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Tunnel oder Brücke:

Drunter oder drüber? Ludwig droht Bahn beim Brenner-Nordzulauf „härtestes Einsteigen“ an

Eine Animation, auf der ein Güterzug den Inn bei Stephanskirchen auf einer Brücke quer. Ist das eine Vorentscheidung für den Brenner-Nordzulauf?
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Drunter oder drüber: In ihrer Animation lässt die Bahn den Inn bei Stephanskirchen auf einer Brücke queren.

Die Entscheidung rückt näher: Werden die Gleise für den Brenner-Nordzulauf den Inn nördlich von Rosenheim auf einer Brücke queren? Oder verschwinden sie anwohnerfreundlich in einer Tunnelröhre? Politikern aus der Region schwant Übles.

Rosenheim - „Es droht Ungemach“: Die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) nutzte den Besuch von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber in Rosenheim zu einem dramatischen Aufruf in Sachen Brenner-Nordzulauf.

Michaela Kaniber war von der VR-Bank zum Meinungsaustausch mit Politikern, Unternehmern und Landwirten eingeladen worden. Neben Wolf, Bürokratie und Wertschätzung der Bauern wurde der Brenner-Nordzulauf zu einem der großen Themen dieser Zusammenkunft.

Tenor der Veranstaltung: Die bayerische Politik solle sich nochmals ins Zeug legen, damit die Bahn die Wünsche der Region so weit wie nur möglich berücksichtigt. „Dazu brauchen wir den bayerischen Verkehrsminister und den Ministerpräsidenten“, sagte Ludwig an die Adresse von Kaniber. „Und dazu brauchen wir dich.“

Brücke oder Tunnel? Wie quert die Bahn den Inn?

Der Punkt, an dem Anwohner und Vertreter der regionalen Politik der Schuh drückt, liegt genau zwischen Langenpfunzen westlich und Leonhardspfunzen östlich des Inns: Dort soll der Brenner-Nordzulauf irgendwann einmal den Fluss überqueren.

Drunter oder drüber, das ist die Frage. Was die Anwohner wollen, ist klar: Ab in den Tunnel mit den Gleisen. So wie ohnehin auf zwei Drittel der Strecke im Landkreis Rosenheim. Auch im Süden, beim Schwenk nach Westen in Richtung Inntal, hat sich die Bahn für einen Tunnel unterm Inn entschieden. Warum also soll das im Norden nicht gehen?

Projektleiter über die Tunnellösung: Technisch nicht eben einfach

Seit vergangenem Sommer prüft die Bahn die Möglichkeit einer Inn-Unterquerung. „Ergebnisoffen“, wie ein Sprecher der Bahn sagte. Reporter der OVB-Heimatzeitungen sprachen seinerzeit außerdem mit Projektleiter Matthias Neumaier. Und der bezeichnete den Bau eines Inntunnels nördlich von Rosenheim als technisch schwierig. Aber eben auch nicht als unmöglich.

Im Herbst, vielleicht sogar schon im September, will die Bahn ihre Vor-Entscheidung verkünden. Den Politikern aus der Region schwant Übles. Weil die Lösung aufwendig ist, weil sie mit Kosten verbunden ist. „Die Region wird doppelt und dreifach bestraft, nur weil der eine oder andere Cent gespart werden soll“, sagte Landrat Otto Lederer während des Gesprächs mit Ministerin Kaniber. Und Ludwig kündigte für diesen Fall „Widerstand“ an. Man werde „aufs Härteste einsteigen“; sagte die Parlamentarierin.

Kaniber selbst bezeichnete eine Tunnellösung als hundertprozentig „wünschenswert“ und zog Tirol als Beispiel heran. Auf österreichischer Seite werden über 70 Prozent der Zulaufstrecke im Tunnel verlaufen. Die Bundesregierung möge sich ein „Herz fassen“, appellierte Kaniber an Berlin.

Eine Frage der Kosten und des Nutzens

Die Bahn tüftelt noch immer an Details ihrer Grobplanung. So treibt sie eine Serie von Sondierungsbohrungen in Richtung Süden. Die Vorplanungen sollen 2024 abgeschlossen sein. 2025 soll der Bundestag diese Planung prüfen und dann eine Entscheidung fällen.

Was jetzt schon klar ist: Die Verknüpfungsstelle im Berg, genauer im Massiv des Wildbarren, eine Anregung aus der Region, betrachtet die Bahn nicht als Teil ihrer Aufgabenstellung. Da werde nichts geprüft, man habe schließlich keinen Auftrag dafür erhalten, hieß es von Seiten des Konzerns.

Wie gebaut wird, hängt auch vom Bundestag ab

Der Bundestag wird sich bei seiner Entscheidung über die Planvorlage der Bahn auch von Überlegungen von Kosten und Nutzen leiten lassen. Diese Abwägung ist auch eine Frage der Betroffenheit: Der Nutzen von Tunnelbauten erschließt sich Politikern womöglich um so weniger, je weiter sie von der Region Rosenheim entfernt wohnen.

Und die Kosten? Steigen derzeit bei allen möglichen Bauprojekten, ob privat oder von öffentlicher Hand getragen, enorm. Da könnte erst recht die Versuchung steigen, die eine oder andere Tunnelplanung untern Tisch fallen zu lassen.

Ates Gürpinar, Linken-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Rosenheim, fragte kürzlich beim Bundesverkehrsministerium nach, ob die Kostenexplosion zu Änderungen der Planungen führen könnte. Eine belastbare Kostenschätzung des Gesamtprojekts werde mit Abschluss der Vorplanung im Jahr 2024 vorliegen, ließ Staatssekretär Michael Theurer wissen. Bis dahin freilich dürften die Kosten nochmals kräftig gestiegen sein.

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