Rosenheimer Hagelflieger: Auch in Tirol im Einsatz

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Georg Vogl, Einsatzleiter und Pilot bei den Rosenheimer Hagelfliegern, (rechts im Bild) erläutert anhand von Radarbildern Wetter-entwicklungen und Einsatzmöglichkeiten. Interessierte Zuhörer: Stellvertretender Landrat Josef Huber (Mitte) und Johann Gwiggner, Bezirkskammerobmann Kufstein

Ebbs/Tirol - Ein schweres Hagelunwetter hatte diesen Juli im Bezirk Kufstein Millionenschäden verursacht. Seit 10 Jahren sind die Rosenheimer Hagelflieger für diese Region zuständig.

Ein von Bürgermeistern und Bauernverband-obmännern der betroffenen Gemeinden im Ebbser Gasthof „Zur Schanz“ sollte nun Befürchtungen ausräumen, das Gebiet werde nicht mehr angeflogen. An der Veranstaltung nahmen als bayerische Vertreter der Stellvertretende Landrat des Landkreises Rosenheim und Vorsitzende des Hagelforschungsvereins, Josef Huber sowie Georg Vogl, Geschäftsführer des Hagelforschungsvereins, Einsatzleiter und Hagelfliegerpilot teil. Die offizielle Tiroler Seite vertraten Prof. Walter J. Mayr, Vizepräsident Euregio Inntal, Johann Gwiggner, Bezirkskammerobmann Kufstein und Andreas Waldner, Geschäftsführer der Bezirkslandwirtschaftskammer Tirol.

Georg Vogl, Einsatzleiter und aktiver Hagelflieger, konnte die Bedenken der Tiroler Bevölkerung zerstreuen: Zu keinem Zeitpunkt habe es derartige Überlegungen gegeben. Detailliert erläuterte Vogl anhand von Wetterradarbildern, wie es zu den Unwettern speziell am 23. Juli gekommen war. Eine selten auftretende, extreme Wetterkonstellation am hereinbrechenden Abend habe den Hagelfliegern keine Möglichkeit mehr gelassen, einzugreifen. Insbesondere, weil ein Einsatz bei Dunkelheit nicht möglich ist. Vogl bescheinigte den Landwirten der 13 Gemeinden aus dem Bezirk Kufstein und Kitzbühel, die sich im Schutzgebiet der Rosenheimer Hagelflieger befinden, dass sie Beobachtungen schnell und genau meldeten. Vogl erläuterte die Prozedur des „Impfens“ von hagelverdächtigen Gewitterzellen, die häufig an verschiedenen Orten gleichzeitig entstünden. Beim sogenannten „Impfen“ werden aus einem rund 1000 Grad heißen Silberjodidbrenner Salzkristalle ins Innere der Wolken gesprüht. Die Luftfeuchtigkeit der Gewitterwolke kondensiert an den Billionen Salzpartikeln. Statt Hagelkörnern entstehen nun Regentropfen. Mit den zwei Flugzeugen, die den Rosenheimer Hagelfliegern zur Verfügung stehen, sei die Größe des jetzt betreuten Gebietes schon „grenzwertig“, so Einsatzleiter Vogl. Eine Erschwernis sei, dass auch geringste Veränderungen an den Flugzeugen, die zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit vorgenommen werden, ein kompliziertes Zulassungsverfahren durchlaufen müssten. Flugzeuge der verwendeten Bauart kosten neu knapp 700.000 Euro bei einer „Lebenserwartung“ von nur 30 Jahren, was auf die hohe Beanspruchung bei Hagelflügen zurückzuführen ist. Als aktuelle Verbesserungen wünschte sich Vogl die Ergänzung auch des zweiten Flugzeuges mit leistungsfähigeren Generatoren für die Verteilung des „Impfstoffes“ in den Gewitterwolken sowie eine Ausstattung der Maschinen mit Geräten, die den direkten Empfang von Radarinformationen des Wetterdienstes im Flug ermöglichen.

Der Stellvertretende Rosenheimer Landrat, Josef Huber, erinnerte daran, dass die Hagelflieger eine „Trefferquote“ von 80 Prozent erreichten. Die Hagelflieger, die ehrenamtlich tätig seien, seien keine „Harakiriflieger“, doch sei der Einsatz gefährlich. Es sei erfreulich, dass es bisher noch keinen Unfall gegeben habe. Leider sei die Hagelforschung immer noch ein „Stiefkind“ der Meteorologie. Auf eine außerordentlich positive Reaktion der Tiroler Seite traf die Anregung von Huber, nach dem Rosenheimer Modell auch in Tirol einen Hagelforschungsverein zu gründen, mit dem partnerschaftlich zusammengearbeitet werden könne. Dann sei auch die Stationierung eines dritten Flugzeuges im Tiroler Bereich denkbar. Prof. Mayr sagte zu, unverzüglich Schritte zur Gründung eines Vereins einzuleiten.

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