Beschaffung von Masken und Handschuhe eine große Herausforderung

Ambulante Pflege in Corona-Zeiten: „Viele Risikopatienten, besondere Vorsicht geboten“

Billie Haßlberger und Daniel Kolberger, Geschäftsführer Vivus K&H Pflege
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„Zu unserer Firmenphilosophie gehört, dass wir uns Zeit nehmen für unsere Patienten“, erklären Billie Haßlberger (rechts) und Daniel Kolberger, Geschäftsführer Pflegedienst Vivus K&H Pflege.

Stephanskirchen - Seit 1. März 2020 betreiben Billie Haßlberger (29) und Daniel Kolmberger (50) ihren neu gegründeten Pflegedienst Vivus K&H Pflege. Mit rosenheim24.de haben sie über die Herausforderungen im Pflegedienst gesprochen. Nicht alle sind allerdings auf die Corona-Pandemie zurückzuführen und waren davor schon da.

Die Patienten sind zum Großteil Risikopatienten, alleine schon aufgrund des hohen Alters. Damit ist im Pflegedienst coronabedingt besondere Vorsicht geboten. FFP2-Masken sind derzeit Pflicht für jedes Pflegepersonal. Diese wie auch Handschuhe müssen regelmäßig gewechselt werden. „Auch nach dem Waschen des Patienten müssen wir andere Handschuhe anziehen“, berichtet Billie Haßlberger gegenüber rosenheim24.de. Das regelmäßige Desinfizieren habe bereits vor Corona dazu gehört.

Ambulanter Pflegedienst in Corona-Zeiten: „Wir fahren nicht hin, machen alles fertig und fahren dann wieder“

Besonders der soziale Aspekt spiele derzeit eine größere Rolle als sonst. Es gibt viele Patienten, die das Personal vielleicht auch Mal ein wenig „aufhalten“. Denn durch die Einschränkung sozialer Kontakte haben viele Patienten weniger Kontakt zu anderen Personen „Die meisten wollen auch mal nur reden. Als Patient haben diese auch gesetzlich einen Anspruch auf Betreuungs- und Entlastungsleistungen“, erklärt die 29-Jährige. Das ist auch ein Angebot des Pflegedienstes.

Aber ihre Mitarbeiter würden sich zwischendurch Zeit für ein Gespräch nehmen. „Das tut den Patienten auch für ein paar Minuten oft gut. Wir fahren nicht hin, machen alles fertig und fahren dann wieder. Auch ohne Corona brauchen das viele, weil sie alleine leben. Zu unserer Firmenphilosophie gehört, dass wir uns Zeit nehmen für unsere Patienten“, betont die Geschäftsführerin. Denn diese vermissen die regelmäßigen Treffen zum Karten spielen oder anderen Dingen. Das sei gerade aber eben nicht möglich.

Seit März gibt es den neuen Pflegedienst. Inzwischen zählt Vivus K&H Pflege bereits 14 Mitarbeiter.

Masken und Schutzhandschuhe nur schwer zu bekommen

Herausfordernd sei derzeit aber hauptsächlich die Beschaffung der Masken, Schutzhandschuhen und anderen Materialien. Zudem sind die Preise hierfür stark gestiegen. „Eine Packung Handschuhe kostet derzeit zwischen 15 und 20 Euro“, schildert Haßlberger. Auf den Kosten bleiben sie aber nicht sitzen. Die Rechnung kann bei den Kassen eingereicht werden. Pro Tag benötigt ein Mitarbeiter je nach zu versorgenden Patienten, bis zu 40 Paar Handschuhe.

Ansonsten müssten die Autos nach dem Dienst an den Kontaktflächen desinfiziert werden. „Aber die Regeln sind nicht so streng wie in einem Altenheim. Wir sind ja bei den Patienten daheim. Dennoch setzen viele dort bereits eine Maske von sich aus auf“, so die 29-Jährige. Schutzkittel würden allgemein nur bei hochinfizierten Personen benötigt. Da die Schutzkleidung jedoch sehr schwer zu bekommen ist, pflegt Vivus K&H Pflege keine infizierten COVID19-Patienten.

Mitarbeiter im Pflegedienst sollten eine gewisse Anerkennung und Wertschätzung erhalten

In der Anfangszeit hatte das Unternehmen noch nicht so viele Patienten und ging dann unentgeltlich für alle einkaufen, die während des ersten Shutdowns nicht das Haus verlassen sollten: „Wir hatten noch Luft. Da haben wir gerne geholfen“, so die beiden Geschäftsführer über die Aktion.

Helfen liegt ihnen offenbar im Blut und war auch ein Grund den Schritt Richtung Selbstständigkeit zu wagen. „Viele ältere Personen wollen auch in Zukunft solange wie möglich zuhause gepflegt werden. Darin haben wir unsere Stärken gesehen“ so die beiden Geschäftsführer. Und das offenbar mit Erfolg. Inzwischen zählt der Pflegedienst bereits 14 Mitarbeiter.

„Wenn man in einem Angestellten-Verhältnis ist, bekommt man von oben Vorgaben. Da sind einem die Hände gebunden. Das wollten wir nicht“, so die Beiden über weitere Gründe für ein eigenen Betrieb. Mitarbeiter, besonders im Pflegebereich, sollten eine gewisse Anerkennung und Wertschätzung erhalten.

Forderung nach gerechter Bezahlung

So gern sie diese Tätigkeit auch ausüben, der wirtschaftliche Faktor spielt wie bei jedem Unternehmen eine Rolle. Dort sei die Politik gefragt. „Das Personal sollte richtig entlohnt werden. Das Geld von den Kassen würde den Einsatz, den der Pflegedienst leistet, nicht widerspiegeln. Wenn die ambulante Pflege wegfällt, dann bricht das komplette Gesundheitssystem zusammen“, prognostiziert Kolmberger.

Die Pflegedienste in Rosenheim und Umgebung sind einfach voll und könnten keine Patienten mehr aufnehmen. Die Ambulanz sei einer der größten Versorgungsstrukturen in Bayern. „Stationär gibt es nicht genug Kapazitäten oder sind mit rund 2.500 Euro auch zu teuer für viele ältere Personen. Das wird dann schwierig“, so Kolmberger. Zudem wollen viele Patienten einfach daheim bleiben. Das werde in Zukunft noch mehr werden, so die Schätzung vom Geschäftsführer. Viel Zeit für Verbesserungen bleibt also nicht.

jz

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