Deponie Waldering: Keine Verfüllung

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Deponie Waldering: Die Stadtwerke Rosenheim stellen die Rekultivierungspläne für die Deponie am Samstag, 1. Dezember, der Öffentlichkeit vor. Bei einem Tag der offenen Tür von 9 bis 13 Uhr auf dem Gelände in Waldering erläutern die Verantwortlichen die weitere Vorgehensweise.

Stephanskirchen - Erleichterung in Stephanskirchen: Die Deponie in Waldering wird nicht mit Materialien befüllt, die auch gefährliche Stoffe enthalten können.

Die Stadtwerke Rosenheim verzichten auf die beantragte Verfüllung von Bauabschnitt drei in der Deponie in Waldering mit Materialien, die auch gefährliche Stoffe enthalten können, und wollen den Betrieb der Anlage bis 2018 beenden. Danach soll das Gelände rekultiviert werden.

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Dieser Sinneswandel kam für den Gemeinderat nicht völlig überraschend. In den vergangenen Wochen war die Tatsache, dass sich eine einvernehmliche Lösung im Streit um die Deponie abzeichnete, bereits durchgesickert. Die Fraktionen und die Bürgerinitiative hatten sich ruhig verhalten, damit Bürgermeister und Verwaltung ungestört verhandeln konnten. Mit Erfolg: Rainer Auer verkündete in der letzten Ratssitzung die erlösende Nachricht vom Verzicht auf die umfangreiche Ablagerung von Materialien der Deponieklasse zwei, die auch gefährliche Stoffe wie PCB und Quecksilber enthalten können. Was hat zum Umdenken bei den Stadtwerken geführt: das Verhandlungsgeschick des Bürgermeisters? Der von allen Fraktionen unterschriebene Protestbrief an den Aufsichtsrat der Stadtwerke mit Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer an der Spitze? Die Versuche der Gemeinde, juristisch gegen die Planfeststellung vorzugehen? Die vom Ehepaar Sievi ins Leben gerufene und von Lily Brod geleitete Bürgerinitiative, die innerhalb kürzester Zeit 250 Unterschriften gegen die Verfüllung sammelte? Die Sorge der Stadt Rosenheim um den kommunalen Frieden mit Stephanskirchen?

Es war wohl eine Mischung aus allen Aktivitäten. Auer wies auch auf die Tatsache hin, dass die Gemeinde Stephanskirchen mit den Stadtwerken in den vergangenen Monaten mehrere Berührungspunkte verbanden: unter anderem auch die gemeinsamen Bemühungen um die Ausweitung des Anruftaxis in Stephanskirchen, das auch von den Stadtwerken betrieben wird. Permanent hätten Gespräche stattgefunden, man habe sich Stück für Stück angenähert und schließlich einigen können, berichtete der Bürgermeister.

Der Gemeinderat fühlte sich, als hätte die Kommune ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk erhalten: Alle Fraktionen würdigten das Verhandlungsergebnis als kommunalen Meilenstein in einer 30-jährigen Leidensgeschichte um das Sorgenkind Deponie. SPD-Fraktionsvorsitzende Margit Sievi sprach von einer Sternstunde, die beweise, dass es sich durchaus lohne, sich kommunalpolitisch zu engagieren. Gemeinderat, Bürgermeister, Verwaltung und Initiative hätten gemeinsam "viel Dampf gemacht" und mit ihrem Einsatz Erfolg gehabt.

Diesen habe Stephanskirchen auch der Tatsache zu verdanken, dass alle Fraktionen des Gemeinderates an einem Strang gezogen hätten. Ehre, wem Ehre gebührt: Karl Mair (CSU) und Christian Helget (Parteifreie Bürger) dankten in öffentlicher Sitzung dem Ehepaar Sievi dafür, sich an die Spitze des Protestes gesetzt und mit Mut sowie Hartnäckigkeit für das jetzige Ergebnis gekämpft zu haben. Es sieht nach Informationen des Bürgermeisters vor, dass lediglich in den Bauabschnitten eins und zwei der Deponie noch Abfälle der Klasse eins und zwei verfüllt werden. Dabei handelt es sich jedoch nur um ein geringes Restvolumen von etwa 3000 Kubikmetern.

Im Abschnitt drei, wo die Planfeststellung eine Aufbringung im großen Umfang vorgesehen hatte, wird auf den Einsatz möglicherweise gefährlicher Abbruchstoffe ganz verzichtet. Aufgebracht wird nur unbedenkliches Material, teilte Auer mit. Das insgesamt 5,5 Hektar große Deponiegelände wird nach dem Ende des Betriebes rekultiviert. Landschaftsarchitekt Wolf Steinert stellte im Gemeinderat ein erstes Konzept vor. Es sieht für eine stabile Statik die Erstellung eines Deponiefußes vor, der aus Erdreich entstehen soll. Das Gelände mit Höhenpunkten soll modelliert und der Natur zurückgegeben werden - mit Wiesenflächen und Biotopen. Wegesysteme sollen den Kiesgrubenbereich als Naherholungsareal erschließen.

Die ersten Rekultivierungen werden wohl schon vor dem Ende des Betriebes im Jahr 2018 beginnen. Die Gemeinde wird sich bei diesen Maßnahmen finanziell engagieren. Fraglich ist, ob der Wertstoffhof am jetzigen Standort verbleiben kann. Für den Fall, dass er verlegt werden müsse, habe der Landkreis signalisiert, diesen Bau erneut zu stemmen, kündigte Auer an. Die Kosten für die Abdichtung und spätere Deponienachsorge mit Pflege der Flächen bleiben bei den Stadtwerken, die als Besitzerin weiterhin in Verantwortung und Haftung stehe, teilte Auer mit.

Ratsmitglieder wie Jürgen Richter (CSU) sahen die Notwendigkeit, sich vertraglich so abzusichern, dass die Gemeinde nicht in die Verantwortung für den Deponiekörper hineingezogen werde könne. Herbert Bauer, Fraktionsvorsitzender Parteifreie Bürger, warnte vor zu großer Euphorie: Er wolle die Verhandlungsergebnisse nicht schlecht reden. Auf der sicheren Seite sei die Gemeinde jedoch erst, wenn die Verträge unterschrieben sind.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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