Trinkwasser aus dem "Odenwald"?

Stephanskirchen - Wird es gelingen, die Einwohner bald mit Trinkwasser aus dem gemeindeeigenen Brunnen zu versorgen? Noch ist offen, ob das ambitionierte Vorhaben umgesetzt werden kann.

Doch eine erste geophysikalische Untersuchung, heute Thema im Gemeinderat, lässt "positive Erschließungsmöglichkeiten" erhoffen.

Das ins Auge gefasste Gelände für den kommunalen Brunnen liegt im sogenannten "Odenwald", östlich von Högering, nördlich von Kieling. Die Fläche und die Bereiche, die eventuell für die Ausweisung der Schutzzonen eins bis drei in Frage kämen, sind in Besitz von 40 Grundeigentümern - darunter auch die Firma Hamberger. Anlass für die kommunale Überlegung, eine eigene Trinkwasserversorgung aufzubauen, waren die Vorkommnisse des vergangenen Jahres, als eine Verkeimung das von den Stadtwerken Rosenheim gelieferten Wassers für Probleme gesorgt hatte. "Uns geht es um die dauerhafte Sicherung der Qualität", brachte Bürgermeister Rainer Auer das Bemühen um einen eigenen Brunnen auf den Punkt.

Bei einer ersten nichtöffentlichen Veranstaltung der Gemeinde war es um die Vermittlung aller Informationen rund um den Aufbau einer möglichen eigenen kommunalen Trinkwasserversorgung und um die Erlaubnis der Grundeigentümer, geophysikalische Untersuchungen des Bodens durchführen zu dürfen, gegangen.

Bei einer zweiten Veranstaltung im Sportheim Waldering stand nun die Übermittlung der Ergebnisse im Vordergrund. Mit Elektroden, die wie Stecknadeln in die Erde gesteckt wurden, ist nach Informationen von Diplom-Geologe Alexander Thiele vom Fachbüro "Crystal Geotechnik" der Widerstand des Bodens auf elektrische Impulse gemessen worden. Aus den gewonnenen Daten lasse sich die Art des Gesteins ablesen, berichtete der Experte. Er sieht die Chance auf "potenziell grundwasserführende Schichten".

Doch erst eine Versuchsbohrung wird Aufschluss darüber geben, ob das Grundwasser wirklich erschlossen werden kann. Die Entscheidung über die 40 bis 50 Meter tiefe Bohrung fällt am heutigen Dienstag der Gemeinderat in einer öffentlichen Sitzung im Rathaus ab 18.30 Uhr. Geht er auch den nächsten Schritt weiter, müssen 2013 noch mindestens zwei weitere Bohrungen stattfinden, um die Fließrichtung des Wassers, die von Osten nach Westen vermutet wird, nachzuweisen. An einem der Bohrpunkte würde vermutlich auch der Brunnen entstehen.

Bis es soweit ist, müssen jedoch noch viele Fragen beantwortet werden: Wird Wasser gefunden, reicht es dann auch aus, um den Stephanskirchener Bedarf von 558000 Kubikmetern pro Jahr zu decken? Stimmt die Qualität? Lässt sich das kommunale Wasser bei Bedarf mit dem Wasser der Stadtwerke Rosenheim mischen? Und kann eine gemeindeeigene Versorgung auch wirtschaftlich betrieben werden, ohne den Wasserpreis in die Höhe zu treiben? "Wir haben einen langen Weg vor uns und stehen auf diesem noch ganz am Anfang", betonte Auer.

Abklären muss die Gemeinde auch die Frage, ob von einem ehemaligen Munitionsdepot, in dem derzeit Feuerwerkskörper gelagert werden, oder der früheren Deponie Haidham Gefahrenpotentiale zu erwarten sind.

Ein Bürger sorgte sich außerdem um mögliche Gefährdungen für die Simsseequellen. Grundsätzlich stehen die Grundeigentümer dem Vorhaben wohlwollend gegenüber, zeigte die zweite Informationsveranstaltung, die anders als die erste ohne längere Fragerunde oder Diskussion über die Bühne ging. Erneut nahmen auch Vertreter des Gemeinderates und des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim sowie des Landratsamtes teil.

Ein Wald gilt als optimal für einen Trinkwasserbrunnen, denn er wird ohne Wasser und Boden gefährdende Einträge bewirtschaftet, hieß es. Hier werde auch kein Weidevieh gehalten, das einen Brunnen verschmutzen könnte.

In der Schutzzone drei, die eventuell auch außerhalb des Waldes liegen würde, seien Nutzungseinschränkungen für die Landwirte zu erwarten - jedoch nicht so gravierend wie in den Zonen eins und zwei.

Heike Duczek/Oberbayerisches Volksblatt

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