Landrats-Kandidat der Parteifreien

"Halte es für schlecht, wenn Parteipolitik die Kommunalpolitik dominiert"

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Von links: Dieter Kannengießer, 1. Vorsitzender Kreisverband Parteifreie/ÜWG; Stephanskirchens Bürgermeister Rainer Auer und Georg Huber, Bürgermeister von Samerberg.
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Stephanskirchen - Am Montagvormittag stellten die Parteifreien ihren Landrats-Kandidaten für die Kommunalwahl 2020 vor. Es handelt sich um den Stephanskirchener Bürgermeister Rainer Auer.

"Ich möchte dieses Amt anstreben, weil ich es für schlecht halte, dass die Kommunalpolitik manchmal von Parteipolitik dominiert wird", erklärte Auer. "Ich selber habe in Stephanskirchen gelernt, dass die verschiedenen Fraktionen am besten zusammenarbeiten, wenn Sie sich ordentlich über Themen unterhalten und dabei nicht ihren Wahlerfolg oder ihre Popularität als Priorität sehen."  

Er selbst wurde bei der letzten Kommunalwahl von Grünen, SPD und CSU unterstützt. "Zumindest von Seiten der Grünen und der SPD erhoffe ich mir durchaus Unterstützung bei meiner jetzigen Kandidatur", gibt er sich optimistisch. 

Auer im Video:

Parteifreie/ÜWG sehen ihn als idealen Kandidaten

"Fraktion und Vorstandschaft der ÜWG kamen nach eingehenden Beratungen zur einstimmigen Entscheidung zu Gunsten des Stephanskirchner Gemeindeoberhaupts für die Kommunalwahl im März 2020", so die Parteiführung. Der 53-Jährige verkörpere wie kaum ein anderer Mandatsträger im Landkreis das Erfolgsmodell einer unabhängigen, parteifreien, erfolgreichen Kommunalpolitik für den Bürger.

Die gesamte Pressekonferenz im Video:

Auer, als zweiter von drei Söhnen geboren, erlernte zunächst das Konditoren-Handwerk. Nach fünf Jahren Berufspraxis folgte sein Zivildienst im Krankenhaus Rosenheim. Im Anschluss holte er auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nach und begann ein Studium zum Hauptschullehrer. Nach dem erfolgreichen Abschluss arbeitete Auer elf Jahre als Lehrer in Stephanskirchen und Bad Feilnbach. Er ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Söhne. 2008 zog er mit einem überraschenden Erfolg gegen den damals amtierenden CSU-Amtsinhaber ins Rathaus Stephanskirchen ein und wurde sechs Jahre später mit  87 Prozent der Stimmen wieder gewählt.

Positionen bei Themen ÖPNV und Brenner

Die zunehmenden Staus im Landkreis sind laut Auer ärgerlich, für Umwelt und Gesundheit schädlich und völlig unwirtschaftlich. Es fehle bislang die Einsicht und der Mut, wirksame Lösungen anzugehen. "Offen gesagt kennen viele Entscheidungsträger im Landkreis den ÖPNV kaum aus eigener Erfahrung. Wenn der öffentliche Nahverkehr aber weiterhin als Beiwerk betrachtet wird, laufen wir Gefahr, zukünftig noch mehr Zeit im Stau verbringen."

Beim Thema Brenner-Nordzulauf fehlt laut Auer eine bündelnde Kraft, die die Interessen des Gesamtlandkreises vertritt. Dies schwäche den Landkreis enorm, weil das wichtige gemeinsame Ziel der Verkehrsentlastung für die Region in den Hintergrund geraten sei. "Entsprechend wird die Diskussion von Einzelinteressen wie das der Speditionen oder einer österreichischen Verkehrsoptimierung dominiert."

"Das Wohl der Region muss wesentlich deutlicher von uns gefordert werden", erklärt Auer, da von der überregionalen Politik kaum Hilfe zu erwarten sei. Auch sei kaum zu übersehen, dass das Verkehrsministerium das Inntal in erster Linie als Verkehrsweg betrachtet und die Region diesem Ziel unterordne. "Für mich ist die Forderung nach einem dritten und vierten Gleis vor allem ein weiterer Schritt, um das Inntal zum Hauptverkehrsweg über die Alpen zu machen. Ich befürchte ein bitteres Erwachen für alle, die durch ein solches Bauwerk auf Entlastung vor ihrer Haustüre hoffen."

Auer: Auch bei Wirtschaft steht Miteinander im Vordergrund

Auch beim Thema Wirtschaft stehe für Auer das Miteinander im Vordergrund. "Die in Stephanskirchen bewährte Praxis, Betriebe und Unternehmen regelmäßig zum Informationsaustausch zu besuchen, will ich auch als Landrat beibehalten." Als Bürgermeister sei es ihm nicht darum gegangen, Gewerbegebiete maßlos auszudehnen und unüberlegt neue Betriebe in die Region zu ziehen. "Entscheidend ist hingegen, bestehendes Gewerbe zu pflegen und dessen Bestand zu sichern."

Auer mit weiteren parteifreien Bürgermeistern der Region.

"Ist für den Landkreis ein immer größer oder "immer mehr Einwohner' auch wirklich immer besser? Die Fragen: 'Was bedeutet für uns Lebensqualität?' oder 'Wie stellen wir uns unseren Landkreis in 20 Jahren vor?' will ich nicht allein im stillen Kämmerlein sondern gemeinsam mit allen 46 Gemeinden beantworten", verspricht Auer abschließend.

"Mein erster Schritt hierzu: Ich will alle Landkreisgemeinden in den ersten drei Monaten meiner Amtszeit als Landrat durch persönliche Besuche kennenlernen und ihre Anliegen aufnehmen."

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