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Begehrtes Grundstück des Bundes

Die Natur wird doppelt verplant: Bahn und Autobahn wollen in Schechen auf die selbe Fläche

Die Flächen südlich von Mintsberg liefern Landwirten gutes Futter für die Rinder. Noch, denn sowohl Bahn als auch Autobahndirektion wollen diese Fläches des Bundes nutzen.
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Die Flächen südlich von Mintsberg liefern Landwirten gutes Futter für die Rinder. Noch, denn sowohl Bahn als auch Autobahndirektion wollen diese Fläches des Bundes nutzen.

Das Grund und Boden im Rosenheimer Raum ein begehrtes Gut ist, ist nichts Neues. Hier wollen viele Menschen wohnen, arbeiten, Landwirtschaft betreiben. Die Grundstückspreise sind entsprechend. Was neu ist: Die Natur wird zweimal verplant. In Mintsberg.

Schechen – In und um Mintsberg, Ortsteil von Schechen, gehören etwa 70 Hektar dem Bund, werden von der Bima, Immobilienverwaltung des Bundes, an Landwirte verpachtet. Noch. Denn gleich zwei Institutionen rivalisieren um diese Fläche: Die Autobahndirektion Sübdbayern will dort eine Ausgleichsfläche für den Ausbau der A8 schaffen. Und die Bahn plant dort den Brenner Nordzulauf (BNZ). „Flächen sind begehrt – und in Deutschland knapp“, sagt dazu Josef Seebacher, Pressesprecher der Autobahndirektion Südbayern.

Ausgleichsflächen auf Bundeseigentum

Deswegen bemühe sich die Autobahndirektion immer sehr frühzeitig um Ausgleichsflächen – und nutze dazu bevorzugt Eigentum des Bundes. Wie zum Beispiel in der Nußdorfer Au. Ein Konzept, welche Flächen wie als Ausgleichflächen genutzt werden sollen müsse stehen, bevor es in das Planfeststellungs- und vor allem das Genehmigungsverfahren gehe, so Seebacher. Deswegen gebe es schon seit 2013 Gespräche über die Fläche bei Mintsberg – natürlich auch mit den Landwirten.

BBV-Kreisgeschäftsführer Josef Steingraber sieht die frühzeitigen Bemühungen der Autobahndirektion kritisch. Denn zum einen hätten die Landwirte wegen des Standes der Planungen zum Ausbau der A 8 von Rosenheim bis zum Bernauer Berg bisher keine guten Möglichkeiten, sich gegen die Ausgleichsfläche zu wehren. „Wenn diese Flächen ab 2023/2024 ökologisch aufgewertet werden, obwohl die Autobahn noch gar nicht gebaut wird, dann gehen sie auf ein Ökokonto und verzinsen sich mit drei Prozent jährlich. Die Autobahndirektion profitiert und die Landwirte haben Probleme.“ Wenn dann noch der BNZ auf der dann ökologisch wertvolleren Ausgleichsfläche gebaut wird, werden für die Trasse noch größere Ausgleichflächen gebraucht als heute ohnehin schon. „Die Bahn braucht für den BNZ unglaublich viele Flächen. Da sind etliche Landwirte in ihrer Existenz bedroht “, so Steingraber.

Pflegeverträge für die Ausgleichsfläche

Um die Existenz zu sichern, bietet die Autobahndirektion den Landwirten an, die Pflege der Flächen zu übernehmen. Keine Pacht mehr zahlen und für die Landschaftspflege noch Geld bekommen, also. „Uns ist klar, dass Landwirte wirtschaftlich rechnen müssen, ihre Familie ernähren und den Hof erhalten wollen. Deswegen reden wir ja mit ihnen“, so Seebacher.

Steingraber verweist darauf, dass einige Landwirte in Mintsberg rund 40 Prozent ihrer bewirtschaftete Flächen vom Bund gepachtet haben. Die Wiesen dort seien hervorragend, lieferten sechsmal im Jahr eiweißreiches Futter für Rinder. Da nutze der Pflegevertrag nicht viel, wenn nur noch einmal im Jahr gemäht werden dürfte. „Kühe wollen frisches Gras, die mögen kein Stroh.“ Auf vorgeschlagene Alternativen sei die Autobahndirektion bisher nicht eingegangen.

Planung für BNZ abwarten

Steingraber ist dafür, die weitere Planung für den BNZ abzuwarten. Denn wenn dann Tauschflächen für die Trasse gebraucht werden, gebe es noch viele Hektar neben der Trasse, auf die die Bahn zugreifen könne. „Wenn eine Gemeinde einen Gehweg bauen will, damit die Kinder sicherer zur Schule kommen, wird das letztlich wohl kein Grundeigentümer ablehnen. Und wenn die Gemeinde direkt neben dem Grundstück eines Hausbesitzers ein eigenes Grundstück hat, will der doch die Quadratmeter vor der Haustür gegen die selbe Größe Quadratmeter am Garten tauschen, damit sein Grundstück nicht an Wert verliert“, zieht Steingraber den Vergleich.

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Um sich diesen Tausch nicht zu verbauen und um den Landwirten ein paar Jahre Ruhe zu verschaffen, müsse für seine Begriffe die Autobahndirektion zurückstecken und die Entwicklung beim BNZ abwarten.

Autobahn auf Stand von vor 80 Jahren

Eher unwahrscheinlich. Denn Seebacher hatte im Gespräch mit der Heimatzeitung darauf hingewiesen, dass die A8 in einem Zustand ist, der eine grundlegende Sanierung – unabhängig vom Ausbau – dringend nötig macht. „Diese Autobahn ist 80 Jahre alt und sieht auch so aus.“ Er wolle sich gar nicht ausmalen, was wäre, wenn die A 8 aufgrund von Sicherheitsmängeln für den Verkehr gesperrt würde. „Es war doch schon eine Katastrophe, als die Autobahn am Chiemsee überschwemmt und unterspült wurde, gesperrt war. Da kam kein Schulbus mehr durch, wurde kein Lebensmittelgeschäft beliefert.“

Die Bima schrieb auf unsere Anfrage, wer denn Ober und wer Unter sei, mit der Auskunft, dass ein erhöhter Abstimmungsbedarf bestehe, sie die für den Redaktionsschluss gesetzte Frist nicht einhalten könne, „wir melden uns aber schnellstmöglich wieder bei Ihnen.“

Die Bahn plant den BNZ weiter, die Autobahndirektion die Ausgleichsfläche – und die Mintsberger Landwirte sitzen zwischen den Mahlsteinen.

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