Mit zwölf Jahren bereits Ingenieur

Griesstätt - Ein hochbegabtes Wunderkind? Nein, Markus Ahrens aus Griesstätt ist lediglich ein Schaltjahrkind und darf heute mal wieder feiern.  

Markus Ahrens ist zwölf Jahre alt und arbeitet als Ingenieur in den Kathrein-Werken, Lieselotte Weger ist 15 und unterrichtet als Religion an der Mittelschule Stephanskirchen. Doch weder der Griesstätter noch die Stephanskirchenerin sind hochbegabte Wunderkinder: Sie erblickten an einem 29. Februar das Licht der Welt, feiern deshalb nur alle vier Jahre ihre Wiegenfeste.

Heute wird das Telefon von Markus Ahrens wieder einmal nahezu pausenlos klingeln: Denn sein seltener Geburtstag, der drei Jahre hintereinander gar nicht im Kalender auftaucht und deshalb von vielen glatt vergessen wird, erzeugt im Gegenzug im Schaltjahr höchste Aufmerksamkeit: "Wenn der Februar einen 29. aufweist, rufen immer besonders viele an und gratulieren", freut sich der Griesstätter. Diese Erfahrung kennt auch Lieselotte Weger: "Meinen Geburtstag wissen viele Leute, weil er so prägnant ist."

Wahrscheinlichkeit von 1:1461

Markus Ahrens und Ehefrau am zehnten Geburtstag des Schaltjahropfers, der eigentlich sein 40. war und ausgiebig gefeiert wurde. Ob er seinen 25. allerdings noch wird feiern können, hält er dagegen für fraglich.

Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1461 legt ein Neugeborenes alle vier Jahre bei der Geburt eine Punktlandung am 29. Februar hin, hat Markus Ahrens ausgerechnet. "Alle, die das schaffen, sind etwas Besonderes, findet meine Mutter". Sie muss es ja wissen: Denn sie schaffte es bei der Geburt noch, sich mit einem kräftigen Schrei in den 1. März hineinzuretten. Ahrens Vater erblickte dagegen am 1. Januar das Licht der Welt - ebenfalls ein Geburtstag, der dazu neigt, eher unterzugehen - diesmal nicht im Kalender, sondern im Silvesterfesttagstrubel. Besondere Daten und Zahlen haben es der Familie Ahrens anscheinend angetan, "leider hat sich das beim Lottospielen noch nicht ausgezahlt", bedauert das in Schloßberg geborene Schaltjahropfer schmunzelnd.

Seine Mutter nahm die Tatsache, dass sie ihrem Sohn den 29. Februar ins Stammbuch schrieb, stets mit Humor: "Sie behauptet immer, dass sie für mich extra ein eigenes Geburtsdatum eingeführt hat." Markus Ahrens feiert bis heute drei Jahre hintereinander gemeinsam mit seiner Mutter am 1. März und im vierten, dem Schaltjahr, stets eine besonderen eigenen Geburtstag. Lieselotte Weger handhabt es anders: Sie feiert am 28., weist der Kalender im Schaltjahr so wie heuer den 29. Februar auf, stellt das Fest an diesem seltenen Tag jedoch stets "etwas ganz Besonderes" dar. Erst recht heuer, wo der 15. mit dem runden 60. Geburtstag der Stephanskirchenerin zusammenfällt.

Dass der 29. Februar ein seltenes Geburtsdatum darstellt, zeigt auch ein Blick in die Statistik des Einwohnermeldeamtes Rosenheim: Diese Ehre wird heute nur 43 Rosenheimern zuteil. Zum Vergleich: Am 28. Februar feiern hier 191 Bürger das Wiegenfest, am 1. März sogar 217.

Hänseleien in der Kindheit

Wer den 29. Februar im Pass stehen hat, ist also in der Tat ein besonderer Mensch. Der seltene Geburtstag führte zu Kindeszeiten von Markus Ahrens bei Gleichaltrigen jedoch auch zu Hänseleien. "Ich wurde oft damit aufgezogen, dass ich nur alle vier Jahre Geburtstag hatte, doch schon als Kind hat mir das nicht viel ausgemacht." So erging es auch Lieselotte Weger. "Bei uns wurde sowieso der Namenstag viel intensiver gefeiert", erinnert sie sich an die Feste ihrer Kindheit.

Seine entspannte Einstellung mag alle trösten, die ausgerechnet heute Eltern werden. Ein Kind an diesem Tag zur Welt zu bringen, lässt sich schließlich nicht verhindern - wird in der Regel auch gar nicht erst versucht, wie Professor Dr. Thomas Beck, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am Romed-Klinikum Rosenheim, mitteilt. "An uns ist noch nicht der Wunsch herangetragen worden, Entbindungen für diesen Tag zu vermeiden", berichtet er. Anders bei geplanten Kaiserschnitten, bei denen es schließlich verschiedene Wahlmöglichkeiten innerhalb eines Zeitfensters von einer Woche gibt. "Warum sollte man dann ausgerechnet so einen problematischen Termin wählen?" In einem Schaltjahrfall, an den Beck sich erinnern kann, entschieden sich die werdenden Eltern deshalb bewusst für den 28. statt für den 29. Februar als Kaiserschnitttermin.

Hebamme schlug Umdatierung vor

Bei Lieselotte Wegers Geburt vor 60 Jahren eröffnete die Hebamme ihrer Mutter allerdings ein terminliches Schlupfloch: "Da ich nur eine halbe Stunde nach Mitternacht zur Welt gekommen bin, schlug sie vor, meinen Geburtstag noch auf den 28. Februar zu datieren. Doch mein Vater war dagegen und hat auf den 29. bestanden. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar, denn ich bin bis heute stolz auf diesen Termin", berichtet die gebürtige Halfingerin.

Mogeln beim Geburtsdatum: das geht auch beim Standesamt nicht. Konsequent wird der 29. Februar in der Geburtsurkunde eingetragen, betont etwa die Rosenheimer Behörde. Pech gehabt? Mitnichten, finden Lieselotte Weger und Markus Ahrens, die schließlich seit 60 beziehungsweise 48 Jahren mit dem besonderen Datum leben und es schätzen gelernt haben.

Heike Duczek/Oberbayerisches Volksblatt

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