Thomas pendelt seit 40 Jahren zwischen Tirol und Rosenheim

Stets mit „Schnellhefter“ über die Grenze: „Es reicht - und ich bin einfach nur verzweifelt!“

Pendler Thomas (re.) ist wegen der Grenzkontrollen zwischen Bayern und Tirol „verzweifelt“
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Pendler Thomas (re.) ist wegen der Grenzkontrollen zwischen Bayern und Tirol „verzweifelt“.

Tirol/Landkreis - Das Pendeln zwischen Bayern und dem Virus-Mutationsgebiet Tirol ist seit einiger Zeit erheblich erschwert. Die Situation belastet zunehmend mehr Bürger. Auch Thomas ist betroffen und appelliert jetzt an die Politik.

Es gibt nur noch wenige Ausnahmen, die derzeit eine Einreise aus Tirol ins deutsche Staatsgebiet erlauben. Die Situation belastet zunehmend viele Bürger der Region, denn vor allem in den Grenzgebieten verschwimmen die beiden Länder. So pendeln in der Regel täglich tausende Schüler, Arbeitnehmer, aber auch Privatpersonen über die Grenze, die dann etwa Familie im jeweils anderen Land haben. Auch Thomas pendelt von Montag bis Freitag, teilweise sogar am Wochenende von Tirol nach Rosenheim. 

Grenzpendler ist verzweifelt: „Es reicht schön langsam“

Thomas arbeitet seit 40 Jahren ununterbrochen in Rosenheim. Er ist deutscher Staatsbürger, wohnt aber seit vielen Jahren jenseits der Grenze bei den Nachbarn in Tirol. In einem aktuellen Video auf Youtube berichtet er über das tägliche Bürokratiechaos an der bayerisch-tirolerischen Grenze und die extreme Mehrbelastung für die Pendler. 

Es reiche schön langsam, er pendle die ganze Woche und “habe inzwischen immer einen Schnellhefter dabei”, so Thomas. Schließlich müsse er an beiden Seiten der Grenze seine Papiere vorlegen: Die Pendlerbescheinigung, die örtliche Meldebestätigung, die elektronische Registrierung für Tirol, die elektronische Registrierung für Bayern, die Systemrelevanzbescheinigung für Bayern vom Landratsamt Rosenheim und “das Prunkstück, um das es in erster Linie gehen sollte: das Corona-Test-Ergebnis, immer am besten negativ”. 

Doch nicht nur die alltäglichen Corona-Tests fallen bei Thomas negativ aus: „Negativ ist aber inzwischen auch meine Einstellung”. Wie viele Stunden er damit verbringe, online Formulare auszufüllen oder sich nahezu tagtäglich zum Corona-Test anzumelden, könne er gar nicht mehr genau sagen, gehe aber „schon langsam ans Nervenkostüm“. Schließlich soll Thomas ja auch noch konzentriert arbeiten, „wie viele andere übrigens auch“, sagt er.

Zu Beginn war Thomas verwundert, mittlerweile ist er einfach nur verzweifelt. Mit seinem Video möchte er deswegen auf die Situation der Pendler zwischen Deutschland und Tirol aufmerksam machen und gleichzeitig einen Appell an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) richten: Sie sollen sich zusammensetzen und „ein, zwei einheitliche Formulare aufsetzen“. Dann müssten die Pendler „keinen ganzen Ordner über die Grenze schleppen“, was für den leidgeplagten Tiroler schon ein Anfang wäre.

Was aktuell beim Grenzübertritt zu beachten ist

Deutschland und Österreich haben jeweils eigene Einreise- und Quarantäneverordnungen. Dementsprechend müssen sich Pendler jeweils bei beiden Ländern informieren, welche Bestimmungen aktuell gelten. 

Da Deutschland Tirol als Virusmutations-Gebiet eingestuft hat, gelten für Pendler aus Tirol noch einmal verschärfte Einreisebestimmungen nach Deutschland. Demnach müssen sich Berufspendler täglich zur Einreise - also bei jeder Einreise braucht man eine neue Anmeldung - registrieren und ein negatives Corona-Testergebnis bereits bei der Einreise vorweisen können, das nicht älter als 48 Stunden sein darf. Außerdem brauchen sie eine amtliche Bescheinigung für die Systemrelevanz ihres Jobs in Deutschland und eine Bestätigung des Arbeitgebers, dass sie dringend gebraucht werden. 

Die umgekehrte Einreise nach Tirol ist bürokratisch etwas einfacher. Der Tiroler Arbeitgeber muss dazu eine Bestätigung ausstellen, dass der Mitarbeiter dringend gebraucht wird. Um in Österreich einreisen zu dürfen, muss man sich einmal die Woche dazu anmelden und auch nur einmal die Woche zum Corona-Test gehen. 

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