Solidarische Landwirtschaft in Stephanskirchen beginnt mit Anbau

Mit Genossenschaft zur gemeinsamen Bio-Versorgung: Erstes Gemüse an der Landlmühle gepflanzt

Auf den Feldern der Landlmühle werden bereits die ersten Felder der Solawi bepflanzt. Fridolin Sandmeyer (li.) und Rudolf Finsterwalder erzählen vom Werdegang des Projekts.
+
Auf den Feldern der Landlmühle werden bereits die ersten Felder der Solawi bepflanzt. Fridolin Sandmeyer (li.) und Rudolf Finsterwalder erzählen vom Werdegang des Projekts.

An der Landlmühle in Stephanskirchen wurde bereits erstes Gemüse gepflanzt. Im Gespräch mit rosenheim24.de erzählen Initiator Rudolf Finsterwalder und der Gärtner der „SoLawi“ Landlmühle Fridolin Sandmeyer über ihr außergewöhnliches Konzept.

Stephanskirchen - Mit einer fein abgestimmten Mischung aus neuen Ideen, fairen Arbeitsbedingungen und pfiffigen Anbaukonzepten wollen Rudolf Finsterwalder und Fridolin Sandmeyer gemeinsam mit der für das Projekt gegründeten Genossenschaft der Solawi Landlmühle eG bis zu 250 Familien aus der Region mit nachhaltig angebautem Bio-Gemüse versorgen.

Die Präambel der Genossenschaft gibt mit einigen Schlagwörtern einen Eindruck vom Charakter des Vorhabens: „vielfältiges und biologisches Gemüse und Obst“, „Biodiversität“, „gesundes Bodenleben“ aber auch „transparente und ökologische Lebensmittelproduktion unter fairen und sicheren Arbeitsbedingungen“. Eine „lebendige und nachhaltige Genossenschaftskultur“ ist das große Ziel. Die Ernteanteile sollen unter den Mitgliedern aufgeteilt werden.

Rudolf Finsterwalder über die Anfänge und die lange Suche nach einem Gärtner

„Meine Frau Maria und ich hatten ja schon lange vor, dass wir sowas machen. Wir haben aber vorher ungefähr vier Jahre nach einem Gärtner gesucht. Es hat lange gedauert, aber es hat sich gelohnt. Gute Gärtner zu finden ist offenbar schwierig“, erzählt Finsterwalder und lacht. „Es gab einige Interessenten, aber es war keine leichte Entscheidung. Man muss da ein bisschen Unternehmer sein und gleichzeitig ein voller Profigärtner sein.“

Mit Fridolin Sandmeyer fand Finsterwalder den passenden Gärtner für die Felder an der Landlmühle: „Der Fridolin hat dann ja noch ein total spannendes Konzept für den Anbau mitgebracht. Das hat dann einfach gepasst.“ Wichtig war und ist Finsterwalder die Nachhaltigkeit des Projektes, wie er mehrfach betont: „Wir haben ein Nachhaltigkeitsforum Chiemgau gegründet. Das ist letztendlich ein Stammtisch einmal im Monat. Aktuell natürlich nicht, aber über ein Mitglied dieser Runde sind wir dann auf den Fridolin gekommen.“

Fridolin Sandmeyer ist der Gärtner der Solawi Landlmühle und erster Vorstand der Genossenschaft.

„Vier Jahre Vorlauf ist schon ganz ordentlich. Da sind wir schon ganz froh, dass das endlich starten kann.“ Zu Beginn 2020 suchten Finsterwalder und Sandmeyer eine Gruppe zusammen, um das Vorhaben starten zu können. „Damals wussten wir noch nicht, dass es eine Genossenschaft wird. Zunächst haben wir gedacht, dass wir das über einen Verein machen“, erzählt Finsterwalder: „Damit das gleich breiter aufgestellt ist, haben wir uns an ein paar Interessierte gewandt, die dann das Ganze vorangetrieben haben. Das Wichtigste war erst einmal, dass wir einen guten Gärtner haben.“ Mit einem guten Gärtner im sprichwörtlichen Gepäck ging es dann ans Eingemachte.

