Bericht zur Asylsituation im Stephanskirchener Gemeinderat

"Es hat sich einiges getan!"

Stephanskirchen - In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats erstatteten die zuständige Sachbearbeiterin und der Integrationsbeauftragte Bericht zur Asylsituation.

"Es hat sich einiges getan!", eröffnete Magdalena Arbinger, Integrationsbeauftragte der Gemeinde, ihren Bericht vor dem Gemeinderat. Zunächst präsentierte sie die wesentlichen Zahlen.

Die Belegung der gemeindlichen Unterkünfte:

Belegung

Ist

Soll

Freie Plätze

Kragling

14

24

6

Schömeringer Str.

20

24

4

Högering

24

24

0

Westerndorf

30

28

0

Astenacker

23

26

3

Gesamt

115

126

11

Von den 115 Personen haben 56 Flüchtlingseigenschaft, 21 subsidiären Schutz und bei 30 besteht Abschiebungsverbot. Vier werden geduldet und 73 befinden sich in einem Asylverfahren, das meist auf eine Ablehnung hinausläuft. Von den 73 haben 60 bereits eine Klage eingereicht. Fünf Personen sind in den Jahren 2016 und 2017 freiwillig ausgereist.

Somit ist in über der Hälfte aller Fälle eine Anerkennung erfolgt. "Der Grund ist, dass hier viele Familien sind", so Arbinger. "Früher oder später wird es aber erste Abschiebungen geben." Bürgermeister Rainer Auer ergänzte, viele der Personen im Asylverfahren seien aus Afghanistan, diese würden häufig abgelehnt.

Nur acht Prozent der Flüchtlinge seien berufstätig. Elf Prozent seien Hausfrau oder -Mann. Die Mehrheit sei Schüler (35%) oder besuche noch Deutschkurse (25%). Die Übrigen seien arbeitssuchend (4%), in Ausbildung (5%), hätten keine Arbeitserlaubnis (7%) oder die Lage sei unklar (5%).

Reihe von Problemen

Arbinger beklagte auch eine Reihe von Problemen. "Die Entzug vieler Arbeitserlaubnisse von teils bereits gut integrierten Asylbewerbern führt zu Frust und Enttäuschung." Dies sowohl bei den Betroffenen selbst als auch Helfern und Arbeitgebern. Weiterhin herrsche auf Grund langer Wartezeiten, mangelhafter Anhörungen und "fragwürdiger Entscheidungen im Asylverfahren" große Unsicherheit, so Arbinger. Insgesamt gäbe es außerdem noch zu wenig Bereitschaft von Arbeitgeberseite, einen Flüchtling einzustellen.

"Allerdings halten sich auf Grund unserer glücklichen Situation durch die Vollzeit-Verwaltungsstelle und eine umfangreiche Asylsozialberatung sonstige Probleme in Grenzen", so Arbinger. Es gäbe "eigentlich keine Kriminalität oder sonstige Probleme in den Unterkünften".

Helferkreis steht am Wendepunkt

An Arbingers Bericht schloß sich der von Helmut Heiss, dem Integrationsbeauftragten an. Er zog zunächst ein Fazit des Erfolgs der Arbeit. Einerseits, so Heiss, "kommt jeder Flüchtling irgendwie zurecht." Andererseits könnten sie meist am Leben in Deutschland noch nicht teilnehmen. Dazu fehlten Sprachkenntnisse, eine Arbeitsstelle, ein Bekanntenkreis und einiges mehr.

"Der Helferkreis steht am Wendepunkt!", betonte Heiss, auch wenn es nicht so stehe wie in anderen Gemeinden, wo die Kreise "regelrecht implodieren". Er mahnte jedoch: "Bei uns ist es nicht oder besser gesagt noch nicht so." Die Zahl der Aktiven haben sich von 110 2015 auf etwa 50 verringert. In der Folge seien einige Unterkünfte unterversorgt.

Ermüdungserscheinungen 

Als Grund nannte er Ermüdungserscheinungen nach dreieinhalb Jahren, einen enormen Verschleiß an Zeit und Kraft aber auch "persönliche und konkrete Enttäuschungen". Etwa wenn ein Helfer feststelle, dass ein Asylbewerber ihm gegenüber beispielsweise hinsichtlich seiner Herkunft oder ob er schon in einem anderen Land gelebt habe lüge. "Es ist bei Leuten, die beispielsweise in ihrer Heimat verfolgt werden verständlich, dass sie zum Eigenschutz so ein Verhalten gelernt haben, aber es ist fatal für die Beziehung zum Helfer", erklärte er.

Vor allem aber beklagte Heiss fehlende Unterstützung aus der Politik. Die Änderung der Asylpolitik in Bayern seit einem Dreiviertel Jahr sehen er und der Helferkreis sehr kritisch. "Was ist denn die Alternative? Die gibt’s einfach nicht. Es ist Augenwischerei zu warten, bis sie weiterziehen", klagte Heiss, "Es wäre in unserem eigenen Interesse, uns um sie zu kümmern und das nicht von der politischen Großwetterlage abhängig zu machen."

Trotz allem sehe er aber nicht die Gefahr, dass der Helferkreis verschwinden würde. Die verbliebenen Mitglieder seien sehr engagiert.

hs

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