Kindergarten-Erweiterung in Haidholzen in Aussicht *Mit Voting* 

"Beschiss am Bürger"? Gemeinde ersteigert Grundstück unter Marktwert

Auf dem Grundstück in der Eichendorffstraße  in Stephanskirchen sollen bald Kindergartenkinder spielen können: Die Gemeinde hat das Grundstück ersteigert und plant nun weitere Schritte. 
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Auf dem Grundstück in der Eichendorffstraße  in Stephanskirchen sollen bald Kindergartenkinder spielen können: Die Gemeinde hat das Grundstück ersteigert und plant nun weitere Schritte. 

Stephanskirchen - War die Ersteigerung des Baugrundstücks in Haidholzen "unmoralisch"? Ein mitbietender Investor aus der Region prangert Gemeinde und Bürgermeister an, das Grundstück "unter dem Marktwert" erworben zu haben. 

"Baugrundstück mit zu liquidierendem Wohnhaus" am Rosenheimer Amtsgericht unter dem Hammer: Für 1,12 Millionen Euro wechselte das Grundstück in der Eichendorffstraße 5 im Stephanskirchener Ortsteil Haidholzen den Eigentümer. 

"Unmoralisch" in den Augen eines mitbietenden Investors, für den die Versteigerung "unfair" abgelaufen sei. "Wenn ich Bürgermeister wäre, ich könnte nicht mehr ruhig schlafen - das Ganze ist ein Beschiss am Bürger", wettert der Investor, als er gegenüber rosenheim24.de den Ablauf der Versteigerung des Baugrundstücks am Donnerstagvormittag des 19. Dezembers schilderte. 

Wären 2,5 Millionen Euro drin gewesen? 

Der von Gutachtern geschätzte Verkaufswert belief sich auf rund 1,5 Millionen Euro. "Wir wären als Bieter sogar bereit gewesen 2 Millionen Euro zu bieten und unter den zahlreichen Mitbietern hätten ein paar sogar durchaus realistische 2,5 Millionen Euro für das Grundstück geboten. Dass die Gemeinde derart unter dem geschätzten Marktwert den Zuschlag erhielt, gleicht einer Teil-Wert-Enteignung", ist der Investor überzeugt. "Das ist krass, was da abgezogen wurde."

Mit dabei am 19. Dezember am Amtsgericht: Stephanskirchens Bürgermeister Rainer Auer, der für die Gemeinde fleißig mit geboten hat. Die Vorwürfe weist er entschieden zurück: "Versteigerungen sind immer ein bisserl ein Abenteuer. Daher sind wir sind froh und dankbar, dass wir am Ende als Sieger aus dem Ring steigen durften. Das Grundstück befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum bestehenden Kindergarten in Haidholzen und aufgrund des wachsenden Bedarfs bietet es sich an dieser Stelle an, die Räume für den Nachwuchs auf diesem Grundstück zu erweitern. Weder Gemeindeverwaltung noch der Rat oder gar ich selbst haben hier einen Vorteil erworben." 

Der Kindergarten in Haidholzen befindet sich direkt neben dem zugewucherten Grundstück mit dem verlassenen Gebäude. 

Die Gemeinde habe laut des hiesigen Investors jedoch bereits "vor der Versteigerung reingegrätscht", indem sie in ihrer jüngsten Ratssitzung am Dienstag, 17. Dezember, eine Veränderungssperre nach Paragraph 14 des Baugesetzbuches für jenes Grundstück erlassen habe. 

Dies sei korrekt, betont Auer weiter: "Wir haben das vorab getan, um zu signalisieren, in welche Richtung es mit dem Grundstück gehen soll und es uns wichtig ist, dass es dem Gemeinwohl dient. Freilich hätte es auch ein Investor ersteigern können - der aber hätte es für sein Privatwohl veräußert, weil an der Stelle für ihn Wohnbebauung Priorität besitzt." 

Bürgermeister: "Ein Grundstück ist immer das wert, was darauf enstehen soll" 

Dennoch, der Investor ist überzeugt, dass es anders ablaufen hätte müssen: "Stellen Sie sich vor, Sie wären die Erben und werden derart beschissen durch solche Tricks von Seiten der Gemeinde. Wenn es korrekt abgelaufen wäre, hätte die Gemeinde erst ersteigern und danach eine Veränderungssperre verhängen müssen." 

Das jedoch sieht Auer anders: "Ich schäme mich in keinster Weise und habe mir auch nichts vorzuwerfen. Ich habe im Sinne der Bürger und der Zukunft der Kinder gehandelt und nicht für den eigenen Geldbeutel wie Investoren es getan hätten." 

Zudem stelle sich der Marktwert für ein Kindergarten-Grundstück ohnehin niedriger dar, denn: "Ein Grundstück ist immer das wert, was darauf entstehen soll." Auf dem derzeit noch bebauten Grundstück sollen nun also erweiterte Kindergarten-Räumlichkeiten entstehen. Dafür werde der Altbau aus den 60er-Jahren vermutlich abgerissen. Es sei wohl ein Neubau geplant, für den noch ein Bebauungsplan aufgestellt werde. 

Auer, der bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr antritt, möchte seinem Nachfolger allerdings "nichts vorwegnehmen", weswegen er genauere Details zu dem Vorhaben auf dem ersteigerten Grundstück nicht nennen könne und wolle. 

mb

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