Experten referieren über die Auswirkungen der geplanten Bahntrassen

Brenner-Nordzulauf wird Einfluss auf das Grundwasser haben

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Stephanskirchen - Gleich vier Experten waren bei der Bürgerversammlung zum Thema Brenner-Nordzulauf im Gasthaus Antretter eingeladen, um ihre Expertise vorzutragen. Es ging um Umweltschutz, Geologie, Grundwasser und rechtliche Fragestellungen.

Der Verein Brennerdialog Rosenheimer Land e.V. lud am Mittwochabend einmal mehr zu einer Bürgerinformationsveranstaltung ein. Trotz Sommerfestival und bestem Badewetter war der Saal des Gasthauses Antretter in Stephanskirchen gesteckt voll. 

Vier Experten waren geladen, um über die geologischen und umweltbelastenden Auswirkungen der Bahntrassen des geplanten Brenner-Nordzulaufes sowie die rechtlichen Möglichkeiten, die einzelne Bürger und Bürgerinitiativen haben, zu referieren. Zu Gast waren: 

  • Dr. Michéle John,Rechtsanwältin für Naturschutzrecht und Bahndialog-Expertin. So kann ein erfolgreicher Planungsdialog mit der Bahn gelingen. Erläuterung am Beispiel der Trassenplanung über den Fehmarn-Belt.
  • Die Dipl.-Geografen Michael Menke und Markus Schmitz. Sie referierten über die Geologie und Grundwassersituation in unseren Gemeinden: Wie könnte der Bau einer Bahntrasse das Grundwasser und die Trinkwasserversorgung unserer Gemeinde beeinflussen?
  • Dipl.-Biologe Alfred Ringler: Die Naturschutz- und FFH-Gebiete unserer Gemeinden: Mögliche Auswirkungen und Bedrohung durch eine Bahntrasse

Auswirkungen auf Grund- und Trinkwasser

Wie Markus Schmitz in seinem Vortrag darlegte, sei der Planungsraum von großflächigen Naturschutzgebieten durchzogen. Man habe es im Planungsbereich auf engem Raum mit einem geologisch sehr komplexen Gebiet zu tun. "Wir haben hier große Variationen in einem kleinen Bereich", so Schmitz. Das Grundwasser weise einen starken Wechsel auf, was die Fließrichtung betrifft, außerdem gebe es verschiedene Stockwerke. "Das ist hydrogeologisch ein sehr sensibler Bereich, der Untergrundaufbau ist sehr kompliziert, was die Notwendigkeit bestätigt, die Planungen zu begleiten. Mit solch einer großen Maßnahme würde ein relativ großer Eingriff in die Natur passieren", erklärte er im Bezug auf eine mögliche Tunnellösung.

Eine solche Tunnellösung würde sich auch auf den Grundwasserspiegel auswirken. "Im Bereich des Tunnels hätte man eine Grundwasserdurchschneidung, was einen Abfall des Grundwassers bewirken würde. Das kann dann wiederum bewirken, dass das Wasser im Bereich des Brunnens absinkt." Ein solcher Abfall des Grundwassers lasse sich im Vorhinein berechnen. Letztendlich werde es aber so sein, dass man eine Grundwasseränderung habe. Um den Tunnel überhaupt bauen zu können, müsse das Grundwasser erst abgesenkt werden, der fertige Tunnel würde dann vom Wasser umströmt werden, was sicherlich auch eine aufstauende Wirkung zeige.

