Neue Serie: "Tatort24" 

So kam die Polizei dem Inndamm-Vergewaltiger auf die Spur

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Am Rosenheimer Inndamm (rechts) geschah im November 2015 eine schreckliche Vergewaltigung. Die Polizei ermittelte auf Hochtouren - eine DNA-Spur führte die Kripo schließlich zum Täter.
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Rosenheim - Unsere Serie "Tatort24" startet mit einem brutalen Verbrechen, das erst kürzlich aufgeklärt werden konnte:  Im November 2015 wurde eine junge Frau am Inndamm vergewaltigt. Die Kripo Rosenheim zog die Fäden zu einem einem weiteren Fall in München. Eine DNA-Spur lieferte den Beweis und führte schließlich zum Täter:

Brutale Vergewaltigung am Rosenheimer Inndamm

Am 26. November 2015 gegen 19.30 Uhr war die 29-Jährige alleine am Rosenheimer Inndamm unterwegs. Kriminalhauptkommissar Steffen Fortner bearbeitete den Fall: „Das Opfer lief am Inndamm eine Schleife. Auf Höhe der Schirmbeckstraße, wo der Weg unbeleuchtet ist, griff der Täter die Frau von hinten an und zerrte sie mehrere 100 Meter Richtung Inn in ein anliegendes Dickicht. Dort fühlte er sich wohl sicher, als er sich an der Frau verging.“

Die 29-Jährige konnte sich „wie auch immer“ befreien und flüchtete in Richtung Krankenhaus. Am Inndamm traf sie auf eine weitere Person, die sie beruhigte bis die Polizei eintraf, schildert Fortner. Damals wurde für den Fall eine eigene Ermittlungsgruppe „Inndamm“ gegründet, die Polizei ermittelte auf Hochtouren. 

Der Tatort am Rosenheimer Inndamm. 

Zweite Vergewaltigung in München mit ähnlichem Tatmuster

Ein Jahr später, am 18. Dezember 2016 ereignete sich ein ähnlicher Fall in München: Eine 45-jährige Joggerin wurde im Englischen Garten brutal vergewaltigt. Im Zeitraum zwischen 19.30 Uhr und 20.30 Uhr befand sich die Frau im Bereich der Mittleren-Isar-Straße in Oberföhring beim Joggen, als sie plötzlich überwältigt wurde. Der unbekannte Täter zerrte die Frau gewaltsam abseits des Weges und nahm sexuelle Handlungen an ihr vor. Aufgrund des brutalen Vorgehens des Mannes verlor die Frau das Bewusstsein. Sowohl die Tatzeit als auch die Vorgehensweise des Mannes wiesen klare Parallelen zur Vergewaltigung am Rosenheimer Inndamm auf. 

Die Eingrenzung des Tatorts im Englischen Garten in München. 

Polizei warnt vor Sexmonster - DNA-Spur lieferte Beweis

Die Ermittlungen zur Aufklärung der Gewaltverbrechen liefen intern und in enger Zusammenarbeit mit der Kripo München auf Hochtouren - der Mann lief noch immer frei herum und könnte weitere Taten begehen, warnte die Polizei damals.

Nachdem die Polizei über ein Jahr im Dunklen tappte, konnte sie Anfang 2017 einen ersten Erfolg verbuchen: An beiden Tatorten wurden DNA-Spuren sichergestellt. Nach einem Abgleich stand fest: Bei dem Täter der beiden Vergewaltigungen handelt es sich um ein und dieselbe Person. Die Polizei vermutete, dass die beiden Frauen Zufallsopfer waren, der Täter ein völlig Fremder. 

Am 31. März 2017 wurde schließlich ein 27-jähriger tatverdächtiger Türke in Berg am Laim festgenommen. Im Zuge der Ermittlungen kam der Mann als Zeuge in Betracht, er musste eine Speichelprobe abgeben - das ergab den Treffer in der DNA-Datenbank. 

Täter hat Frau und Kinder

Weil der mutmaßliche Vergewaltiger offenbar mit drei unterschiedlichen Identitäten unterwegs war, kamen die Beamten ihm erst jetzt auf die Schliche. Der 27-Jährige reiste im Oktober 2015 mit seiner Frau und einem Baby innerhalb eines der großen Flüchtlingsströme 2015 über Kiefersfelden nach Deutschland ein. Die Familie zog zunächst in eine Asylbeweberunterkunft in Rosenheim. In diese Zeit fiel auch die erste Vergewaltigung der Rosenheimer Joggerin im November 2015. Nur wenige Tage später wurde der Familie eine Asylbewerberunterkunft im Münchner Osten zugewiesen.  

Bei seiner Einreise gab sich der 27-jährige Familienvater Murad A. erst als Syrer und dann als Türke aus. Als sich beides als Lüge herausstellte, bezeichnet er sich schließlich als Kurde. In Deutschland beantragte er "politisches Asyl". Murad A.’s Ehefrau brachte im Frühjahr 2016 in München ihr zweites Kind zur Welt. Der Bub ist jetzt drei Jahre, das Mädchen ein Jahr alt.

Opfern bleibt Gegenüberstellung erspart 

Die Münchener Polizei hat am 11. April 2017 in einer Pressekonferenz im Münchner Medienzentrum die Hintergründe der brutalen Fälle bekannt gegeben.

Markus Kraus, Kriminaloberrat und Thomas Baumann, stellvertretender Pressesprecher, bei der Pressekonferenz in München zur Festnahme des mutmaßlichen Vergewaltigers. 

Die beiden vergewaltigten Frauen müssen sich keiner Gegenüberstellung unterziehen, obwohl der Täter die Vergewaltigungen immer noch abstreitet. Die Beweislage sei aber laut dem Polizeipräsidiums Oberbayern Süd derart eindeutig, dass die Aussagen der Opfer nicht benötigt würden.

Der Haftbefehl wurde dem 27-Jährigen wegen versuchten Mordes ausgestellt. Beamte der Münchner Mordkommission haben den Türken bereits vernommen. Er bestreitet bislang konsequent, etwas mit den Taten zu tun zu haben. Markus Kraus von der Mordkommission ist sich dennoch sicher, den Richtigen geschnappt zu haben: "Wir sind froh, dass es zum Erfolg geführt hat, weil es insbesondere im Bereich der Sexualdelikte die Gefahr gibt, dass die Person erneut auftritt."

Nächste Woche: Der Frauenmörder von Kufstein

Kommende Woche beschäftigt sich unserer Serie Tatort24 mit zwei Sexualmorden in Kufstein und Endingen. Der Frauenmörder läuft noch immer frei herum. Gelingt es der Polizei, ihn bald zu fassen?

mb

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