Als Sportschützin allein auf weiter Flur

Schechen/Landkreis - Nur jedes vierte Mitglied des Deutschen Schützenbundes ist weiblich. Eine der wenigen erfolgreichen Schützinnen in der Region ist die 20-jährige Marina Oberauer.

Der Deutsche Schützenbund (DSB) feiert heute sein 150-jähriges Bestehen. Unter den rund 1,5 Millionen Mitgliedern ist nur jedes vierte weiblich. Eine der wenigen erfolgreichen Schützinnen in der Region wohnt in Pfaffenhofen. Die 20-jährige Marina Oberauer versteht es trotz männlicher Übermacht gut, sich seit ihrer Kindheit in dieser Sportart zu behaupten.

Der Deutsche Schützenbund ist der größte Dachverband für Sportschützen in Deutschland. Ihm gehören 20 Landesverbände an, unter anderem der Bayerische Sportschützenbund (BSSB) mit über 4700 Vereinen.

Es gab Zeiten, da wurden Frauen in den Schützenvereinen überhaupt nicht geduldet. Das ist zwar schon lange anders, aber immer noch beherrschen die Männer diese Sportart. Fakt ist allerdings: Die Zahl der Frauen, die sich für das Sportschießen interessieren, nimmt seit einigen Jahren zu.

Marina Oberauer ist seit neun Jahren Mitglied des Schützenvereins "Alte Ritter Schechen-Hochstätt". Die bisherigen Erfolge der 20-Jährigen können sich sehen lassen. Sie war schon bayerische Vizemeisterin und trat bei einer deutschen Meisterschaft an. Beruflich ist die Pfaffenhofenerin als Serviceassistentin in einem Autohaus tätig. Einen Großteil ihrer Freizeit verbringt sie am Schießstand. Ihre Disziplinen: Luftgewehr, Zimmerstutzen und Kleinkaliber.

"Typisch Mädchen" kam für Marina Oberauer von klein auf nicht in Frage. Sie spielte lieber mit Autos als mit Puppen. "Was nicht Normales für Frauen" lautete dann auch die Devise bei der Suche nach einer für sie passenden Sportart. Vorbild war ihr Vater als langjähriger Schütze. Im Alter von elf Jahren hielt Marina bei einem Probetraining zum ersten Mal ein Luftgewehr in der Hand. Sofort war sie von diesem Sport begeistert.

In ihrer Altersklasse war sie in der Anfangszeit das einzige Mädchen im Schützenverein. Leicht machten es ihr die männlichen Mitstreiter nicht. "Da kamen immer wieder blöde Sprüche. Aber das hat mir nichts ausgemacht", erinnert sich die selbstbewusste junge Frau.

Sie trainierte ehrgeizig, zeitweise fast täglich. Die Erfolge blieben nicht aus, und damit stieg auch ihr Ansehen. "Wenn die Männer erst sehen, wie ich schieße, verstummen sie schnell", schmunzelt Oberauer.

Am meisten Respekt hat die Schützin vor dem Kleinkalibergewehr. Damit werde nun mal wirklich "scharf" geschossen. "Der Rückstoß hat schon Kraft. Ich habe mir dadurch am Arm schon einmal einen großen blauen Fleck eingehandelt. Aber aus Fehlern lernt man", so Marina Oberauer. Vorurteile gegen Schützen kann sie in keiner Weise nachvollziehen. "Das Sportschießen hat doch überhaupt nichts mit Gewalt zu tun", betont sie. Und sie sieht in ihrem Gewehr auch keine gefährliche Waffe: "Für mich ist das ein Sportgerät und sonst nichts."

Die Faszination des Schießsports liegt in den Augen der jungen Frau in der enormen Konzentration, die es braucht, um wirklich regelmäßig sicher treffen zu können. Schon der kleinste Fehler reiche aus, um das Ziel zu verfehlen. Man müsse lernen, richtig zu atmen, richtig zu stehen und die Umwelt völlig auszublenden, um wirklich erfolgreich zu sein. Letztendlich sei auch die Wahl des Sportgerätes entscheidend: "Gewehr und Schütze müssen eine perfekte Einheit bilden." Es ist allerdings nicht nur der Sport an sich, den Marina Oberauer beim Schützenverein "Alte Ritter Hochstätt-Schechen" schätzt. Auch die Geselligkeit und das Miteinander sind ihr sehr wichtig.

Für die Zukunft hat sich die Pfaffenhofenerin viel vorgenommen. Sie will noch viele Siege für sich verbuchen und es möglichst "ganz nach oben" schaffen. Nicht einfach in einer Welt, die zumindest derzeit noch hauptsächlich den Männern vorbehalten ist.

Karin Wunsam (Oberbayerisches Volksblatt)

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