Der Weg zum Start des Anbaus war nämlich mit verschiedenen nötigen Zustimmungen der zuständigen Ämter gepflastert. Hier merkt Finsterwalder an, dass er sehr erfreut war, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden im Landratsamt so gut verlaufen ist und freut sich über das Vertrauen und die Hilfsbereitschaft: „Da muss man sich wirklich mal bedanken. Die haben uns da richtig unterstützt. Man schimpft ja immer mal wieder über manche Ämter, aber die Erfahrung haben wir jetzt bei diesem Projekt gar nicht gemacht.“ Die Zulassung der vorher mehrheitlich wenig bis gar nicht genutzten Fläche für die landwirtschaftliche Nutzung ist nämlich nicht immer so leicht

Dass Grünfläche für die Bepflanzung genutzt wird, muss im übrigen an anderer Stelle ausgeglichen werden. Sandmeyer wirft an dieser Stelle des Gesprächs ein, dass die Auflagen der Ämter besser nicht sein könnten: „Das trifft sich sehr gut, denn diesen Ausgleich habe ich mir genau so schon vorgestellt.“ Auf dem Grund der Landlmühle soll für den ökologischen Ausgleich eine Wiese zu einer Streuobstwiese werden. „Damit die Bilanz stimmt und die rechtlichen Vorgaben eingehalten werden, muss das so gemacht werden, aber wie gesagt, das war schon vorab Bestandteil unserer Planung.“ 

Nachhaltiger Bio-Anbau, aber effizient? So funktioniert’s

Gärtner Sandmeyer erzählt begeistert vom Anbaukonzept des Projekts und den Vorteilen gegenüber dem konventionellen Ansatz: „Der Klassiker, wenn man mit der landwirtschaftlichen Nutzung anfängt, ist ja, dass man sich einen alten Schlepper und eine Fräse holt. Normalerweise wird dann der Boden jedes Jahr zwei- dreimal gefräst, man pflanzt an, reißt das Unkraut raus, erntet ab und dann wieder von vorn. Und jedes Mal wird der Boden ein wenig schlechter. Das hat halt seine Tücken.“ Sandmeyers Herangehensweise kommt ohne Umgraben aus, weshalb er bei der Fläche auch von Anbaufläche spricht und nicht von einem Acker. „Einen schönen deutschen Begriff gibt es da bei uns noch nicht dafür“, erklärt er „In Amerika ist das entstanden und heißt ‚No Dig Market Garden‘. Also quasi der ‚nicht umgraben Marktgarten‘.“

An der Landlmühle in Stephanskirchen werden die ersten Felder der Solawi Landlmühle eG bepflanzt

Die ersten Pflanzen lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen.
Die ersten Pflanzen, welche irgendwann bis zu 250 Familien zugutekommen sollen, lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen. © mda
Die ersten Pflanzen lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen.
Die ersten Pflanzen, welche irgendwann bis zu 250 Familien zugutekommen sollen, lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen. © mda
Die ersten Pflanzen lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen.
Die ersten Pflanzen, welche irgendwann bis zu 250 Familien zugutekommen sollen, lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen. © mda
Die ersten Pflanzen lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen.
Die ersten Pflanzen, welche irgendwann bis zu 250 Familien zugutekommen sollen, lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen. © mda
Die ersten Pflanzen lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen.
Die ersten Pflanzen, welche irgendwann bis zu 250 Familien zugutekommen sollen, lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen. © mda
Die ersten Pflanzen lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen.
Die ersten Pflanzen, welche irgendwann bis zu 250 Familien zugutekommen sollen, lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen. © mda
Die ersten Pflanzen lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen.
Die ersten Pflanzen, welche irgendwann bis zu 250 Familien zugutekommen sollen, lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen. © mda
Die ersten Pflanzen lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen.
Die ersten Pflanzen, welche irgendwann bis zu 250 Familien zugutekommen sollen, lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen. © mda
Die ersten Pflanzen lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen.
Die ersten Pflanzen, welche irgendwann bis zu 250 Familien zugutekommen sollen, lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen. © mda
Die ersten Pflanzen lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen.
Die ersten Pflanzen, welche irgendwann bis zu 250 Familien zugutekommen sollen, lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen. © mda
Die ersten Pflanzen lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen.
Die ersten Pflanzen, welche irgendwann bis zu 250 Familien zugutekommen sollen, lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen. © mda
Die ersten Pflanzen lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen.
Die ersten Pflanzen, welche irgendwann bis zu 250 Familien zugutekommen sollen, lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen. © mda
Die ersten Pflanzen lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen.
Die ersten Pflanzen, welche irgendwann bis zu 250 Familien zugutekommen sollen, lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen. © mda
Die ersten Pflanzen lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen.
Die ersten Pflanzen, welche irgendwann bis zu 250 Familien zugutekommen sollen, lassen ihre Wurzeln bereits an der Landlmühle in Stephanskirchen in den Boden wachsen. © mda

Doch wie funktioniert nun der Anbau? „Der Punkt ist der, dass man gar nicht umgräbt. So wie die Wiese jetzt da liegt, legen wir Kompost auf. So 15 bis 20 Zentimeter werden aufgelegt. Die Wege werden mit 10 bis 15 Zentimeter Hackschnitzel aufgeschüttet. So wird die Wiese im Grunde abgemulcht. Da kommt dann nichts an Unkraut durch“, schwärmt Sandmeyer und erzählt vom einfachen Umgang mit Unkraut, wenn es denn doch mal durch den Boden durchkommt: „Das kann man, weil der Boden so locker aufliegt, einfach herausziehen. Man macht halt einmal diesen Invest und dann läuft das von alleine. Der Boden gräbt sich sozusagen auch von alleine um. Unkraut kommt da eigentlich nur, wenn irgendwas nicht stimmt.“

Die Idee für dieses genaue Anbaukonzept hat Sandmeyer vom schwedischen Gärtner Richard Perkins, welcher auf diesem Gebiet offenbar eine wahre Koryphäe ist. Auf Basis seiner Erfahrungen und Erkenntnissen geht Sandmeyer davon aus, dass sich die Erträge eher steigern werden, als zu verringern: „Am Ammersee in einer Gärtnerei habe ich das in einem Gewächshaus getestet. Das waren so 500 Quadratmeter und da hab ich das mal probiert. Das ist richtig abgegangen.“ Er erzählt stolz von etwa 100 Euro Ertrag auf den Quadratmeter.

Was Sandmeyer sehr gefällt ist, ist die nahezu komplett maschinenfreie Anbauweise: „Man braucht halt nur einmal Maschinen und dann läuft das komplett ohne.“ Er ergänzt noch: „Wir hoffen natürlich auch, dass andere sehen, dass so etwas funktioniert, und vielleicht mehrere solcher Projekte entstehen.“ Die Vorbildfunktion ist Finsterwalder und Sandmeyer durchaus wichtig. Schon bevor sie mit der Umsetzung ihrer eigenen Pläne begannen, standen sie im engen Kontakt mit einer solidarischen Landwirtschaft aus Bad Endorf.

Ohne Spritzen oder Sonstiges? Trotzdem kein Platz für Schädlinge

Bei der Schädlingsbekämpfung zählt Sandmeyer auf die intakte Natur: „Grob kann man sagen, dass wenn das Ökosystem funktioniert, dann frisst sich alles gegenseitig. Da haben wir hier ja auch einen goldenen Platz mit einem Eichenmischwald, einem Bach und auch mit Bienen, die erwiesenermaßen helfen, dass Schädlinge nicht Fuß fassen können.“ Auch die gut durchgemischte und begrenzte Anbaufläche hilft dabei, das Risiko von Schädlingsbefall zu minimieren, wie der Gärtner erklärt: „Hätten wir hier jetzt einen Hektar Monokultur, dann würde das natürlich anders ausschauen, aber das haben wir ja nicht.“

Finsterwalder wirft zu diesem Thema ein: „Das ist ja auch eher ein Problem der Industrie.“ Seiner Meinung nach seien solche Beschwerden oftmals hausgemacht.

