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„Eine Ära geht zu Ende“

Der Kiosk war sein Leben: Georg Wagner hört in Baierbach am Simssee auf

Übergibt den Kiosk am Baierbacher Strandbad in neue Hände: Georg Wagner (links) hört nach 32 Jahren auf. Ab sofort steht Tom Ottitsch, Inhaber der Rosenheimer Tatis Bar, hinter dem Tresen des Kiosks am Simssee.
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Übergibt den Kiosk am Baierbacher Strandbad in neue Hände: Georg Wagner (links) hört nach 32 Jahren auf. Ab sofort steht Tom Ottitsch, Inhaber der Rosenheimer Tatis Bar, hinter dem Tresen des Kiosks am Simssee.

Georg Wagner (57) hat 32 Jahre lang den Kiosk in der Badebucht von Baierbach am Simssee geführt. Für viele Menschen on der Region ist er eine Institution. Jetzt hört er auf. Über einen, der für seine Gäste mehr als nur der Mann hinter dem Tresen war.

Stephanskirchen –  Spricht man mit Stammkunden über Georg Wagner, –  oder „Schorsch“, wie ihn alle nennen – fallen ein paar Wörter immer wieder. „Institution“, heißt es da, „Urgestein“ oder auch „eine Ära geht zu Ende“.

Wagner hatte gestern seinen letzten Tag in „seinem Kiosk“ am Simssee. Verbracht hat er ihn wie jeden Tag während der Saison. Er steht hinter seinem Tresen, gibt Getränke aus und verkauft Eis an seine Kunden.

Tom Ottitsch ist der neue Pächter

Seit heute kann man nicht mehr sagen, man geht zum „Schorsch“ an den Simssee, wie normalerweise. Jetzt verbindet sich ein neuer Name mit dem Kiosk am Strandbad. Der neue Pächter heißt Tom Ottitsch. Er führt normalerweise die Tatis Bar in Rosenheim. Wegen der Pandemie will er sich beruflich umorientieren. Die Fußstapfen von Wagner seien „riesig groß“, sagt Ottitsch. „Da muss man schauen, dass man dem gerecht wird.“

Georg Wagner macht sich aber keine Sorgen um die Zukunft des Kiosks. Er wisse, dass dieser bei Ottitsch in guten Händen sei. Aufzuhören fällt ihm trotzdem schwer. Er versucht zwar, es sich nicht anmerken zu lassen. Aber an der Art, wie er über seinen Laden spricht, merkt man es. „Der Kiosk war mein Leben“, sagt er und schaut zur Seite. „Jetzt beginnt ein völlig neuer Lebensabschnitt.“

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Stephanskirchens Bürgermeister Karl Mair (links) übergibt zusammen mit Beate Göbel von der Gemeinde Georg Wagner zum Abschied einen Geschenkekorb.

Einer, in dem er sich erst einmal neu orientieren müsse. Denn sein Tagesablauf im Sommer war in den vergangenen 32 Jahren immer gleich: Er kam zwischen sieben und halb acht zum Kiosk, sperrte auf und machte erst einmal einen Kaffee. Dann stellte er sich damit nach draußen und blickte auf den See und die Berge. Atmete durch. Er zeigt auf das Panorama und sagt: „Es gibt nichts Schöneres.“ Nach der ersten Tasse Kaffee nahm er manchmal Warenbestellungen an, richtete Getränke und Brotzeit für den Tag her.

Kein Sommerurlaub oder freie Wochenenden

So begann er seinen Morgen, sieben Tage die Woche, sechs Monate im Jahr, drei Jahrzehnte lang. Sein Arbeitstag endete um 22 Uhr, wenn er den Kiosk schloss. Einen Urlaub oder freie Wochenenden im Frühling und Sommer kennt er nicht. Er öffnete den Kiosk auch bei schlechtem Wetter, wenn es kalt war oder regnete. Warum? „So mache ich das einfach“, sagt er. Wenn dann doch Leute an den See kamen, freuten sie sich über einen offenen Kiosk. Das sei dann wiederum schön für ihn gewesen.

Doch nicht nur seinen Arbeitsalltag und das See-Berg-Panorama wird Georg Wagner vermissen. Sondern vor allem auch seine zahlreichen Stammgäste. Die Kunden, die über die Jahre hinweg zu „persönlichen Bekannten“ geworden seien. Für die er auch mal Geldbeutel oder Autoschlüssel verwahrte und Getränkerechnungen bis zum nächsten Mal aufschob. Mit vielen habe er im Laufe der Zeit häufig Gespräche geführt und „lustige Abende“ verlebt.

Wirt als Kummerkasten

Für sie war „der Schorsch“ mehr als nur der Mann hinter dem Tresen. „Bei mir schütten die Leute ihr Herz aus, erzählen von ihren beruflichen und privaten Sorgen“, sagt Wagner. Gestört habe ihn das nie. Es gehört für ihn zum Job des Wirts dazu. Genauso wie es für ihn dazugehört, seine Kunden vorne anzustellen. Während des Gesprächs beim Seiteneingang des Kiosks unterbricht er sich immer wieder, um hineinzugehen und die nächsten Gäste zu bedienen. Sie zufriedenzustellen, sei sein oberstes Gebot.

Er tritt wieder aus dem Verkaufsraum. „Hörst du auf?“, fragt ein älterer Mann auf einem Fahrrad. „Ja“, sagt Wagner. Der Mann schaut betroffen. Ein anderer Kunde in Badehose bezahlt sein Getränk und verabschiedet sich. „Danke für alles, Schorsch, bis bald.“ Eine Frau fragt, wie es ihm geht. So läuft das andauernd. Die meisten Kunden kennt er beim Namen.

Neue Herausforderungen

Daran, dass „der Schorsch“ jetzt nicht mehr hinter dem Tresen steht, werden sich auch die Gäste gewöhnen müssen. „Eine Ära geht zu Ende“, sagt Martin Breitinger aus Stephanskirchen ein bisschen wehmütig. Er kommt schon seit seiner Kindheit zu Wagner. Den Kiosk ohne den Schorsch kann er sich kaum vorstellen. Aber: „So ist das Leben.“

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Das findet auch Georg Wagner. Er wolle sich jetzt neuen Herausforderungen widmen, freut sich darauf. An „seinen Kiosk“ wird er aber trotzdem immer wieder zurückkommen.

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