Auch für Stadt Rosenheim Problem

Aggressionen gegen Mitarbeiter: So wappnen sich unsere Landratsämter

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Rosenheim/Landkreise Altötting/Mühldorf/Traunstein/Berchtesgadener Land - Kürzlich beschloss die Stadt Rosenheim ein Konzept gegen Gewalt und Aggressionen gegen städtische Mitarbeiter. Aus einem bestimmten Grund haben andere Städte dieses Problem kaum, dafür aber Landratsämter.

Leider nehmen in Rosenheim Aggressionen und Gewalt gegen städtische Mitarbeiter zu. Daher hat die Stadt nun ein Präventionskonzept auf den Weg gebracht. Der Haupt- und Finanzausschuss  und auch der Stadtrat sprachen sich im November für ein Konzept zur Verbesserung der Sicherheit am Arbeitsplatz und die darin vorgeschlagenen Präventionsmaßnahmen aus. Die Maßnahmen sollen Zug um Zug nach Möglichkeit innerhalb von fünf bis sieben Jahren umgesetzt werden. Für baulich-technische Maßnahmen sollen rund 80.000 Euro pro Jahr ausgegeben werden, für Schulungen 20.000 Euro jährlich.

Doch ist das ein Problem, dass nur Rosenheim betrifft oder auch andere Städte in der Region? Eine Umfrage bei den Stadtverwaltungen der Landkreise Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting ergibt, dass Aggressionen und Gewalt gegen Städtische Mitarbeiter dort durchaus vorkommen würden. Jedoch handle es sich um relativ seltene Einzelfälle, die teils nur alle paar Jahre vorkommen würden. 

Dementsprechend gibt es zwar überall auch Schulungen und Sicherungsmaßnahmen, sie sind aber nicht in dem Maße wie in Rosenheim notwendig.

Problem von Landratsämtern und Kreisfreien Städten

Vor allem aber wird rasch klar, dass es weniger ein Problem von Stadtverwaltungen an sich ist, sondern von besonders konfliktträchtigen Feldern der Verwaltung. Denn bei Rosenheim handelt es sich um eine kreisfreie Stadt. Das heißt, sie ist unter anderem in sozialen Bereichen auch Entscheidungsträger und beispielsweise eine auszahlende Behörde. Wenn Bürgerinnen und Bürger zu den Behörden nicht-kreisfreier Städte beispielsweise mit HartzIV-Bescheiden kommen, sind diese nur in beratender aber nicht entscheidender Funktion tätig. Dies bestätigt auf Nachfrage auch die Rosenheimer Stadtverwaltung.

Allerdings bedeutet das auch, dass andernorts die Konflikte und damit einhergehenden Aggressionen und Gewalt gegen Mitarbeiter  sich gegen das Landratsamt richten. Teilweise ist dies auch tatsächlich so.

Nur in Altötting keine nennenswerten Probleme

Einzig das Landratsamt Altötting berichtet, dass es dort keine nennenswerten Agressions- oder Gewaltprobleme geben würde. 

"In Einzelfällen kommt es in einzelnen Fachbereichen im Innen- und Außendienst zu Aggressionen in Form von Verbalattacken und Beleidigungen. Eine wesentliche Steigerung gegenüber früheren Zeiten ist nicht festzustellen", berichtet wiederum Andreas Bratzdrum, Pressesprecher des Landratsamts Berchtesgadener Land. Derzeit werde ein Sicherheitskonzept erstellt.

Landratsämter wappnen sich und ihre Mitarbeiter

"Wie in anderen Behörden auch verzeichnen wir im Landratsamt Rosenheim mitunter starke Aggressionen", berichtet dagegen dessen Pressesprecher Michael Fischer. Besonders betroffen seien, wie auch bei der Stadt Rosenheim, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Leistungsbereich, also den Abteilungen für Soziales sowie der für Sicherheit und Ordnung. "Speziell wenn es um Geld oder andere existenzielle Angelegenheiten geht, kann es vorkommen, dass insbesondere bei negativen Entscheidungen teilweise starke Emotionen freigesetzt werden."

Das Thema sei allerdings nicht sonderlich neu. "Die Situation war in den vergangenen Jahren zahlenmäßig etwas angespannter als es aktuell der Fall ist." Schon damals sei im Landratsamt beschlossen worden, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Problematik nicht allein gegenüberstehen sollen. Im Laufe der Jahre sei einiges getan worden, um die Situation zu verbessern. Diese Bemühungen würden nach wie vor aufrechterhalten, da Sicherheit in Ämtern ein Dauerthema sei. "Es ergeben sich regelmäßig neue Situationen die schnelles Handeln, das Überdenken bisheriger Abläufe und die Einbeziehung verschiedenster Stellen erfordern."

Auch seitens des Landratsamts Mühldorf am Inn berichtet man von Problemen mit Aggressionen in den beiden Fachbereichen.

"Das Landratsamt hat daher in Zusammenarbeit mit der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle der Polizeiinspektion Mühldorf am Inn ein Sicherheitskonzept erarbeitet, welches den Schutz der Mitarbeiter deutlich stärken soll", berichtet Pressesprecher Tobias Gebhardt. Es umfasse, wie in Rosenheim, bauliche Maßnahmen sowie Schulungen der Mitarbeiter. 

Verschiedene Konfliktfelder

Auch im Traunsteiner Landratsamt kennt man Probleme mit verbalen Aggressionen und Drohungen gegen Mitarbeiter. "Das gilt insbesondere für konfliktträchtige Aufgabenbereiche wie das Jugendamt, die Ausländerbehörde oder das Sozialamt, etwa wenn beantragte Leistungen abgelehnt werden müssen", berichtet Pressesprecher Michael Reithmeier. "Beschimpfungen gibt es auch im Aufgabenbereich der Betreuungsbehörde. Hier haben unsere Mitarbeiter vielfach Kontakt zu kranken Personen. Insofern bringt es dieser Aufgabenbereich per se mit sich, mit Aggressionen angemessen umgehen zu müssen, etwa bei Zwangseinweisungen."

Wichtig sei zunächst der Rückhalt und die Fürsorge der Vorgesetzten für die Mitarbeiter. Dazu gehörten Gespräche mit den Opfern von Aggressionen ebenso wie entsprechende Fortbildungs-, Supervisions-, und Coaching- Angebote. "In besonders gefährdeten Bereichen wie dem Sozialamt haben wir eine Video-Überwachung eingerichtet. In besonders extremen Fällen müssen wir auch zu Strafanzeigen und Hausverboten greifen."

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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