Mögliche Auswirkungen auf Natur und Umwelt

Im nächsten Vortrag von Alfred Ringler drehte sich alles um das Thema Naturschutz und Umwelt und die möglichen Auswirkungen der geplanten Bahntrassen. Was macht also eine hochfrequentierte Highspeed-Neubaustrecke mit dem Naturhaushalt und mit der Landschaft überhaupt? Laut Ringler gebe es Anlagen-, bau- und betriebsbedingte Auswirkungen. Diese wären: Flächenverlust, Eingriffe in den tieferen Untergrund, Oberflächenabfluss, der seitlich der Trasse gesammelt werden muss und so Biotope beeinflussen kann, Hochwasserrückstau, der Umbau gequerter Gewässer, ein Einfluss auf die Grundwasserströmung, Lärm, Erschütterung und Immissionen durch Herbizide und Stäube. Zudem würde man Materialdeponien und Lagerflächen während der Bauphase benötigen und es würde zu einer Zerschneidung der Natur kommen. "Die Gleiskörper als "schmale Steinwüste" trennen Säugetierlebensräume fast komplett. Eine weitere Auswirkung wäre der Vogel- und Insektenschlag durch die Züge.

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Speziell auf dem Rosenheimer Seeboden würden besondere und kostentreibende Probleme entstehen. Es würde fast durchgehend zu Grundwasserproblemen kommen. Auch der Bahnlärm sei nicht zu unterschätzen, der nicht nur Menschen, sondern auch Tiere wie Vögel, Amphibien und Fledermäuse beeinflusst-. An Hand einer Grafik stellte Ringler die Abnahme der Aufenthaltswahrscheinlichkeit der Tier dar. Auch die Brutvogeldichte würde zurückgehen, wie eine Untersuchung des Eisenbahnbundesamtes belegt. Laut Bundesamt sterben auch jährlich 30 bis 6.100 Vögel pro 100 Streckenkilometer durch Vogelschlag.

Rechtliche Möglichkeiten

Dr. Michéle John erläuterte als letzte Referentin ihre rechtlichen Erfahrungen und Möglichkeiten im Bezug auf den Planungsdialog anhand der Trassenplanung über den Fehmarn-Belt in Norddeutschland. Dieses Projekt sei vergleichbar mir dem des Brenner-Nordzulaufes. Auch in Schleswig-Holstein gebe es Bürgerinitiativen, die sich gegen die Trassen wehren, welche John rechtlich vertritt. 

Problematisch sei, gegen den Bundesverkehrswegeplan rechtlich vorzugehen. "Wenn das einmal vor dem Gesetz steht, ist das schwer zu knacken." Eine Möglichkeit überhaupt gegen das "ob man die Trassen überhaupt braucht" vorzugehen sei, den Bundesverkehrswegeplan anzufechten. "Das geht, wenn beispielsweise bewiesen werden kann, dass die Kosten-Nutzen-Faktor-Analyse falsch ist. Das müssen Sie aber gutachterlich belegen können. Alleine die Infos vom statistischen Bundesamt reichen nicht. Das sollte noch einmal extra mit einzelnen Berechnungen gesichert sein", so John. Dreh- und Angelpunkt seien auch die Zugzahlen. "Wenn die Bahn sagt, man habe einen Engpass, wir brauchen den Ausbau, dann wird das auch so entschieden. Wir kriegen selber nicht die Quellen, woher die Bahn die Zugzahlen bekommt." In Fehmarn haben die Gemeinden schließlich eigene Berechnungen mittels unabhängigen Gutachtern angestellt. Das müssen die Bürger jedoch vorleisten."

Die Rechtsanwältin rät dazu, dass sich Gemeinden und Städte frühzeitig kritisch, aber konstruktiv in die Planungen der DB Netz AG einmischen sollen. Auch solle man die Bürger umfassend informieren und für die wesentlichen Themen wie Lärm, Erschütterungen und den Naturschutz sensibilisieren. "Eine Bürgerbeteiligung kann zu Änderungen der Planungen der Bahn führen. Es wird aber Konfliktbereitschaft vorausgesetzt." Als weitere Voraussetzungen gibt sie an:

  • Interessen bündeln
  • frühzeitig den Sinn der Planungen hinterfragen
  • Dialog einfordern und mitgestalten
  • Fakten und Informationen sammeln und mitgestalten
  • Konflikte im Raum darstellen
  • Lösungen für den jeweiligen Raum aufzeigen
  • Forderungen stellen

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