Trinkwasser: Landratsamt macht Nägel mit Köpfen

Rosenheim - Im Wasserschutzgebiet Willingerau sind ab Dienstag auf rund 65 Hektar Fläche Gülle, Hunde, Beweidung und Biogasabfälle verboten. **Aktuell: Abkochgebot überall aufgehoben!**

Das Rosenheimer Landratsamt macht Nägel mit Köpfen: Gut eineinhalb Wochen nachdem in den Brunnen des Wasserschutzgebiets Willingerau gesundheitsgefährdende Keime festgestellt wurden, ist jetzt das Wassergesetz modifiziert worden. Der Vollzug tritt am Dienstag, 26. Juli in Kraft!

Rückblick:

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim:

"Verursacher der mikrobiologischen Verunreinigung im Trinkwasser waren nicht die Bauern. Das wollen wir weit von uns weisen." Rosenheims Landrat Josef Neiderhell sieht die Ursache der Verunreinigung in der Menge des Niederschlags. Dies bestätigt auch Paul Geisenhofer, der Leiter des Wasserwirtschaftsamts: "Die starken Niederschläge am 29. Juni und am 10. Juli haben den Grundwasserspiegel deutlich ansteigen lassen." Ein solcher Anstieg sei laut Geisenhofer seit 1978 nur fünf Mal vorgekommen. Einzigartig sei dieses Mal aber die Schnelligkeit des Anstiegs gewesen. Bisher habe es rund zwölf Stunden bis zum Pegelhöchststand gedauert, am 10. Juli lediglich fünf Stunden. "Es handelte sich hier um ein Extremereignis, bei dem Schadstoffe ausgeschwemmt wurden und ins Trinkwasser gelangt sind", so Geisenhofer abschließend.

Die Folgen waren gravierend: Gut 100.000 Menschen mussten in und um Rosenheim ihr Wasser abkochen. Seitdem wird das Wasser gechlort - diese Reinigungsmaßnahme kann noch bis zu vier Wochen andauern. Das gechlorte Wasser stellt keine gesundheitliche Gefährdung dar!

Das Abkochgebot wurde bereits in der vergangenen Woche für die Stadt Rosenheim sowie die Gemeinden Stephanskirchen, Schechen, Rohrdorf und Söchtenau aufgehoben. Auch für Bruckmühl und Großkarolinenfeld wurde am Montagmittag das Abkochgebot aufgehoben. Im Markt Bruckmühl wird zudem die Chlorung des Wassers eingestellt, da die Verunreinigung durch Keime nicht im Brunnen festgestellt wurde, sondern in den Leitungen!

Vollzug des Wassergesetzes in der Willingerau:

Pressemitteilungen Landratsamt Rosenheim:

Im Wasserschutzgebiet Willingerau befinden sich zahlreiche Brunnen, die die Städte Bad Aibling, Kolbermoor und Rosenheim mit Trinkwasser versorgen. Das Schutzgebiet ist in drei Zonen eingeteilt (siehe "Wasserschutzgebiete - Basisinfo" in der Linkbox). Nach jahrelangen Überlegungen - Verhandlungen mit Landwirten hatten den Vollzug bisher verzögert - wurden diese Schutzzonen jetzt neu festgelegt und an die derzeit geltenden Bestimmungen angepasst. (siehe "Wasserschutzgebiet im Mangfalltal - Basisinfo" in der Linkbox). Gravierende Änderungen gibt es jetzt insbesondere in der Wasserschutzzone II: Bisher war es den Landwirten gestattet, in der Schutzzone II Gülle und Biogasabfälle auszubringen. Es war auch erlaubt, Weidevieh auf den Flächen zu halten und Hunde auszuführen. Dies ist ab Dienstag, 26. Juli, nicht mehr möglich. (siehe "Vollzug der Wassergesetze im Wortlaut" in der Linkbox)

Grafik mit größerer Auflösung. Die blau markierten Flächen beschreiben die Schutzzonen I, die rot markierten Flächen die Schutzzonen II. Die Schutzzone III erstreckt sich insbesondere über viele Kilometer in Richtung Westen.

Auch wenn die Schutzzone II von den ursprünglichen Planungen von gut 100 Hektar nun auf 65 Hektar verkleinert wurde, sind von der Neuregelung insgesamt 14 Landwirte betroffen. "Den betroffenen Landwirten steht natürlich eine Entschädigung zu", so Landrat Neiderhell. Die Entschädigungshöhe werde nach den betroffenen Flächen, den längeren Wegen und dem Mehraufwand berechnet. "Die Landwirte bekommen dafür gutes Geld, da sind schnell 10.000 Euro beisammen", so Neiderhell weiter. Die Landwirte selbst können gegen die Neuregelung aber auch innerhalb eines Monats beim Bayerischen Verwaltungsgericht klagen.

Für die Kontrollen der Einhaltung der Neuregelung sind die jeweiligen Betreiber der Trinkwasserbrunnen verantwortlich. Im Falle des Ausführverbots von Hunden werde der Hundebesitzer zunächst angesprochen und gebeten, sich an die neuen Vorschriften zu halten, so Johanna Schmidt, Leiterin der Abteilung III im Landratsamt. Sollten sich Hundebesitzer oder auch Landwirte weiter nicht an die neuen Vorschriften halten, werde dies ans Landratsamt gemeldet, "das kann im schlimmsten Fall eine Geldbuße von bis zu 50.000 Euro nach sich ziehen", so Schmidt weiter.

Pressemitteilung zur Allgemeinverfügung des Landratsamts Rosenheim

Wasserschutzgesetz im Landkreis:

Im Landkreis Rosenheim gibt es insgesamt rund 95 Wasserschutzgebiete. Die Neuregelung im Wasserschutz ist schon fast überall vollzogen. In einigen Gemeinden besteht allerdings noch Handlungsbedarf. "Ich möchte diese Problematik in einem Jahr von allen Gemeinden erledigt haben. Hier werde ich Druck ausüben", so Landrat Neiderhell abschließend.

Martin Vodermair

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