Über Vorsorge durch Vollmacht

Was, wenn man im Alltag nicht mehr zurecht kommt?

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v. l.: Reinhard Socolov, Richter Gerhard Pfaudler, Perdita Plank, Michael Ritter

Schechen - Was gibt es bei der Vorsorge im Alter und rund um Betreuungsvollmachten zu beachten? Eine Frage, der die Nachbarschaftshilfe in Schechen ausführlich mit Experten im Gespräch nachging:

Über Vorsorge durch Vollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung ist in letzter Zeit wiederholt in den Medien berichtet worden. Mit gleich drei kompetenten Ansprechpartnern zu dieser komplexen Materie ist der Nachbarschaftshilfe Schechen im Rahmen einer Informationsveranstaltung jedoch ein besonderes Highlight gelungen. 1. Vorsitzender Reinhard Socolov konnte außer Bürgermeister Hans Holzmeier und Gemeinderäten eine Anzahl interessierter Bürger begrüßen und ihnen die Referenten des Abends vorstellen: Richter Gerhard Pfaudler vom Amtsgericht Rosenheim sowie Perdita Plank und Michael Ritter von der Betreuungsstelle des Landratsamtes Rosenheim.


Richter Pfaudler stellte heraus, dass die Betreuung im rechtlichen Sinne ausschließlich die rechtliche Vertretung auf Grund einer Anlasserkrankung bei Volljährigen sei – im Gegensatz zur täglichen Fürsorge, wie sie beispielsweise durch die Nachbarschaftshilfe und andere Organisationen geschehe. Hier sei das Betreuungsgericht zuständig, während für Minderjährige die Kompetenz des Familiengerichts gegeben sei. Das Betreuungsgericht werde tätig von Amts wegen oder auf Antrag, wenn eine Person nicht nur vorübergehend außerstande sei, ihre Angelegenheiten selbst zu erledigen. Es werde dann in Zusammenarbeit mit den Betreuungsstellen des LRA oder auch der Stadt Rosenheim ein Betreuer bestellt. Dieser nehme für den Berechtigten Aufgaben wahr, zu Fragen im Bereich der Gesundheitssorge und Pflegebedürftigkeit, Aufenthalt- und Wohnungsangelegenheiten, Vertretung bei Behörden sowie der Vermögenssorge und vieles andere mehr, Angelegenheiten des Berechtigten – immer in seinem Sinne – zu treffen.

Der Referent verdeutlichte: Das Betreuungsgericht wird von Amts wegen zur Bestellung eines Betreuers nicht tätig, wenn der von einer Anlasserkrankung Betroffene im Zustand seiner vollen geistigen Kräfte und Handlungsfähigkeit eine gültige Vorsorgevollmacht erteilt hatte. Diese sei zunehmend von großer Bedeutung, da die Zahl der Personen, für die ein Betreuer bestellt werden müsse, ständig steige. So seien im Bundesgebiet 1,3 Mio. Betreuer eingesetzt und allein für den Lk. Rosenheim 4.400 rechtliche Betreuungen angeordnet worden. Zu diesem problematischen Bereich gehören auch die Patientenverfügungen, die lediglich von etwa 12 % der deutschen Bevölkerung rechtsverbindlich unterzeichnet worden seien.


Richter Gerhard Pfaudler ging auch auf die Fragen einer Zuhörerin ein, wer Betreuer werden könne und zu den Kosten einer Betreuung. Danach werden Berufsbetreuer (Rechtsanwälte, Psychologen, Sozialarbeiter und andere geeignete Personen) mit pauschalem Stundensatz und ehrenamtliche Betreuer, die eine jährliche Aufwandsentschädigung bekämen, eingesetzt. Die Kostenfrage richte sich auch nach den Vermögensverhältnissen (mittelllos/nichtmittellos) des Betreuten, wobei der Staat ggf. auch finanzielle Hilfen leiste. Die Betreuer haben grundsätzlich eine Rechenschafts- und Berichtspflicht sowohl der Betreuungsstelle als auch dem Amtsgericht gegenüber.

Zu Problemen mit eingesetzten Betreuern musste Referent Pfaudler etliche Fragen der Anwesenden beantworten. Dabei erfuhren die Zuhörer, es sei durchaus möglich, dass der eine oder andere Rechtsanwalt für 50 bis 60 Betreuungen bestellt sei. Eine Anzahl, deren praktische Umsetzung vor weitere Fragen stellt und die Anwesenden vor großes Erstaunen. Richter Gerhard Pfaudler sagte eine Prüfung von aufgeworfenen Fällen zu, wenn ihm dazu Details übermittelt würden.

Über Erfordernis, Inhalt und Aufbewahrung der Vorsorgevollmacht im Rahmen der Betreuung als Rechtsfürsorge zum Wohl des betroffenen Menschen referierten Michael Ritter und Perdita Plank und gingen dabei ebenfalls auf detaillierte Fragen der Zuhörer ein. Entsprechende Unterlagen wurden von ihnen zur Verfügung gestellt und durchgesprochen. Nach entsprechender Terminvereinbarung, Tel. 08031/3929044, oder die Postanschrift: Landratsamt Rosenheim, Wittelsbacherstraße 53, 83022 Rosenheim, kann ein Beratungsgespräch vereinbart oder entsprechende Unterlagen angefordert werden.

Vereinsvorsitzender Socolov bedankte sich bei den Referenten mit einem kleinen Präsent für die sehr interessanten Informationen und verdeutlichte: „Rechtzeitige und vertrauensvolle Vorsorge durch Vollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung verbindet die Generationen und erspart dem Bürger ungewollte Schwierigkeiten und Kosten im Zusammenhang mit erforderlich gewordener Bestellung eines Betreuers“.

 

Pressemeldung: Nachbarschaftshilfe Schechen, Lutz Ellermeyer

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