Supermarkt soll in Vogtareuths Süden

Vogtareuth - Nach zweistündiger erregter Diskussion und drei schwierigen Abstimmungs-Durchgängen hat der Vogtareuther Gemeinderat den gordischen Knoten durchschlagen.

Mit nur einer Gegenstimme beschloss er, eine Bauleitplanung für einen Supermarkt im südlichen Bereich des Ortes in die Wege zu leiten.

Ein Investor hat konkretes Interesse signalisiert, Edeka ebenso, ein zu kaufendes Grundstück ist gefunden, und auch der Betreiber, die örtliche Familie Römersberger, die bereits den Dorfkramer führt, will einsteigen: So stellte sich die Situation nach Angaben von Bürgermeister Matthias Maier zur Ratssitzung dar. Doch der Standort liegt außerhalb des dörflichen Innenbereiches. Für eine Markt-Realisierung ist nach Ansicht des Bürgermeisters deshalb ein generelles Bauleitverfahren notwendig, das das ganze Areal einbezieht und die Bürger intensiv beteiligt.

Vogtareuth ist in punkto Supermarkt ein gebranntes Kind. 2002/2003 erlebte die Kommune schon einmal eine hitzige Diskussion um einen Marktstandort in Siedlungsnähe, der scheiterte. Seit einigen Jahren kocht die Debatte immer wieder hoch - auch weil in vielen Nachbarorten neue Märkte entstehen. Die Kommune sieht dringenden eigenen Handlungsbedarf. Denn: "Viel Kaufkraft aus dem Dorf fließt nach außen ab", bedauert Maier. Dass die Gemeinde Vogtareuth bisher abwartend blieb, liegt an der Abhängigkeit der Realisierung vom Bau der Umgehung, deren Planfeststellung gerichtlich aufgehoben worden ist und derzeit eine technische Überarbeitung mit Hoffnung auf Einigung mit den Klägern erfährt. Rupert Stettner, Vize-Vorsitzender des Gewerbeverbandes Vogtareuth, sieht angesichts der Tatsache, dass für einen Markt Investor, Betreiber und Grundstück gefunden sind, trotzdem die Notwendigkeit, bereits jetzt zu handeln, und stellte den Antrag an den Gemeinderat, die notwendigen Beschlüsse zu fassen.

In einem Punkt waren sich die Fraktionen einig: "Wir wollen den Markt." Doch über den Weg entfachte sich eine lange Debatte, die zum Finale von einem Abstimmungs-Wirrwarr geprägt war. Ursprünglich standen für die Ansiedlung eines Supermarktes fünf Grundstücke im Raum. Eins in der Nähe der Schön-Klinik ist vom Tisch, bleiben noch vier südlich des Dorfkerns in Vogtareuth, dort, wo später die Umgehungsstraße einfädeln soll, rechts und links der Kreisstraße. Für ein Grundstück südlich der Kreisstraße sind anscheinend erfolgreiche Kaufverhandlungen zu erwarten. Doch diese Fläche gilt bei einigen als nicht optimal, weil sie am weitesten außerhalb des Ortes liegt und die Kunden die gefährliche Kreisstraße überqueren müssten. Ein weiteres ebenfalls in die engere Wahl kommendes Grundstück liegt jedoch nur 200 Meter weiter Richtung Dorfkern. Ob es überhaupt verkauft wird, ist derzeit nicht bekannt. Zwei weitere Flächen, die ebenfalls entlang der Rosenheimer Straße liegen, sind noch näher dran am Zentrum, gelten allerdings als kaum realisierbar.

Ratsmitglieder wie Franz Dutz (Bürgerliste) plädierten dafür, die konkreten Entwicklungen rund um das Grundstück, für das sich der Investor interessiert, in eine konkrete Planung zu überführen. Auch Josef Oberberger (AfG) sprach von einem optimalen Standort. Ein Gewerbebau für einen Supermarkt, der intensiven Anlieferungsverkehr erlebe, dürfe nicht "in eine Wohnbebauung im Ortskern hineingeflickt werden". Martin Grünhofer (AfG) appellierte ebenfalls dafür, angesichts konkreter Erfolgsaussichten endlich "Nägel mit Köpfen zu machen".

Aus den Reihen der CSU kamen jedoch warnende Stimmen. Hans Bürger-Schuster befürchtet eine "ad-hoc-Entscheidung" mit Festlegung eines Grundstückes und sieht die Notwendigkeit, sich die Zeit für eine breit angelegte Diskussion über die weitere Ortsentwicklung zu nehmen. Denn mit dem Bau eines Supermarktes gehe vielleicht auch die Ansiedlung weiterer Nahversorgungs-Einrichtungen einher. Außerdem sei angesichts der demografischen Entwicklung der Trend zu spüren, mit Märkten wieder näher in die Orte zu rücken, statt auf die grüne Wiese zu gehen. Andere Kommunen aus der Nachbarschaft würden sich zur Klärung dieser Fragen professionelle Hilfe durch Gutachter und Entwicklungsfachleute holen, warb Bürger-Schuster für einen ähnlichen Weg. Auch Jakob Mayer fand: "Ein gescheites Gesamtkonzept muss her."

Auf Nachfrage von Harald Grella (Bürgerliste) teilte der Bürgermeister mit, dass Edeka sich nicht kompromisslos auf ein Grundstück festgelegt habe. Für das südlichste seien halt die Verhandlungen bereits weit gediehen, weshalb es favorisiert werde. Der Bürgermeister forderte deshalb eine Bauleitplanung, die generell das Gebiet südlich des Dorfes Vogtareuth einbezieht - auch wenn zu vermuten sei, dass sich die Fläche, die auch der Investor im Auge habe, als die mit den besten Realisierungschancen herauskristallisieren werde. Auch die Bürger könnten im Rahmen einer mehrstufigen Bauleitplanung intensiv einbezogen werden. Zweiter Bürgermeister Johann Bauer (CSU) ging sogar noch weiter. Er stimmte gegen den Startschuss für einen Bebauungsplan, weil er noch die Bürgerversammlung am 25. November abwarten möchte.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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