Umgehung: Rat schöpft Hoffnung!

+
Warten, während der Schwerlastverkehr weiter mitten durch das Dorf rollt: In Vogtareuth ist die Stimmung bei den Befürwortern der Umgehung auf dem Nullpunkt.

Vogtareuth - Gibt es noch eine Chance für die Ortsumgehung Vogtareuth? Im Gemeinderat keimte in der ersten Sitzung nach der Entscheidung des Verwaltungsgerichtes gegen die Umgehung etwas Hoffnung auf.

Eigentlich hätte am Tag der Ratssitzung das Verwaltungsgericht im Sitzungssaal zur Sammelklage gegen die Ortsumgehung getagt. Nun traf sich hier ein noch immer vom Urteil deprimiertes Gemeinderatsgremium. Bürgermeister Matthias Maier blieb in seiner Stellungnahme, die viele Bürger aus den Lagern der Befürworter und Gegner der Ortsumfahrung verfolgten, dabei: "Das Verhandlungsprozedere war äußerst merkwürdig, der Sachverhalt wurde nicht ausreichend behandelt." Eine mündliche Urteilsbegründung habe es nicht gegeben. Eine schriftliche, für die das Gericht maximal fünf Monate Zeit hat, liegt auch noch nicht vor.

"Wir stochern alle im Nebel", betonte auch Bernhard Bauer vom Staatlichen Straßenbauamt, dem Vorhabenträger. Offiziell weiß auch seine Behörde nicht, warum der Klage gegen die Planfeststellung stattgegeben wurde. "Naheliegend ist jedoch, dass es etwas mit den Immissionen zu tun hat", folgerte Bauer als Zeuge der Verhandlung.

Das nun wieder beginnende Warten fällt allen Beteiligten jedoch sichtlich schwer. Denn bevor die schriftliche Begründung des Urteils nicht vorliegt, sind keinerlei Reaktionen möglich, bedauerte Bauer. Auch die Gemeinde "darf und kann nicht handeln", weil sie nicht Trägerin der Baumaßnahme, sondern allenfalls Verfahrensbeteiligte ist, so der Bürgermeister. Allerdings will die Kommune auf Anraten des Gemeinderates prüfen, ob es in der Wartezeit Spielräume für Lösungen hinsichtlich der weiteren, derzeit im "Ruhestand" befindlichen Klagen oder für Verkehrsberuhigungen auf der Ortsdurchfahrt gibt.

Für Verwirrung sorgt in der Bevölkerung derzeit die Frage, ob es überhaupt eine Berufungsmöglichkeit vor Gericht gibt, mit der eine weitere Chance auf Verwirklichung der Ortsumfahrung auf der beschlossenen Trasse verbunden ist. Sobald die schriftliche Urteilsbegründung vorliege, werde "die Regierung von Oberbayern prüfen, ob sie gegen die Entscheidung Berufung zum Bayerischen Verwaltungsgerichtshof einlegen wird", heißt es in einer Stellungnahme der Behörde, die in der Sitzung verteilt wurde. Die Gegner der Umgehung gehen jedoch davon aus, dass es vorerst lediglich möglich ist, gegen die nach ihrer Meinung gerichtlich festgestellte Nichtzulassung der Berufung Beschwerde einzulegen.

"Ich gehe davon aus, dass wir in Berufung gehen werden", wagte Bauer jedoch als Ausblick. "Der Freistaat Bayern steht nach wie vor hinter der Ortsumfahrung Vogtareuth", sicherte er dem Gemeinderat außerdem zu. Schließlich habe er bereits eine halbe Million Euro in die Vorbereitungen und die Ausführung des Planfeststellungsverfahrens gesteckt. Die Baumaßnahme, die im Ausbauplan des Freistaates in der höchsten Dringlichkeitsstufe stehe, werde als Überhang automatisch wieder an vorderster Stelle in der Fortschreibung platziert.

Auch die Finanzierung sei trotz der Tatsache, dass es vor 2011 nicht zu einem möglichen Baubeginn komme könne, als gesichert anzusehen, zerstreute Bauer diesbezügliche Bedenken. "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben - ganz bestimmt", machte er dem Gemeinderat Mut, der mit der Ortsumfahrung auch die Zukunft der Dorfentwicklung verknüpft.

Wünsche aus der Bevölkerung nach einer anderen Trasse, die immer wieder angesichts der ins Reuther Feld verlagerten Lärmbelastungen laut werden, wies Bauer jedoch vor dem Hintergrund der bereits in den 60er-Jahren im Rahmen der Flurbereinigung erworbenen öffentlichen Flächen rigoros zurück. "Die Trasse oder keine - sonst fangen wir wieder ganz von vorne an."

duc/Oberbayerisches Volksblatt

Zurück zur Übersicht: Rosenheim Land

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT