Pressemeldung Agentur für Arbeit Rosenheim

Ausbildungsplatz trotz Behinderung: Ein Beispiel für gelungene Inklusion

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Das Foto zeigt: Maximilian Röckl (Arbeitsagentur), Jessica, Hans Holzmeier ,erster Bürgermeister der Gemeinde Schechen und Karl-Heinz Salzborn, Geschäftsleiter der Gemeinde Schechen.

Schechen/Rosenheim - Jessica ist von Geburt an behindert. Das hindert sie aber nicht daran, im Berufsleben erfolgreich zu sein. Eine Geschichte von gelungener Inklusion: 

Jessica ist eine echte Mutmacherin. Die 19-Jährige hat von Geburt an eine spastische sowie eine Gehbehinderung und startet dank ihrer Auffassungsgabe, ihres Ehrgeizes und der Unterstützung von allen Seiten im Berufsleben trotzdem voll durch. Seit dem 
1. September macht sie bei der Gemeinde Schechen eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. 

„Menschen wie Jessica sind Vorbilder für andere Menschen mit Behinderung und zeigen ihnen wie Teilhabe am Arbeitsleben und Inklusion trotz behinderungsbedingter Einschränkungen gelingen kann“, sagt Dr. Nicole Cujai, die Leiterin der Rosenheimer Arbeitsagentur im Rahmen der achten deutschlandweiten Woche der Menschen mit Behinderung der Bundesagentur für Arbeit.

"Ich fühle mich hier bei der Arbeit richtig wohl"

„Die Arbeit am Computer und mit dem Internet sind schon genau meins“, sagt Jessica. „Ich betreibe in meiner Freizeit zusammen mit einem Freund die Homepage www.inkluyou.de, um anderen Menschen mit Behinderung zu helfen. Das macht sehr viel Spaß und es ist toll, dieses Wissen bei meiner aktuellen Aufgabe anzuwenden, den Internetauftritt der Gemeinde Schechen zu überarbeiten. Ich fühle mich hier bei der Arbeit richtig wohl“, sagt sie und wirkt an ihrem Schreibtisch in dem extra für sie eingerichteten Büro fast schon routiniert. 

Karl-Heinz Salzborn, Geschäftsleitung bei der Gemeinde Schechen, teilt das positive Gefühl der Auszubildenden: "Unsere anfängliche Unsicherheit hat sich zerstreut. Jessica macht das super“, sagt Salzborn und nennt die Bearbeitung der Anmeldungen für die Kinderbetreuung nach der Schule, Korrespondenz und Telefonieren als Aufgaben, die die 19-Jährige bereits alleine erledigt. „Das Schreiben geht Jessica wirklich sehr gut und fehlerfrei von der Hand und sie erfreut uns alle vor allem durch ihre Motivation und gute Laune“, schwärmt er.

Ausbildungsplatz ergattert

Jessica, die im Sommer an der Wirtschaftsschule Alpenland ihre Mittlere Reife gemacht hat, berichtet, wie sie zu dem Ausbildungsplatz bei der Gemeinde Schechen gekommen ist: „Ich habe seit April 2017 nach einem Ausbildungsplatz gesucht. Als ich beim Landratsamt in Rosenheim angerufen habe, sagte mir die Ansprechpartnerin, dass die Lehrstellen für 2018 dort bereits vergeben seien, aber dass bei der Gemeinde Schechen vielleicht noch ein Ausbildungsplatz frei sei. Dann habe ich mich gleich beworben und hatte Glück.“ Salzborn pflichtet ihr bei und betont, dass Jessica sich gegenüber Mitbewerben ohne Behinderung aufgrund ihres Auftretens und der guten schulischen Leistungen durchgesetzt habe.

Barrierefreier Arbeitsplatz

Maximilian Röckl, Reha-Sachbearbeiter bei der Agentur für Arbeit Rosenheim, hat die Jugendliche bei der Vorbereitung des Ausbildungsplatzes intensiv begleitet: „Das 400 Jahre alte Gebäude, in dem sich das Rathaus befindet, hat vor gut zwei Jahren einen Fahrstuhl erhalten und als Jessica die Ausbildung begonnen hat, sind die Zugangstüren mit automatischen Türöffnern versehen worden“, erklärt er. „Zudem haben wir ihr Büro mit einem geeigneten Schreibtisch ausgestattet. Ein spezieller Arbeitsrollstuhl wird noch folgen. Aber schon jetzt scheint alles gut zu klappen!“ 

Diesen Eindruck bestätigt Salzborn gerne: „Jessica wird morgens von ihrem Fahrdienst gebracht und ist, wenn sie um kurz nach 7 Uhr ankommt, problemlos und selbstständig im Haus unterwegs. Sie macht ihre Arbeit häufig bereits eigenständig und immer zuverlässig und meldet sich, sobald sie damit fertig ist. Mittags kommt dann oft ihre Mutter vorbei. Nach der Arbeit bringt sie der Fahrdienst wieder heim.“

Auch Berufsschulbesuch gehört dazu

Seit Anfang November besucht Jessica nun die Berufsschule in Traunstein. „Dort treffe ich einen ehemaligen Klassenkameraden aus der Wirtschaftsschule, der schon weiß, wie er mir mit dem Rollstuhl helfen kann. Das finde ich schön“, sagt die 19-Jährige. Nun freut sie sich auf den anschließenden Besuch der Verwaltungsfachschule und die weitere praktische Ausbildung bei der Gemeinde Schechen. „Hoffentlich werde ich dann nach der Ausbildung übernommen“, sagt Jessica. 

Karl-Heinz Salzborn hat schon eine Idee dazu: „In Zeiten der Digitalisierung und des zunehmend papierfreien Büros haben wir wirklich Glück, dass Jessica am Computer so fit ist. Wenn alles weiter so gut läuft, freuen wir uns über ihre langfristige Unterstützung“, sagt er. Und die junge Frau strahlt.

Interessierte Bewerber und Unternehmen können sich gerne unter der Rufnummer 08031 / 202-271 bei der Agentur für Arbeit Rosenheim melden und sich bezüglich Unterstützung- und Fördermöglichkeiten informieren.

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