen und 12 Prüfaufträgen für den Landkreis Rosenheim. 

Vorgeschlagen werden der Stundentakt auf einigen Achsen, die Verdichtung des Angebots, eine Ausweitung des Bedienungszeitraumes, die Errichtung tangentialer Verbindungen, mehr Angebote am Wochenende und abseits der großen Achsen sowie die Zubringerfunktion zum Schienenpersonennahverkehr (SPNV) zu stärken und Freizeitlinien auszuweiten. 

Außerdem kann der ÖPNV durch eigene Busspuren, die Beeinflussung der Lichtsignalanlagen, alternative Linienwege, die Freigabe von Wegen für den Busverkehr oder Halteverbote beschleunigt werden. Wie Gutachter Dr. Timo Barwisch bei seiner Präsentationen sagte, verfügt etwa die Hälfte des Landkreises über ein dichtes Schienenpersonennahverkehrsnetz, welches mindestens im Stundentakt verkehrt. 

Beim Busverkehr sind derzeit rund 60 Linien, überwiegend in eigener Regie unterwegs. Das Netz konzentriere sich stark auf die Zentren Rosenheim, Wasserburg und Prien und ist vor allem auf den Schulverkehr ausgerichtet. Der Betrieb auf vielen Strecken sei problematisch aufgrund der hohen Verkehrsbelastung. 

Weniger Angebote gebe es an den Wochenenden und in den Ferien. Dies hat auch die Öffentlichkeitsbeteiligung der Bürger ergeben. Diese wünschen sich eine Ausweitung des Fahrtenangebotes vor allem am Abend, in der Nacht sowie am Wochenende und in der Ferienzeit. Weiterer Verbesserungsbedarf besteht laut Befragung beim Ticketangebot, bei den Linienwegen und der Fahrgastinformationen. Laut Barwisch fehle es an Informationen für Fahrgäste, Haltestellennamen, Fahrplanlesbarkeit oder Echtzeitinformationen. 

Er empfiehlt eine landkreisweite Anerkennung von Fahrausweisen im SPNV und ÖPNV, E-Ticketing sowie eine Überprüfung des Ticketsortiments und mehr Transparenz in der Tarifstruktur. Auch beim Thema Barrierefreiheit gebe es Handlungsbedarf. Zum Teil sind noch Hochflurbusse unterwegs und es gibt nur wenige barrierefreie Haltestellen. 

Der Entwurf des Nahverkehrsplanes gliedert den Landkreis in vier Bereiche: West, Nord, Ost und Süd und stellt für jeden Bereich Maßnahmenpakete und Prüfaufträge vor. 

Für den westlichen Bereich des Landkreises werden sieben Maßnahmen und ein Prüfauftrag vorgeschlagen. Um den ÖPNV zu verbessern, könnte hier zum Beispiel eine neue Linie zwischen Bad Aibling und Miesbach eingeführt werden. Im Norden des Landkreises gibt es neun vorgeschlagene Maßnahmen und fünf Prüfaufträge. Eine Empfehlung ist, die Linie 9409 als reguläres Angebot für Albaching in Richtung Wasserburg und Haag auszuweiten. Auch die Zahl der Fahrten sollte ausgeweitet werden. 

Für den Osten des Landkreises schlägt das Planungsbüro acht Maßnahmen und zwei Prüfaufträge vor. So wird angeregt, die Ringlinie Stephanskirchen im 30-Minuten-Takt zu bedienen. Um den Stauschwerpunkt am Schlossberg zu entlasten, empfiehlt das Planungsbüro eine einspurige Bussonderspur. Je nach Bedarf kann sie am Morgen und Abend in die andere Richtung genutzt werden. Auch durch die Beeinflussung der Lichtsignalanlage könnte es für die Busse möglich sein, schneller durch den Verkehr zu kommen. Langfristig wird eine dritte Innbrücke empfohlen. 

Für den Süden beinhaltet der Entwurf neun Maßnahmen und vier Prüfaufträge. Hier könnte die Linie ab Roßholzen über Nußdorf nach Brannenburg und zurück verlängert werden. Diese Linie sollte aller zwei Stunden fahren und zu relevanten Zeiten sogar im Stundentakt. Außerdem wird empfohlen das Angebot im ÖPNV für Touristen an den Wochenenden auszuweiten und die Wendelsteinbahn und die Hochriesbahn mit in den Umlauf zu integrieren. 

Weiter empfiehlt der Entwurf zum Nahverkehrsplan mehr Fahrradstellplätze und P+R-Stellplätze an Bahnhöfen, Ladesäulen für E-Fahrzeuge und die Möglichkeit sich Fahrräder auszuleihen. Auch eine Ausweitung des Carsharing sollte überprüft werden. Sollten die Maßnahmen umgesetzt werden, würde der Mehraufwand von rund 805.000 Kilometern den Landkreis Rosenheim rund 2,1 Millionen Euro pro Jahr kosten. Dazu kommen weitere Kosten durch Investitionen in die Infrastruktur, für Verwaltung, Personal und Marketing sowie eine mögliche Verbunderweiterung. 

Der Kreisausschuss nahm den Entwurf des neuen Nahverkehrsplans für den Bereich des Landkreises Rosenheim zustimmend zur Kenntnis. Bis Mitte September werden alle Beteiligten, wie die Gemeinden, Verkehrsunternehmen, Fahrgastverbände, Nachbarlandkreise und auch die Mitglieder des Kreisausschusses nochmals angehört und können Anregungen für die Endfassung vorbringen. In einer Sondersitzung des Kreistages im Spätherbst soll der Nahverkehrsplan dann endgültig beschlossen werden.

Pressemeldung Landratsamt Rosenheim

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Rosenheim

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT