Café als Nachfolge des Fischerstüberls

Leben statt Leerstand in Krottenmühl am Simssee

Eine alte Ansichtskarte zeigt den Betrieb beim Fischerstüberl, so wie er vor Jahrzehnten aussah. Nun soll dort ein Café mit Seminarhaus entstehen. Hampel
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Eine alte Ansichtskarte zeigt den Betrieb beim Fischerstüberl, so wie er vor Jahrzehnten aussah. Nun soll dort ein Café mit Seminarhaus entstehen.

Der Hang zwischen Bahn und Simssee, dort wo früher das Fischerstüberl stand, ist kahl, die Bäume sind gefällt. „Ja, das sieht arg aus“, finden auch die Eigentümerinnen. Die dort ab Sommer bauen wollen. Ein Café und ein Seminargebäude sind im Söchtenauer Ortsteil Krottenmühl geplant.

Söchtenau – Ein gutes Dutzend Jahre hatte das Fischerstüberl in Krottenmühl leergestanden, bis es abgerissen wurde. Nun tut sich wieder etwas auf dem Grundstück an der Seestraße.

Was sich zunächst tat, finden Nachbarn und Spaziergänger weniger erfreulich: Es wurden Bäume gefällt. All die Bäume, die dem Neubau auf dem Grundstück im Weg waren. Ja, derzeit sehe es schlimm aus, sagen auch Julia und Adriana Thimm, die Eigentümerinnen des Grundstücks. Es sei aber alles mit dem Landratsamt abgesprochen und selbstverständlich werde später das Grundstück wieder entsprechen bepflanzt.

Bestehendes Baurecht passt nicht zum Projekt

Später heißt: Nachdem Familie Thimm dort ein Café, eine Seminaroase und eine Wohnung gebaut haben. Als Thimms das Grundstück kaufen, gab es dort bereits ein Baurecht. Das passte aber nicht zu ihrem Vorhaben, so Julia Thimm. Also setzten sie sich mit der Gemeinde in Verbindung, schlossen einen städtebaulichen Vertrag.

Eigener Bebauungsplan sicherte Gastronomie und Seezugang

Das ging verhältnismäßig einfach, weil es für das Fischerstüberl einen eigenen Bebauungsplan gab. „Das stammt noch aus der Zeit meines Vorgängers“, so Altbürgermeister Sebastian Forstner. Damit habe die Gemeinde festschreiben wollen, dass auch nach dem Verkauf des Grundstücks durch die Bahn dort eine Gastronomie und damit ein Zugang zum See erhalten bleibe.

Das ist nun auch der Fall. Im Seminarhaus der Thimms entsteht ein öffentliches, barrierefrei zugängliches Café mit Terrasse zum See. „Neben Kaffee und anderen Getränken gibt es Kleinigkeiten wie Croissants oder Panini“, sagt Adriana Thimm im Gespräch mit der Redaktion.

Denn dem Seewirt ein Stück weiter wolle man mittags und abends keine Konkurrenz machen. Auch deshalb gebe es im Gebäude keine Zimmer für Seminarteilnehmer. Die sollen sich in den Ferienwohnungen und Gästezimmern am See einquartieren.

Das steile Grundstück des Fischerstüberls soll so modelliert werden, dass die Hangrutschgefahr minimiert wird. Die Alternative, den Hang mit Spritzbeton zu sichern, gefiel den Eigentümern nicht.

Grundstück erzielte bei Versteigerung hohen Preis

Das Grundstück des Fischerstüberls gehörte ursprünglich der Bahn, mit der hatte die Wirtschaft auch bis 2007 einen Pachtvertrag. Dann wurde das Grundstück versteigert. „Wir hätten es gerne gehabt, aber der Preis wurde so hochgetrieben, dass die Gemeinde auch vom Vorkaufsrecht keinen Gebrauch machte“, erinnert sich Bürgermeister Bernhard Summerer, damals Mitglied des Gemeinderates.

Dann lag das Grundstück brach. Im November 2018 kauften Thimms das Grundstück. Und stellten ihr Vorhaben im Gemeinderat vor. Mit positiver Resonanz. Das war allerdings noch der alte Gemeinderat, „ich hoffe, dem neuen Rat gefällt es auch so gut“, so Summerer.

Neue Planung ist kleiner als Baurecht

Zumal das Vorhaben kleiner wird, als das, was bisher genehmigt ist. 480 Quadratmeter Fläche könnten derzeit überbaut werden, die neue Planung der Eigentümerinnen sieht 350 Quadratmeter inklusive Terrassenflächen vor.

„Um sinnvoll Seminare abhalten zu können, brauchen wir eine gewisse Fläche“, so die Eigentümerinnen. Die Fläche der alten Wirtschaft hätte nicht gereicht. Den Seminarraum werden Thimms bei Interesse auch vermieten, versichern sie.

Gemeinderat entscheidet in wenigen Tagen

Am Donnerstag, 11. März, steht die Änderung des Bebauungsplanes auf der Tagesordnung des Gemeinderates, „ein ganz normales Regelverfahren“, sagt Anton Wenisch vom Bauamt der Gemeinde dazu.

Aber eines, für das die Grundeigentümer – weil es sich nur auf ihr Grundstück bezieht – die Kosten tragen. Und über das laut Gemeindebauamt erfreulich gründlich im Vorfeld gesprochen worden sei. Inklusive Grünflächenplan.

Landratsamt trifft Ausnahmeregelung

Bäume fällen, bevor der Bebauungsplan überhaupt steht? Thimms wollen, so bald sie können, mit den umfangreichen Arbeiten beginnen. „Hoffentlich im Sommer“, so Julia Thimm. Nach dem 1. März dürfen wegen der Vogelbrut aber keine Bäume mehr gefällt werden.

Also wurde beim Landratsamt eine Ausnahmegenehmigung beantragt und diese auch erteilt. Was Wenisch angesichts der Pläne des Landschaftsarchitekten Niederlöhner nicht verwundert: „Die bepflanzte Fläche ist hinterher größer und hochwertiger als bisher.“

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