Zug blieb stundenlang auf Höhe Krottenmühl stehen

So schildert ein Fahrgast die extreme Situation im Meridian

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Krottenmühl/München - Das, was am Sonntagabend auf Höhe Krottenmühl geschah, verärgerte viele Fahrgäste des Meridian M79038. Die Gäste wollten eigentlich nach München, doch hielt der Zug mehrere Stunden auf freier Strecke auf Höhe Krottenmühl. Es hagelte Beschwerden, ebenso ging ein Aufschrei durch die Medien.

Am Sonntagabend (11. August) gab es das Bahn-Chaos schlechthin: Fahrgäste, die in einem Meridian-Zug Salzburg Richtung München (M79038) saßen, mussten stundenlang bei verschlossenen Türen im Zug ausharren. Der Grund dafür: ein technischer Defekt. 

So war die Situation im Zug M79038 - Ein Fahrgast berichtet

Ein Fahrgast berichtet nun über die Situation im Meridian-Zug M79038: "Mein Zug bestand bereits aus zwei Zugteilen, aber trotzdem war der gesamte Zug bereits ab Übersee so gefüllt, dass kein Sitzplatz mehr verfügbar war. Was die meisten Reisenden wohl gestört hatte (ansonsten war die Situation doch recht zivilisiert, trotz Überfüllung, defekter Toiletten etc.), war die geringe (und dann auch fehlerhafte) Informationspolitik über Lautsprecher. Man wurde nur im halbstündigen Rhythmus vom Lokführer informiert (der bestimmt sein Bestes gegeben hatte, um den Zug durchzuchecken). 

Die genauen Störungsmeldungen und weitere Informationen zu der Streckensperrung und den Zugausfällen finden Sie hier.

Nach Mitteilung des Vorliegens eines technischen Defekts wurde nach 30 Minuten die Elektronik neu gestartet; nach 60 Minuten hieß es, ein Abschleppzug sei unterwegs; nach fast zwei Stunden wurde mitgeteilt, dass die Feuerwehr unterwegs sei... Aber immer ohne einen weiteren Zwischenstand bzw. Zustand mitzuteilen. 

Erst gegen 21.15 Uhr wurde ein nachkommender Meridian an uns vorbeigeführt und neben unserem Zug (Tür an Tür) gehalten. Ab da begann dann über je eine Tür aus jedem Zugteil (also zwei Türen insgesamt) die Evakuierung über Stege zum anderen (auch schon sehr gefüllten) Zug. Dies dauerte dann circa 20-25 Minuten bis keine weitere Aufnahme an Passagieren mehr möglich war, der Streckenabschnitt vom Einsatzleiter freigegeben wurde und die Fahrt nach München weiterging".

Interview mit einer Sprecherin der BOB GmbH

Aufgrund vieler Leseranfragen hat die Redaktion von rosenheim24.de Kontakt mit Anna Graser, einer Sprecherin der Bayerische Oberlandbahn GmbH/Bayerische Regiobahn GmbH aufgenommen und ihr einige Fragen zukommen lassen.

War der Zug, der zur "Umschiffung" der Passagiere bereit gestellt wurde, leer oder war dies ein Zug, der dort zusätzlich gestoppt wurde?

Graser: Beides, da wir zwei Züge eingesetzt haben. Zuerst ist der gegen 20.45 Uhr der M79042, der ebenfalls aus Salzburg in Richtung München unterwegs war, „eingesprungen“. Der Zug hielt neben dem schadhaften Meridian und konnte gut die Hälfte der Fahrgäste aufnehmen. Die restlichen Fahrgäste wurden dann mit dem als Abschleppzug eingeplanten Meridian nach Rosenheim befördert.

Angeblich konnte nicht alle Passagiere in den weiteren Zug umsteigen, was geschah mit ihnen? (Busse..?) 

Graser: Siehe Antwort auf Ihre erste Frage, wir haben mit Zügen evakuiert.

Wieso hat es so lange gedauert, bis ein weiterer Zug kam?

Graser: Man wollte den Zug ursprünglich abschleppen. Da dies nicht funktionierte, musste die Evakuierung (per Zug) vorbereitet werden. Hierzu müssen entsprechende Vorbereitungen getroffen werden.

Laut Lesern gab es keinerlei Informationen wie z.B. Durchsagen an die Passagiere - wieso? 

Graser: Im hinteren Zugteil waren aufgrund der Leittechnikstörung leider keine Durchsagen zu hören. Die Fahrgastinformation konnte so erst mit Eintreffen des Notfallmanagers manuell für beide Zugteile aufgenommen werden. Es war leider kein Kundenbetreuer an Bord des Zuges.

Ein Leser fragte konkret, weshalb der Zug nicht in den nahegelegen Bahnhof Rosenheim geschleppt wurde und stattdessen eine Evakuierung nach Stunden erst erfolgte

Graser: Ein Abschleppen des Zuges war leider nicht möglich, die genauen Ausmaße der Leittechnikstörung konnten erst vor Ort festgestellt werden.

Bayerische Oberlandbahn kündigt Entschädigungen an

Die Bayerische Oberlandbahn möchte die Fahrgäste entschädigen. Das wurde in einer Pressemeldung veröffentlicht: "Für alle betroffenen Fahrgäste bietet die Bayerische Oberlandbahn GmbH in Anbetracht der besonderen Umstände unabhängig von Ansprüchen aus Fahrgastrechten und Kundengarantien als Entschuldigung eine gesonderte Entschädigung an. Fahrgäste werden gebeten, sich bzgl. der Auszahlung an den Kundenservice des Meridian zu wenden."

Auf Anfrage der Redaktion von rosenheim24.de, in welcher Form die Fahrgäste eine Entschädigung erhalten sollen, antwortete Anna Graser wie folgt: "Die betroffenen Fahrgäste vom Vorfall am Sonntag erhalten unabhängig von den freiwilligen Kundengarantien einen Pauschalbetrag als gesonderte Entschädigung. Die Abwicklung erfolgt über unseren Kundenservice. Ich bitte um Verständnis, dass ich mich zur Höhe des Betrags nicht weiter äußern kann."

ics

Rubriklistenbild: © picture alliance/Matthias Balk/dpa (Symbolbild)

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