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Tödlicher Unfall auf Miesbacher Straße

Samerberg-Prozess: Staatsanwaltschaft verzichtet auf Revision

Freispruch für Sebastian M., der 28-Jährige muss nicht hinter Gitter. Das entschied das Landgericht Traunstein. Die Staatsanwaltschaft wird keine Berufung einlegen. Foto: Weiser
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Freispruch für Sebastian M., der 28-Jährige muss nicht hinter Gitter. Das entschied das Landgericht Traunstein. Die Staatsanwaltschaft wird keine Berufung einlegen.

Aus der Sicht des Staatsanwalts ist der so genannte Samerberg-Prozess beendet, der Ankläger sieht von einer Revision gegen den Freispruch von Sebastian M. ab. Die Nebenkläger allerdings behalten sich eine Entscheidung noch vor.

Rosenheim/Samerberg – Die Staatsanwalt legt keine Revision gegen das Urteil im so genannten Samerberg-Prozess ein, der Freispruch für Sebastian M. hat daher gute Aussicht auf Bestand.

Das gab Oberstaatsanwalt Gunter Scharbert von der Zweigstelle Rosenheim der Staatsanwaltschaft am Montag bekannt, nachdem die Frist am Freitag um Mitternacht verstrichen war.

Viereinhalb Jahre nach dem Unfall auf der südlichen Umgehungsstraße von Rosenheim, der am 20. November 2016 zwei junge Frauen aus Samerberg das Leben kostete, ist der so genannte Samerberg-Prozess damit zumindest aus Sicht der Anklagevertretung beendet.

Anders für die Hinterbliebenen: Die Familien Dalxberger und Rüth haben noch nicht endgültig entschieden, ihnen wird eine Verlängerung der Frist gewährt.

Die Erinnerung der Zeugen, sie wird nicht besser

Ob eine Revision erfolgreich sein könnte, sei völlig offen, sagte Gunther Scharbert. „Selbst für den Fall einer erfolgreichen Revision käme es dann zu einer nochmaligen Verhandlung, bei der die Aussagen der Zeugen wegen der nachlassenden Erinnerung nicht besser würden.“ Da der Unfall lange zurückliege und das Rechtsmittel einer weiteren Neuauflage damit im Ergebnis nicht besonders aussichtsreich erscheint, strebe die Staatsanwaltschaft keine Aufhebung des Spruchs vom 25. Juni an.

Die Familien hingegen behielten sich eine Entscheidung vor. Das Unverständnis über die Entscheidung ist nach wie vor groß. „Wir können den Freispruch nicht nachvollziehen“, sagte Manuela Daxlberger, deren damals 15-jährige Tochter Ramona bei dem fürchterlichen Unfall ihr Leben verloren hatte.

Lesen Sie auch: Freispruch für Sebastian M. – Hinterbliebene sind enttäuscht

Enttäuscht ist auch Ralf Rüth, dessen damals 21-jährige Tochter Melanie am Steuer des Nissan Micra starb, der von einem roten Golf frontal gerammt wurde. „Für uns ist Sebastian M. nach wie vor Hauptschuldiger“, sagte Rüth. „Er hatte das Geschehen vor sich im Blick, er hat die Lücke zugefahren.“

Beide Familien kritisieren, dass sowohl neue Zeugen wie auch Beobachtungen von Gutachter Andreas Thalhammer, die auf einen kleinen Abstand zwischen den BMWs schließen ließen, nicht ausreichend gewürdigt worden seien. Beide Familien wollen sich noch unterreden. Einen Abschluss zu finden dürfte für die Angehören schwierig werden. „Ich glaube, dass wir nach diesem Freispruch keinen Frieden finden können“, sagte Manuela Daxlberger. Ähnlich wie Ralf Rüth äußerte sie Zweifel am Rechtsstaat, dessen Entscheidung für die Familien nicht akzeptabel seien.

„Die Schweine haben mich nicht reingelassen“: Ein fatales Überholmanöver

Am 20. November 2016 hatte ein Golffahrer aus Ulm auf der Miesbacher Straße zu einem Überholmanöver angesetzt. Er fuhr ungebremst in den Wagen der jungen Frauen, in dem lediglich Magdalena Daxlberger schwer verletzt überlebte. Schwer verletzt wurden auch Golffahrer Simon H. und seine Beifahrerin.

Gleich nach dem Unfall hatte Simon H. geäußert, zwei BMW-Fahrer hätten ihn nicht mehr einscheren lassen: „Die Schweine haben mich nicht reingelassen.“

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Vor dem Amtsgericht Rosenheim wurde Simon H. zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten auf Bewährung verurteilt.

Die beiden zu Haftstrafen ohne Bewährung verurteilen BMW-Fahrer aus dem Landkreis Rosenheim legten Berufung ein – zunächst ohne Erfolg. Daniel R. wurde im November 2019 zu zwei Jahren und 5 Monaten verurteilt, das Urteil ist rechtskräftig.

Ein Formfehler führt zur Neuauflage des Berufungsprozesses

Sebastian M.s Anwalt legte gegen den Spruch von zwei Jahren und drei Monaten hingegen erfolgreich Revision ein. In der Neuauflage des Prozesses unter anderem wegen fahrlässiger Tötung wurde Sebastian M. am 25. Juni überraschend freigesprochen. Nach Ansicht der Vorsitzenden Richterin Heike Will hatte die Hauptverhandlung – unter anderem mit neuen Zeugen, die bislang noch nicht zu Wort gekommen waren – die Zweifel an der Schuld des Angeklagten nicht hinreichend ausräumen können.

Zum Thema: Unfalltod von Ramona und Melanie: Angeklagte wollen Freispruch, Urteil „nicht nachvollziehbar“

Vor allem der eigentliche Unfallverursacher Simon H. hatte sich nach Ansicht der Richterin widersprüchlich geäußert. Die anderen Zeugen mussten immer wieder einräumen, dass ihre Erinnerung verblasst sei. Ein neu aufgetauchter Zeuge aus Raubling hatte die beiden BMW-Fahrer belastet, seine außerordentlich detaillierte Aussage aber war von der Richterin und von Staatsanwalt Jan Salomon gründlich zerpflückt worden.

Ob gegen ihn ein Verfahren eröffnet wird, ist offen. Die Staatsanwalt will die Ausfertigung der Urteilsbegründung abwarten. In Anbetracht der viereinhalb Jahre seit dem fatalen Zusammenstoß und der wachsenden Erinnerungslücken aller Zeugen wäre vor allem die Frage zu klären, ob und wie ihm eine vorsätzliche Falschaussage nachzuweisen wäre.

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