Prozess gegen Schechener Familie vertagt

Rosenheim - Unter gewaltigem öffentlichen Interesse startete der Prozess gegen eine Schechener Familie. Die Verteidger werfen Polizei und Staatsanwaltschaft Menschenrechtsverletzungen vor. *NEU: Video*

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie auch auf ovb-online.de

Da gegen Prozessbeteiligte im Vorfeld anonyme Morddrohungen ausgesprochen worden waren, gelten für den Prozess rigorose Sicherheitsvorschriften. Die nach dem Mord an einem Staatsanwalt im Dachauer Gericht bayernweit erhöhten Kontrollen in Justizgebäuden wurden deshalb zusätzlich verschärft. Zuschauer mussten sich ausweisen, wurden durchsucht und kontrolliert.

Das Zuschauer- und Medieninteresse an diesem Prozess ist enorm hoch.

Nachdem der Saal bereits um 8.30 Uhr mit Medienvertretern, darunter auch zahlreiche Kamerateams, und Zuschauern proppenvoll war, kamen um 9 Uhr alle Prozessbeteiligten in den Saal. Zunächst verlas die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift, die die Verteidigung mit einem formalen Antrag konterte. Darin wurde gefordert, das Verfahren wegen massiver Verfahrensfehler einzustellen. Die Verteidigung begründete ihren Antrag unter anderem damit, dass die Polizei gegen sich selbst ermittelt hätte und ihre Mandanten durch eine Presseaussendung des Polizeipräsidiums quasi schon vorverurteilt gewesen wären. So sei gegen die Unschuldsvermutung und das Recht auf ein faires Verfahren verstoßen worden. Unter anderem beriefen sich die Rechtsanwälte der Familie auf die UN-Antifolterkonvention. Außerdem prangerte die Verteidigung in ihrem Antrag die angebliche Löschung von Beweismitteln an.

Daraufhin ist der Prozess vorübergehend unterbrochen worden, um der Staatsanwaltschaft Zeit für eine Stellungnahme zu geben. Nach der Rückkehr in den Gerichtssaal beantragten die Staatsanwälte die Vertagung des Prozesses, um mehr Zeit für die Erstellung der Stellungnahme zu gewinnen und die von der Verteidigung zitierten Quellen zu überprüfen. Die Verteidigung wollte eine sofortige Stellungnahme. Letztlich gab das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt und damit wurde der Prozess vertagt. Damit war der "Spuk" für Zuschauer und Medienvertreter schon nach rund 90 Minuten wieder vorbei. Es wurden zwei weitere Prozesstage im Mai angehängt, die behandelnden Ärzte der Familie und ein medizinscher Gutachter sollen vor Gericht aussagen. Der Prozess wird in zwei Wochen fortgesetzt.

Schechener Familie vor Gericht

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Der Hintergrund des Prozesses:

Lesen Sie auch:

In dem Verfahren wird ein Polizeieinsatz vom November 2010 in Schechen juristisch aufgerollt. Der pensionierte Polizeibeamte, seine Frau, seine Tochter und sein Schwiegersohn sind des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt. Beamte der Rosenheimer Polizei hatten damals einen seiner Mieter zu einer psychiatrischen Untersuchung vorführen sollen. Als sie an der Wohnungstür der Tochter des Ex-Polizisten klingelten, kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung. Die Staatsanwaltschaft ermittelte zunächst gegen die Polizisten, klagte aber schließlich die vier Familienmitglieder an. Der Fall beschäftigte auch den Bayerischen Landtag. Für den Prozess sind jetzt acht Verhandlungstage vorgesehen. Es sollen rund 20 Zeugen vernommen und Sachverständige gehört werden. Das Urteil wird für den 11. Mai erwartet.

cs/mw/dpa/re/Oberbayerisches Volksblatt

"Polizei hat uns misshandelt"

Zwei Ehepaare aus Schechen beschuldigen Rosenheimer Polizei
Das Ehepaar Aloisia (62) und Josef E. (66) aus Pfaffenhofen/Schechen mit Tochter Sandra B.. Sie sagen: "Die Polizei hat uns brutal misshandelt." © cs/Ro24
Zwei Ehepaare aus Schechen beschuldigen Rosenheimer Polizei
Dieses Bild hat Aloisia E. von dem Zwischenfall in ihrem Hausflur aufgenommen. Sie sagt, ein Polizist in Uniform habe ihr kurz darauf die Kamera weggenommen und die Fotos gelöscht. Die Daten hätten jedoch später wieder hergestellt werden können. © privat
Der Polizeieinsatz im Haus von Familie E. in Schechen
Schwiegersohn Toni B. (36) wird an die Wand gedrückt  © Privat
Der Polizeieinsatz im Haus von Familie E. in Schechen
Zwei Polizisten halten Josef E. am Boden fest © Privat
Zwei Ehepaare aus Schechen beschuldigen Rosenheimer Polizei
Aloisia E. (62) leidet noch immer unter einer Verletzung, die sie bei dem Polizeieinsatz erlitten hat. © cs/Ro24
Zwei Ehepaare aus Schechen beschuldigen Rosenheimer Polizei
Das Mehrfamilienhaus der Familie E. in Pfaffenhofen/Schechen. Hier hat sich im November 2010 der Vorfall mit der Polizei zugetragen. © cs/Ro24
Zwei Ehepaare aus Schechen beschuldigen Rosenheimer Polizei
Schwarze Spuren an der Wand im Flur zeugen noch immer von dem Vorfall im November 2010. © cs/Ro24
Zwei Ehepaare aus Schechen beschuldigen Rosenheimer Polizei
In diesem Flur kam es zur Auseinandersetzung zwischen der Polizei und der Familie. © cs/Ro24
Zwei Ehepaare aus Schechen beschuldigen Rosenheimer Polizei
Aloisa E. zeigt im Flur Spuren des Zwischenfalls. © cs/Ro24
Zwei Ehepaare aus Schechen beschuldigen Rosenheimer Polizei
Aloisa E. zeigt im Flur Spuren des Zwischenfalls. © cs/Ro24

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