Unwetter: Bürger kritisierten Schutz-Maßnahmen

Söchtenau – Die jüngsten Unwetter führten in Söchtenau zu vielen Überschwemmungen und Ausspülungen an Gemeindestraßen und Wegen. Bürger kritisierten nun die Schutz-Maßnahmen.

Auch die Bürger waren betroffen und manche sparten in mehreren Briefen, die Erster Bürgermeister Sebastian Forstner in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats vorlas, nicht mit Kritik an den von der Gemeinde getroffenen Schutz-Maßnahmen. Ausführlich befasste sich der Söchtenauer Rat mit den Schäden und versuchte Lösungen für einen noch besseren Schutz zu finden. Zur Situation im Gemeindeteil Hafendorf war der Rat einstimmig der Ansicht, dass das Problem gemeinsam mit einer Bauleitplanung für Hafendorf bearbeitet werden soll. Im Gewerbegebiet, bei der manche tiefliegende Gebäude betroffen waren, beschloss das Gremium auf Vorschlag von Sebastian Forstner als konkrete Maßnahme einstimmig, eine Querrinne in der Straße einzubauen und ein zusätzliches Gully zu setzen.

In Untershofen/Krottenmühl wurden in den letzten Jahren viele Maßnahmen zum Hochwasserschutz durchgeführt. Aber auch hier wütete die gewaltige Wassermenge. "So ein Unwetter mit riesigen Wassermengen war noch nie da", meinte Georg Liegl. Er schlug vor, um die Gullys vor Verstopfung zu schützen, sollte bei Starkregen über sie ein "Dom" aus Drahtgitter gestülpt werden. Lorenz Loy ergänzte, wenn Anwohner sehen würden, dass ein Gully verstopft sei, wäre es gut, wenn sie durch Herausnehmen des Gullydeckels für Abfluss sorgen würden.

Überdies schlug das Ratsgremium vor, in Grundstücksverhandlungen zu versuchen, neben der Straße Grund zu bekommen, um eine Mulde anzulegen, damit das Wasser besser in ein bereits gebautes Rückhaltebecken fließen kann.

Schwierig und teuer sei es, Schwabering umfassend vor Hochwasser zu schützen. Abhilfe würde eventuell ein Erdwall oberhalb von Schwabering schaffen. Erwägt ist, einen "runden Tisch" mit Anwohnern und Landwirten einzuberufen, um nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Auch die Brücken über den Fuschbach seien bei Hochwasser gefährdet, so Bürgermeister und Räte. Hier soll ebenfalls mit einem höheren Damm versucht werden, überschüssiges Wasser in ein angrenzendes Moorgebiet abzuleiten. "Denn wenn der Fuschbach richtig Hochwasser führt, gehen wir in Söchtenau baden", meinte Alfred Freiberger.

Alle Maßnahmen sind nicht einfach und können auch ohne Zustimmung betroffener Grundbesitzer und den Landwirten nicht durchgeführt werden. Dass es einen umfassenden Schutz bei solchen verheerenden Starkregen nicht geben kann, war sich das Gremium einig.

Um Unwetterschäden ging es auch bei einer vom Gremium einstimmig gutgeheißenen Vereinbarung zwischen der Gemeinde und der Teilnehmergemeinschaft der Dorferneuerung. Die vom Unwetter beschädigten, kürzlich bei Maßnahmen des Amtes für ländliche Entwicklung München hergerichteten Gemeindestraßen und Feld- und Waldwege werden wieder instandgesetzt. Die Kosten tragen je zur Hälfte Gemeinde und das Amt für ländliche Entwicklung.

Für anderweitige zwei Maßnahmen wurde ebenso eine Vereinbarung getroffen. Für die Außenbereichssatzung des Gemeindeteils Berg stellte Zweiter Bürgermeister Bernhard Summerer die Anregungen der Träger öffentlicher Belange vor. Einstimmig beschloss der Rat den Plan nicht zu verändern, es erfolgte Satzungsbeschluss.

Der Bauantrag von Michael Süss, Errichtung einer Garage und weitere Baumaßnahmen am Wohnhaus in Söchtenau, ging einstimmig durch, wie auch die dazu nötige Befreiung der Festsetzungen des Bebauungsplanes. Einstimmig genehmigte das Gremium den Bauantrag von Karin und Volker Mühsam, Erweiterung einer Doppelgarage.

Lebhaft diskutiert wurde am Ratstisch über die Bauvoranfrage von Reinhard Weber, Errichtung eines Einfamilienhauses mit Garage in Hayng. Der geplante Bau liegt absolut im Außenbereich. "Keine Einzelgenehmigung erteilen", forderten Josef Eckl, Alfred Martin, Martin Gabriel und Lorenz Loy. Georg Liegl meinte dagegen, man solle froh sein, wenn Einheimische hier bleiben würden. Der Antrag wurde zurückgestellt, bis mit dem Landratsamt Rosenheim geklärt ist, ob eine Bebauung in irgendwelcher Form, etwa mit einer Bauleitplanung, möglich ist.

Positiv bewerteten die Räte die Bauvoranfrage von Daniele Weiland, Sanierung des Anwesens im Ortsteil Brand mit Aufstockung, Wohnraumerweiterung und Dacherneuerung. Das Anwesen ist im schlechten Zustand, eine Sanierung täte nur gut, so die allgemeine Meinung.

Bürgermeister Forstner teilte mit, dass auch im Söchtenauer gemeindlichen Trinkwasser nach den Starkregenfällen Kolikeime gefunden worden seien. Das Wasser werde nun gechlort, zudem hat das staatliche Gesundheitsamt Rosenheim ein Abkochgebot im gesamten Versorgungsgebiet der gemeindlichen Wasserversorgungsanlage Söchtenau verhängt.

ni/Oberbayerisches Volksblatt

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