Rettungsdienst in und um Rosenheim der "langsamste" in Bayern?

Landratsamt: Neue Rettungswache und längere Besetzung!

Rosenheim - Der Rettungsdienstbereich in Rosenheim schneidet im bayernweiten Durchschnitt am schlechtesten ab.

UPDATE, 18.30 Uhr - Stellungnahme Landratsamt:

Das Landratsamt Rosenheim wehrt sich gegen den Vorwurf, dass der Rettungsdienst im Bereich Rosenheim generell zu langsam sei und verwies zu seiner Entlastung auf zwei Pressemitteilungen aus dem vergangenen Jahr.

Pressemitteilung zur Verbandsversammlung 29.04.16

Steigende Einsatzzahlen deuteten schon vor zwei Jahren auf eine Verschlechterung der Versorgungsstruktur im Rettungsdienst hin. Diese Versorgungsstruktur ist dann ausreichend, wenn in mindestens 80 Prozent aller Notfälle, der Ereignisort nach spätestens 12 Minuten erreicht ist.

Die zum dritten Mal durchgeführte Struktur- und Bedarfsanalyse des Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement bestätigte die Vermutungen.

In den Versorgungsbereichen Flintsbach, Bad Aibling und Bad Endorf wurde der Schwellenwert von 80 Prozent unterschritten. Rund um Wasserburg wird die 12 Minuten-Frist zwar in knapp 87 Prozent aller Notfälle eingehalten, trotzdem sorgen gleichzeitig notwendige Einsätze in den frühen Abendstunden für Probleme. Nicht beanstandet wurden in dem Gutachten die Versorgungsbereiche Prien und Rosenheim sowie Agatharied, Dürnbach, Holzkirchen und Rottach-Egern im Landkreis Miesbach.

Um die gesetzlichen Vorgaben des Bayerischen Rettungsdienstgesetzes zu erfüllen, beschlossen die Verbandsräte eine ganze Reihe von Veränderungen. In Achenmühle wird ein neuer Stellplatz für einen Rettungswagen entstehen. Er soll täglich von 7 Uhr bis 21 Uhr besetzt sein. Am Stellplatz Feldkirchen-Westerham endet die Vorhaltezeit zukünftig um 24 Uhr, statt derzeit um 20 Uhr. Auch in Kolbermoor wird der Rettungswagen um knapp 35 Stunden pro Woche länger besetzt sein. Die Vorhaltezeit erhöht sich werktags auf 6 Uhr bis 24 Uhr. In Wasserburg dauert die Dienstzeit in Zukunft nicht mehr von 10 Uhr bis 18 Uhr, sondern von 8 Uhr bis 20 Uhr.

Zur Situation in Bad Endorf heißt es in der Struktur- und Bedarfsanalyse, dass der neue Stellplatz in Achenmühle die Rettungswache in Prien so entlasten kann, dass der Rettungswagen aus Prien bei gleichzeitig stattfindenden Einsätzen vor allem in den Gemeinden Bad Endorf und Breitbrunn aushelfen kann.

Pressemitteilung zur Verbandsversammlung 20.12.16

Wesentliche Veränderungen hat es im zu Ende gehenden Jahr auch in den Bereichen Krankentransport und Notfallrettung gegeben. Der Geschäftsführer des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Stefan Forstmeier berichtete, die neue Rettungswache in Achenmühle ist seit dem 3. Oktober in Betrieb und 84 Stunden pro Woche besetzt. 

Zudem sind seit dem Sommer mehrere Stellplätze für Rettungswagen länger besetzt. In Kolbermoor ist es ein Plus von 34,5 Wochenstunden und in Feldkirchen-Westerham und Wasserburg von je 28 Wochenstunden.

Auch im Bereich der Krankentransporte sind die vorhandenen Fahrzeuge wesentlich länger besetzt. In Rosenheim beträgt die Mehrung insgesamt 21,5 Wochenstunden, in Bad Aibling eine Stunde, in Prien 7,5 Stunden, in Wasserburg 37 Stunden und in Agatharied 40 Wochenstunden. Die ersten Auswertungen zeigen, dass das Ziel, möglichst wenige Rettungsfahrzeuge für den Krankentransport abstellen zu müssen, erreicht wird. Im Schnitt wird derzeit jeder fünfte Krankentransport in der Region mit einem Rettungswagen durchgeführt. Zum Vergleich, bayernweit ist es jeder dritte Krankentransport.

Pressemeldung Landratsamt Rosenheim

Die Erstmeldung:

Der Rettungsdienstbereich Rosenheim ist der "langsamste" in ganz Bayern, wie Radio Charivari berichtet. Die sogenannte "12-Minuten-Frist" wird in Rosenheim in "nur" 84,8 Prozent der Fälle eingehalten. Seit 2013 (damals 88,3 Prozent)ist die Quote ständig gesunken. Am besten haben Rettungsdienstbereiche München (95,8 Prozent) und Nürnberg (94,1 Prozent) abgeschnitten.

Zum Rettungsdienstbereich Rosenheim gehören die Stadt und der Landkreis Rosenheim sowie der Landkreis Miesbach. Die Statistik wurde vom Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr veröffentlicht und wurde vom SPD-Abgeordeten Harry Scheuenstuhl angefragt.

"Langsam", aber auch sehr viele Notfälle

Auch wenn die 12-Minuten-Frist weniger oft als in anderen Rettungsdienstbereichen eingehalten wird, Rosenheim hat einen der stärksten Zuwächse an Notfallereignissen in Bayern. Von 2006 bis 2015 stieg die Zahl der Einsätze im Rosenheimer Bereich um 78 Prozent. 

Im Rettungsdienstbereich Nürnberg, der den zweiten Platz in der Statistik belegt, ist die Zahl der Notfälle um 29 Prozent gesunken im gleichem Zeitraum.

Ursachen für die Überschreitung der Hilfsfrist

"Die Gründe für ein Überschreiten der Hilfsfrist können nicht pauschal dargelegt werden, denn sie unterscheiden sich in jedem Einzelfall. In der Regel handelt es sich um infrastrukturelle Gründe, so z.B. wenn ein Gebiet ungünstig an das Verkehrsnetz angebunden ist oder die geografische Lage eine Zufahrt von mehreren Seiten verhindert. Bei solchen Gegebenheiten führen insbesondere sog. Duplizitätsfälle, also das zeitgleiche Auftreten mehrerer Notfälle zur Überschreitung der sog. Hilfsfrist. 

Wenn auch die Anfahrt des für den Versorgungsbereich vorgesehenen Rettungsmittels von der Wache aus bei einer ungünstigen Lage des Einsatzortes zeitlich noch ausreichend ist, so ist die Einhaltung der Frist nicht mehr möglich, wenn das Rettungsmittel in Anschluss an einen Voreinsatz aus einem weiter entfernten Bereich an-fahren muss oder ein Rettungsmittel aus einem benachbarten Versorgungsbereich den Einsatz übernimmt."

Quelle: Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Harry Scheuenstuhl SPD vom 27.10.2016 an den Bayerischen Landtag

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