Tizian kam im Auto auf die Welt

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Die stolzen Eltern Christoph Glier und Ehefrau Rita freuen sich über das jüngste Mitglied der Familie, das es besonders eilig hatte, auf die Welt zu kommen.

Waldhausen/Eiselfing - Es ist, als wollte Tizian seine Eltern dafür entschädigen, dass er bei seiner Geburt so ungeduldig war: Seitdem er auf dem Weg ins Krankenhaus den ersten kräftigen Schrei ausstieß, ist er ein wahrer Engel.

Sogar nachts hat er bisher fast immer durchgeschlafen. Gut so, denn Mutter Rita Kirmaier-Glier und Ehemann Christoph haben nach der turbulenten Entbindung auf der Bundesstraße 304 bei Eiselfing etwas Erholung nötig.

Eigentlich hat es die frisch gebackene dreifache Mutter Rita Kirmaier-Glier bereits persönlich vorgemacht: Sie vollzog bei ihrer eigenen Geburt einen Blitzstart. In nur 20 Minuten erblickte sie das Licht der Welt und war damit noch zehn Minuten schneller als Tizian. "Doch meine Mutter hat es noch ins Krankenhaus geschafft, ich nicht mehr", berichtet Rita Kirmaier-Glier schmunzelnd. Auch ihr zweiter Sohn Fabian hat bei der Geburt auf das Tempo gedrückt. Deshalb waren sie und Ehemann Christoph auf eine erneute schnelle Entbindung gut vorbereitet. Im Freundes- und Familienkreis war zwar in den vergangenen Wochen viel darüber gespottet worden, ob wohl auch beim dritten Kind die Zeit bis zum Eintreffen im Krankenhaus ausreichen würde, "doch das auss den Späßen Ernst wird und wir tatsächlich unseren Sohn auf der Straße im eigenen Auto entbinden, damit haben wir naürlich nicht im Traum gerechnet", erzählt Rita Kirmaier-Glier.

Presswehen auf der B304

Als die Wehen einsetzten, fuhren sie und Ehemann Christoph deshalb "ruhig und gelassen" los Richtung Wasserburger Romed-Klinik. Doch die Wehen kamen bereits nach wenigen Kilometern immer heftiger, die Abstände wurden immer kürzer. Die erste Presswehe meldet sich, als das Paar auf die Bundesstraße 304 einbog. Da war endgültig klar, dass das neue Familienmitglied im Auto und nicht im Kreißsaal auf die Welt kommen würde. Der Vater hielt den Wagen an, breitete im Kofferraum Decke und Handtuch aus - und schon machte sich der Neuankömmling bei der nächsten Presswehe auf den Weg, liebevoll unterstützt vom Vater, der seinen Bub souverän auf die Welt brachte.

Auf dem mütterlichen Bauch ruhte sich Tizian wenige Sekunden später entspannt aus. "Es ist alles in bester Ordnung", freuen sich die Eltern angesichts der Gesundheit des 3460 Gramm schweren Buben.

"Es ist so schnell gegangen, da denkt man gar nicht darüber nach, was alles passieren könnte, sondern handelt relativ ruhig und gelassen", stellt Rita Kirmaier-Glier im Nachhinein fest. Der stolze Vater, der auch schon bei den Geburten der ersten beiden Söhne dabei war, fuhr seine Frau samt Neugeborenem mit etwas zittrigen Händen am Steuer, jedoch heil weiter zum Krankenhaus, von wo aus nur wenige Stunden später bereits die Heimfahrt angetreten wurde. Eine ambulante Geburt hatten die Eltern sowieso eingeplant. Als Geburtsort gilt übrigens nicht Eiselfing, wo Tizian eigentlich auf die Welt kam, sondern das Wasserburger Krankenhaus.

Mittlerweile ist die Sturzgeburt auf der Straße natürlich das Dorfgespräch in Waldhausen. Nachbarn, Verwandte und Freunde begrüßten den Neuankömmling, der es nicht abwarten konnte, auf die Welt zu kommen, mit großen Plakaten.

Tizian ist die Eile, die er bei seiner Geburt an den Tag legte, nicht mehr anzumerken. "Bisher ist er ein ganz Braver", freut sich die Mama. Auch sie und Ehemann Christoph sowie die beiden Söhne Kilian und Fabian, die während der Geburt bei der Oma und im Kindergarten waren, haben die turbulente halbe Stunde gut weggesteckt. "Ich hatte bei allen drei Kindern schöne Schwangerschaften und Tizians Geburt war zwar ungewöhnlich, aber auf ihre Art auch schön", findet Rita Kirmaier-Glier.

Und was geschieht nun mit dem Familienauto, das in einen rollenden Kreißsaal mit dem Chauffeuer als souveränem Geburtshelfer verwandelt wurde? "Das werden wir wohl immer in Ehren halten."

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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