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Ottfried Preußler und das Denkmal der Literaturgeschichte

Stephanskirchen und der Brenner-Nordzulauf: Das Märchen von der Krabat-Mühle

Otfried Preußler, der berühmte Geschichtenerzähler, lebte und schrieb in Stephanskirchen. Aber wo spielen seine Geschichten? Wo etwa ging Krabat beim bösen Meister in die Zauberlehre? Viele Stephanskirchener sagen: Das war in der Krottenhausmühle. Eine Spurensuche.

Stephanskirchen – „Jetzt sah Krabat die Mühle. Da lag sie vor ihm, in den Schnee geduckt, dunkel, bedrohlich, ein mächtiges, böses Tier, das auf Beute lauert“: So schildert Otfried Preußler den ersten Blick seines Zauberlehrlings Krabat auf die schwarze Mühle am Koselbruch.

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Und wenn man Berichten in diversen sozialen Netzwerken Glauben schenkt, sah Krabat eine Mühle in der Nähe vom Simssee: die Krottenhausmühle. Sie ist nach der Überlieferung vieler Menschen dort das wahre Vorbild für die Schwarze Schule des bösen „Meisters“. „Die Assoziationen an ,Krabat‘ sind für den Literaturkenner überwältigend“, schreibt da ein Mitglied des Forums „Wir sind Stephanskirchen!“ von einem Besuch an der Krottenhausmühle: Sie sei das „Krabat-Argument“ gegen den Brenner-Nordzulauf. Weil es nicht sein dürfe, dass neben einem solch wichtigen Monument der Literaturgeschichte ein Tunnelportal gähnt.

Die Krabat-Mühle als Argument gegen den Brennernordzulauf

Gegen den Brenner-Nordzulauf und die violette Trasse für die Bahn-Neubaustrecke, die vor bald einem halben Jahr vorgestellt wurde, richten sich viele Initiativen. Und das auch sonst mit viel Einfallsreichtum – etwa protestierten vor kurzem Tausende von Menschen aus betroffenen Gemeinden mittels einer Lärmwelle, die betroffene Anwohner entlang der Plan-Trasse anrichteten. Ist die „Krabat-Mühle“ so eine Idee?

Thomas Riedrich, Vorsitzender von der Gruppierung Brenner-Dialog Rosenheim Land und Anwohner, weiß nicht, wer die Geschichte mit der Krabatmühle aufgebracht hat. Dass sie stimmt, will er aber auch nicht ausschließen. Schließlich habe man Otfried Preußler häufig in der Gegend spazieren und in sein Diktaphon sprechen sehen. „Man kannte ihn hier“, sagt Riedrich.

Ein Schauplatz der Weltliteratur?

Die Gegend am Bachlauf der Sims ist schön. Die Krottenhausmühle macht – das richtige Licht vorausgesetzt – auch einen hinreichend unheimlichen Eindruck. Aber ist sie tatsächlich ein Schauplatz der Weltliteratur?

„Nicht dass ich wüsste“, sagt Susanne Preußler-Bitsch, die Tochter von Otfried Preußler, der 2013 starb. Der „Krabat“, den Preußler selbst auch als sein „Lebensbuch“ bezeichnete, wurzele vielmehr in der Sagenwelt seiner Kindheit.

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Ofried Preußler wurde 1923 in Reichenberg in Böhmen geboren. 1949 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und fand in Rosenheim seine vertriebene Familie wieder. In Stephanskirchen fand er seine neue Heimat, unvergessen bleibt er dort als Lehrer.

Über seinen „Krabat“ schrieb er selbst 1992: „Wie alle richtigen Volkssagen ist auch die Krabat-Sage zeitlich und geographisch lokalisiert, und zwar spielt sie im ausgehenden 17. Jahrhundert in der schlesischen Oberlausitz, in der Nähe von Hoyerswerda und Kamenz; und es versteht sich von selbst, dass ich diese genaue Lokalisierung für meine Geschichte weitgehend übernommen habe.“

Irgendwo im Osten Deutschlands also müsste sich die wahre Mühle finden lassen.

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Aber wenigstens der „Kleine Wassermann“ könnte doch schon mal in Oberbayern, genauer: im Mühlteich der Krottenhausmühle geplantscht haben. Hm, meint da seine Tochter, kann natürlich sein, wird aber eher auch woanders sein, der Glaube an die beseelte Natur sei ja überhaupt in Böhmen sehr stark.

Preußler selbst hat die Geschichte wohl aus der Kindheit mitgebracht. Vater und Großmutter waren seine wichtigsten Geschichtenerzähler, sie versorgten ihn mit Märchen und Sagen. „Ich erzählte die in der Kindheit angesponnenen Geschichten zu Ende“, sagte er einmal. 

Preußlers Nachleben in Stephanskirchen

Stephanskirchens geschichtskundiger Bürgermeister Karl Mair weiß, dass die Sage von Krabat, diese Geschichte von Schwarzer Magie, von Verführung durch Macht und von Erlösung durch Liebe in der Oberlausitz spielt. Karl Mair kennt aber auch den wahren Wert der Krottenhausmühle. Die Gebäude bildeten „ein besonderes Mühlenensemble“, das wegen dieser Besonderheit „auch ungewöhnlich ausführlich“ in der bayerischen Denkmalliste beschrieben sei.

Leider, so fährt Mair fort, soll ein Tunnelportal des Brennernordzulaufs in unmittelbarer Nähe zur Krottenhausmühle errichtet werden. „Umso tragischer“ findet es der Bürgermeister, dass auch das andere Tunnelportal in der Gemeinde an einem bedeutenden kulturgeschichtlichen Ort geplant sei, am Gut Innleiten, „wo ein gründerzeitliches Schloss, ein weiteres Gutshaus, ein Eiskeller mit Aussichtsturm und historische Fischbassins unter Denkmalschutz stehen“.

Stephanskirchen will an Otfried Preußler erinnern

Mair weiß wie nur wenige in der Region um die Wichtigkeit der Überlieferung. Daher forscht er auch grade nach, wie das denn war mit dem „kleinen Wassermann“. Gibt es nicht vielleicht doch Belege, dass der von Preußler bei der Krottenhausmühle gesichtet worden sein könnte? Bei einem dieser unzähligen Spaziergänge, bei denen er Gedanken in sein Diktiergerät sprach? 

Unabhängig davon interessieren Mair die Ergebnisse dieser Recherche schon deswegen, weil er und die Gemeinde 2023 zum 100. Geburtstag von Otfried Preußler an Orte mit Bezug zu ihm erinnern wollen.

Orte mit Bezug sollte es, böhmische Herkunft hin, erzählende Großmutter her, auch in der Gegend am Simssee in beachtlicher Zahl geben. Denn wurzeln mögen die Geschichten im Norden Böhmens und in der Lausitz. Aber zur Blüte gediehen sind sie in Stephanskirchen.

Rubriklistenbild: © Pixabay (Symbolbild)

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