Ertrag soll hoch und der Preis erschwinglich sein

Bio und nachhaltig. Zwei Schlagworte, die durchaus ihren Reiz haben. Aber wie steht es um die Erschwinglichkeit und die letztendlichen Ernte des Anbaukonzepts, fragt sich sicherlich der ein oder andere. „So wie es ausschaut, ist diese Anbauweise das effizienteste, was es flächenmäßig gibt. Aber ich werde das auch dokumentieren“, sagt Sandmeyer mit merklich großem Selbstbewusstsein.

Auch mit dem Ansatz, letztendlich 250 Familien mit frischem, regionalem Bio-Gemüse versorgen zu wollen, muss die die Ernte stimmen. Denn wie Finsterwalder anmerkt, soll das Angebot nicht besonders exklusiv oder teuer sein. Es soll insgesamt nicht teurer werden, als das Gemüse im Bioladen zu kaufen. 

Aber auch für Besucher soll es schön sein

Der Ertrag und der Preis sollen stimmen, aber die reine Effizienz des Anbaus ist nicht alles, wie Finsterwalder betont: „Es ist hier einfach ein schöner Ort. Das ist für die Leute auch wichtig. Wenn die kommen und ihre Ernte abholen und sich das anschauen, dann soll das nach etwas ausschauen. Wir haben hier ja ein Naherholungsgebiet. Es ist einfach ein wichtiger Aspekt, dass das schön ausschaut.“ Dafür wurden zwischen den Feldern großzügige Grünflächen eingeplant. Auf ihnen sollen im weiteren Verlauf Bäume gepflanzt werden.

Am Weg neben der Anbaufläche wurde bereits ein Briefkasten aufgestellt, aus dem sich Interessierte Flyer nehmen können. Eine Infotafel soll folgen. 

Mit der Genossenschaft zum Projektstart

Finsterwalder und die anderen Initiatoren haben sich dafür entschieden, ihr Vorhaben gemeinsam mit einer eigens gegründeten Genossenschaft umzusetzen. Das schränkt zwar die unternehmerischen Freiheiten ein, da die Mitglieder der Genossenschaft ein gewisses Mitspracherecht haben. Jedoch fallen einige Stolpersteine weg, die das Projekt sonst deutlich verlangsamen könnten. Zudem sei eine solche Organisation unter Einbezug der Mitglieder eine nachhaltige Sicherheit für alle Beteiligten, meint Finsterwalder: „Sowas ist auch krisensicherer als andere Modelle. Das merken wir jetzt schon mit der Genossenschaft der Metzgerei (gemeint ist Simsseer Weidefleisch) während Corona. Da gibt es einfach mehr Zusammenhalt.“

Finsterwalder spricht dabei von Solidarität von Beginn an bis zu den ersten Erträgen: „Für 100 Euro kann man sich einen Genossenschaftsanteil sichern. Dadurch muss man dann natürlich nicht zuerst zur Bank und sich einen Kredit holen.“ Aber anders als bei herkömmlichen Investitionen, weiß man hier auch, wofür man das Geld anlegt: „Die Leute geben natürlich lieber Geld für etwas, das sie sehen können. Da war die Rückmeldung auch ganz großartig.“ Wenn die Ernten dann demnächst beginnen, können die Mitglieder der Genossenschaft in ihrem „Gemüse-Abo“ wöchentlich eine kleine, mittlere oder große Kiste abholen.

Nähere Informationen über das Projekt sind unter https://www.solawi-landlmuehle.de/ zu finden.

Kommentare