Sorge um Landwirtschaft geäußert

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140 Meter soll die Länge der Ställe in Aschhofen betragen.

Feldkirchen-Westerham - Für Aufsehen sorgt derzeit in Aschhofen der Bauantrag eines Landwirts, der seine Putenställe vergrößern will. Gegen den Plan laufen Landwirte aus Unterwertach Protest. 

Die Aufzucht und Mästung von Puten hat in Höhenrain und Aschhofen eine lange Tradition. Jetzt will ein landwirtschaftlich privilegierter Betrieb südlich von Aschhofen zwei seiner drei Putenställe um jeweils 79 Meter in der Länge und 22,50 Metern in der Breite erweitern. Der Antragsteller begründet sein Vorhaben damit, dass ihm bisher gepachtete Puten-Ställe künftig nicht mehr zur Verfügung stünden. Folglich würde sich die Zahl der Tiere nicht erhöhen, sie würden gewissermaßen nur umquartiert. Die Mitglieder des Bauausschusses befürworteten den Bauantrag mit 6:3-Stimmen.

Die Brisanz dieses Antrags zeigte sich nicht nur in der vorangegangenen Besichtigung des Standorts, sondern in einem von Unterwertacher Landwirten unterschriebenen offenen Brief an den Antragsteller und die Gemeinderäte.

Unter anderem schreiben sie, dass diese Erweiterung schon vor mehreren Jahren einmal angedacht war. Und weiter: "Aufgrund der damaligen heftigen Proteste aus Unterwertach bezüglich der dadurch erhöhten Geruchsbelästigung wurde dem Antragssteller ein 800 Meter entfernter Alternativstandort Grünwiese in einer Waldlichtung genehmigt. Dort wurden dann auch zwei neue Putenställe errichtet."

Die überwiegend selbst produzierenden Landwirte aus Unterwertach wollen nicht generell den Neubau von Ställen verhindern, sorgen sich aber um das Ansehen der Landwirtschaft in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham im Allgemeinen. Sie befürchten, dass von den vielen Kritikern schon jetzt alle Betreiber von Biogasanlagen unabhängig von der Größe in einen Topf geworfen würden. "Genau dieses Verhalten der Kritiker sehen wir in Zukunft auch im Bereich Intensivtierhaltung auf uns zukommen", steht in diesem Schreiben. "Es wird für uns bäuerliche Familien immer schwieriger, unseren Freunden und Verwandten die Entwicklungen der modernen Landwirtschaft zu erklären." Ihre Bitte an den Antragsteller: Zusammen mit dem Gemeinderat einen alternativen Standort zu suchen.

Bürgermeister Bernhard Schweiger und die Ratsmitglieder zeigten Verständnis für die Bedenken der Unterwertacher Landwirte. "Wir haben aber nur die Ortsplanung zu beurteilen", so erinnerte der Rathauschef. Betriebliche, nachbarschützende und immissionsschutzrechtliche Überlegungen seien ausschließlich Themen, die nur dem Landratsamt vorbehalten sind. Die künftigen Ausmaße der Putenställe (auch die schon bestehenden haben eine Länge von jeweils rund 60 Metern) seien auch für Schweiger absolut gewöhnungsbedürftig.

"Wir können nicht alle etwa neun Jahre dem Wunsch des Antragstellers um eine erneute Erweiterung zustimmen", monierte der Freie-Wähler-Gemeinderat Georg Schnitzenbaumer, einer der Unterzeichner des offenen Briefs. Auch das vom Antragsteller vorgebrachte Argument mit der kurzfristigen Kündigung des Pachtvertrags konnte Schnitzenbaumer nicht umstimmen, für ihn nichts weiter als ein "unternehmerisches Risiko".

SPD-Rat Heinz Oesterle wollte vor einer endgültigen Befürwortung wissen, wie viele Tiere in diesen drei Stallungen aufgezogen werden dürfen. Vor allem aber will Oesterle wasserrechtliche Probleme höher bewertet wissen.

Klaus Anderl (Freie Wähler Vagen) meinte, es bringe nichts, die beantragte Erweiterung am jetzigen Standort abzulehnen und gleichzeitig nach einem anderen Ausschau zu halten. Sinngemäß derselben Meinung war auch Sepp Hupfauer (Freie Wähler Feldolling), auch er ließ anhand der Debatte eine Befürwortung durchblicken. Anders dagegen Andreas Schnitzenbaumer (CSU), der "keinen unbedingten Zwang für eine Zustimmung verspüre".

Nach langer und konträr geführter Debatte wurde der Bauantrag gegen die Stimmen von Georg Schnitzenbaumer (Freie Wähler), Andreas Schnitzenbaumer (CSU) und Heinz Oesterle (SPD) befürwortet.

me/Mangfall-Bote

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