Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Raum für Sorgen und Nöte

Erster Feldgottesdienst entlang der geplanten Brennertrasse in Stephanskirchen

Gut siebzig Leute fanden sich zu einem Feldgottesdienst in Stephanskirchen ein.
+
Gut siebzig Leute fanden sich zu einem Feldgottesdienst in Stephanskirchen ein.

Mit einer Reihe von Feldgottesdiensten möchte die Kirche in der Region den Menschen, die vom Brennernordzulauf betroffen sind, einen Raum für ihre Sorgen und Nöte geben. An dem Auftaktgottesdienst in Stephanskirchen haben rund 70 Menschen teilgenommen.

Stephanskirchen – Wenn dies in unserer Kirche keinen Platz hätte, dann würde etwas nicht mehr stimmen mit unserem Glauben“ Helmut Heiss meint die Befürchtungen und Sorgen, die die Menschen bezüglich der Planungen des Brennerzulaufs umtreiben. Der Pastoralreferent, der im Münchener Erzbischöflichen Ordinariat arbeitet, hatte die Idee zu einer Reihe von Feldgottesdiensten, die in den nächsten Wochen entlang der sogenannten violetten Trasse des Brennernodzulaufs stattfinden werden.

Wie geht der Mensch mit der Schöpfung um

„Das, was die Menschen bewegt, aufzugreifen und zum Thema zu machen“, hält auch Stephanskirchen Pfarrer Fabian Orsetti für wichtig. Er hat mit dem Gottesdienst am vergangenen Samstag auf einem Feld bei Eitzing nahe der Krottenhausmühle den Anfang gemacht. Und wie die Pfarrer der Gemeinden Rohrdorf, Riedering und Degerndorf, in denen die nächsten Gottesdienste stattfinden sollen, war er von Anfang an von der Idee überzeugt.

Lesen Sie auch: Mit Baum und Gottesdienst wird in Stephanskirchen an Sorgen wegen Brenner-Nordzulaufs erinnert

Dabei könne es nicht um einfache Lösungen gehen – „die hat in dieser komplexen Frage keiner“, wie Pfarrer Orsetti sagt, – auch nicht um wohlfeile Schuldzuweisungen in Richtung Politik oder Wirtschaft. Ihm geht es vielmehr um ganz und gar Grundsätzliches. Um die Frage, wie der Mensch mit der Schöpfung, in die er hineingestellt ist, umgeht.

Ist Wachstum mit Augenmaß möglich?

„Gott sah alles an und sah, dass es gut war“ heißt es in der Schöpfungsgeschichte und manchmal, so sagte Fabian Orsetti in seiner Predigt, habe auch er den Eindruck, dass es erst der Mensch sei, der hier die Knöpfe hineinbringe. Der aber sei glücklicherweise mit Verstand gesegnet, mit der Möglichkeit, seinen Blick immer wieder auf das Ganze, die Zusammenhänge zu richten. Und damit letztendlich fähig zu der Frage: Wie wollen wir in Zukunft leben? Ist immer mehr Wachstum der richtige Weg oder gibt es die Möglichkeit, hier nach Alternativen zu suchen? Ist Wachstum nicht auch mit Augenmaß möglich?

Lesen Sie auch: Resolution zum Brenner-Nordzulauf: Drei Forderungen aus Riedering

Es sei nicht so, dass mit der Stellung dieser Frage schon gleich die einzig wahren Vorgehensweisen deutlich würden, auch bei der Frage des Brennernordzulaufs nicht. Aber klar werde zumindest eines: Wer wieder Wache werde für die Tatsache, dass die Schöpfung keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Geschenk ist, bekomme einen anderen, einen vorsichtigeren und sorgsameren Blick auf die Welt. Auch auf die darin lebenden Menschen.

Und auch deshalb hatten bei dem Gottesdienst drei Anlieger, die von den Trassenplänen im Bereich Stephanskirchen unmittelbar betroffen sind, die Gelegenheit kurz zu schildern, wie ihre Existenz durch die Verwirklichung der violetten Trasse durcheinandergeworfen würde, teilweise durch die damit verbundene Zukunftsunsicherheit jetzt schon wird.

Heimat ist nicht nur ein Wort

Auch für Stephanskirchens Bürgermeister Karl Mair ist dieser Blickwinkel wichtig: „In den Diskussionen geht es zu oft um technische Detailfragen, um Kurvenradien und Frachtzahlen“, meinte er nach dem Gottesdienst. Dabei komme der Mensch oft zu kurz: „Heimat ist nicht nur ein Wort, es ist ein emotionaler Zustand“.

Für Helmut Heiss und Pfarrer Fabian Orsetti aber sind Emotionen, sind Sorgen und Nöte etwas, das in der Kirche seinen Raum finden muss. Eine lebendige Kirche, so meinen sie, muss wach sein für die Fragen des einzelnen Menschen, wie der Gesellschaft. Das sieht auch Helmut Enzinger so. Er ist Pfarrgemeinderat in Degerndorf, die dortige Pfarrgemeinde wird am 31 Juli den Feldgottesdienst ausrichten.

Lesen Sie auch: Brenner-Nordzulauf: Kreis und betroffene Gemeinden sollen Forderungen in Resolution bündeln

Er sagt: „Wenn es politisch ist, dass sich die Kirche auch um die Alltagsbelange der Menschen kümmert, dann muss Kirche wieder politischer werden, dann ist das etwas, was wir in Teilen vielleicht sogar ein bisschen verlernt haben“ Und auch von daher ist es für ihn wichtig, dass auch in seiner Pfarrgemeinde ein Feldgottesdienst stattfinden wird.

Es gehe hier natürlich auch um die Solidarität unter den Menschen in der Region gegenüber des Trassenplans, unabhängig von unmittelbarer Betroffenheit. Aber eben nicht nur, „sondern auch darum, dass Kirche, wenn es um unsere zukünftige Art zu leben geht, Wertvolles zu sagen hat“.

Raum des Kraft schöpfens schaffen

Und noch einmal: Weder ihm noch Helmut Heiss noch Pfarrer Orsetti geht es darum, gleich mit den richtigen Antworten aufwarten zu können. Sondern vielmehr darum, einen Raum zu schaffen, in dem man seine Sorgen anbringen und dabei die Kraft schöpfen kann, die Probleme konstruktiv und in einem fairen Dialog anzugehen.

Hoffnung, dass dies möglich ist, haben die drei nach wie vor, denn „Glaube ohne Hoffnung wäre kaum praxistauglich“ wie Helmut Heiss meint. Der kleine Apfelbaum, der im Rahmen des Gottesdienstes gepflanzt wurde, auch dafür ein lebendiges und wachsendes Zeichen.

Kommentare