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 Alternative Brennstoffe gesucht – und gefunden

Innovationsgeist verbessert Versorgungssicherheit

Verbrennung zur Energiegewinnung Symbolbild
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Ein Blick in den Reaktor der Holzvergasungsanlage der Stadtwerke Rosenheim

Im Gespräch erklärt der Geschäftsführer der Stadtwerke Rosenheim, Dr. Götz Brühl, welche Technologien aus dem bestehenden Energiekonzept des Energieversorgers man in Rosenheim gezielt forciert. Alles immer mit dem Ziel: bestmögliche Versorgung der Bevölkerung!

Rosenheim - Gas spielt eine gewichtige Rolle in der Energieversorgung. Das ist unbestritten. Aber welche Alternativen gibt es? In Rosenheim setzt man seit Jahrzehnten auf mehrere Standbeine, daher sorgen hier verschiedene Technologien für ausreichend Energie zum Heizen und für die Stromversorgung. Einige sind so besonders, dass man den Rosenheimern durchaus auch eine gute Portion Pioniergeist attestieren muss.

Entwickelt mit seinen Mitarbeitern innovative Energiekonzepte: Dr. Götz Brühl, Geschäftsführer der Stadtwerke Rosenheim

Das ist vielleicht auch das Erfolgsrezept des heimischen Energieversorgers: Sich eben nicht auf bestehenden Technologien ausruhen zu wollen, sondern immer wieder nach neuen Energiequellen zu suchen. Diese gilt es zu erforschen und dann alle notwendigen Weichen im Unternehmen zu stellen, damit eine weitere, fortschrittliche Methode den bestehenden Mix ergänzen kann. Das Wichtigste bleibt dabei die Versorgungssicherheit zu einem fairen Preis.

Herr Dr. Bühl im Interview

Herr Dr. Brühl, wie lautet Ihr Rezept, bestmöglich zur Versorgungssicherheit beitragen zu können?

Das oberste Ziel ist es, unsere Stadt sicher und CO2-neutral mit Strom und Wärme zu versorgen. Je mehr unterschiedliche Energieformen in diese Versorgung einfließen können, desto sicherer und preisstabiler kann sie gewährleistet werden. Denn eines ist klar: Niemand kann so recht sagen, wie die Energieversorgung der Zukunft genau aussehen wird. Eine sinnvolle Diversität ist heute schon gegeben. Diese Vielfalt bildet eine stabile Basis, auch den Herausforderungen zukünftiger Bedarfe gerecht werden zu können.  

Nicht Kälte, sondern wohlige Wärme liefert das Fernwärmenetz der Stadtwerke (Symbolbild).

Welche Entwicklung halten Sie für regional besonders zielführend?

Seit einigen Jahren forschen und entwickeln wir im Bereich der Biomassevergasung. Ziel ist es, mit selbst entwickelter Technologie ein Gas aus regional verfügbarem Material mit hoher Brennleistung zu gewinnen. Unsere Kollegen haben ein eigenes Verfahren hier im Haus entwickelt - weshalb es auch den Namen „Rosenheimer Verfahren“ trägt. Es passt hervorragend in unsere Bestrebungen, saubere Energie liefern zu können, die unsere Umwelt schont und mit möglichst wenig CO2-Emissionen zu Buche schlägt.  

Das klingt spannend. Wie funktioniert das und woher kommt das notwendige Material?

Beim Rosenheimer Verfahren wird der Rohstoff Holz eingesetzt, wobei wir hier aber nicht von Stamm- oder Frischholz sprechen. Wir wollen vorrangig Altholz einsetzen und so den wertvollen Rohstoff Holz noch besser und effizienter nutzen. Bei der Biomassevergasung wird der Rohstoff nicht direkt verbrannt, denn hier bliebe nicht mehr als kurzfristige Wärme und Asche übrig.

Wir haben die Grundidee der Holzvergasung, die ursprünglich bereits aus den 1930er-Jahren stammt, aufgegriffen, erforscht und weiterentwickelt. Das durch unser Verfahren gewonnene, wertvolle Gas wird in einem Teil unserer Anlagen zum Einsatz kommen. Unser Gedanke „Aus der Region, für die Region!“ kommt hier voll zum Tragen. Eine Ressource zu verarbeiten, die als Rohstoff hier bei uns vielfach verarbeitet, genutzt, später entsorgt und durch die Nutzung als Ressource ein „second life“ erfährt, wird so zu einem wertvollen Energieträger. 

Holz rein, Holzgas raus. Beim Rosenheimer Verfahren wird Biogas aus Altholz gewonnen.

Tatsächlich muss jedoch kein einziger Baum dafür gefällt werden, denn wir haben das Verfahren auf Altholz ausgerichtet, das über die Bauhof-Sammelstellen und bei regionalen Entsorgungsdienstleistern in großen Mengen generiert wird. Dort stapeln sich jährlich tausende Tonnen Altholz aus entsorgten Möbeln, Türen oder auch Bauspanplatten an. Eigentlich Abfall! Doch das Aufbereiten schafft aus Überresten einen wichtigen Brennstoff und schließt so ganz nebenbei auch noch den Materialkreislauf. Wir denken bei unseren Entwicklungen in alle Richtungen und haben u. a. auch schon Schwemmholz in unseren Versuchsanlagen getestet.

Ist das Holzgas das wichtigste aktuelle Thema bei Ihnen im Haus?

Nein, aber die Holzvergasung hat für uns einen hohen Stellenwert. Damit können wir eine Ressource bestmöglich verwerten und unser Angebot breiter aufstellen. In anderen Teilen Deutschlands dürfte das Holzgas aber eher ein Nischenprodukt sein. Wir wollen unser Portfolio an Energieträgern weiter ergänzen und grüner Wasserstoff wird hier eine große Rolle spielen. Wir bereiten uns schon jetzt vor, sodass wir später in der Lage sein werden, schnell gute Lösungen umsetzen zu können.

Bis Wasserstoff in größerem Ausmaß kommt, gibt es viele Herausforderungen zu lösen. Aber grundsätzlich wird es möglich sein, unsere Gasmotoren, die aktuell mit Erdgas betrieben werden, auch mit Wasserstoff zu betreiben. Dazu sind wir im engen Austausch mit dem Hersteller, der uns versichert hat, dass die Anlagen H2-ready sind. Diese müssen vorher technisch teilweise noch umgerüstet werden. 

Die Stadtwerke errichten für die öffentlichen und städtischen Gebäude, die in der Innenstadt liegen, ein Fernkältenetz.

Auch der erforderliche Aufbau von Elektrolyseur und Speicher ist machbar. Derartige Anlagen rechnen sich allerdings erst bei einem weiteren Ausbau der Wind- und Photovoltaikanlagen. Um flächendeckend allgemein mit Wasserstoff versorgen zu können, haben die Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) den Aufbau eines deutschen Wasserstoff-Ferngasnetzes vorgeschlagen. Der Anschluss an dieses Netz wäre die Voraussetzung für eine allgemeine Versorgung in Rosenheim. Wir sind übrigens eines der ersten oder sogar das erste Unternehmen, das einen Wegenutzungsvertrag für ein Wasserstoffnetz vorweisen können wird. 

Kontakt

Stadtwerke Rosenheim GmbH & Co. KG
Bayerstraße 5
83022 Rosenheim
www.swro.de

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