Teils weder PC noch Handy

Online zu Corona-Impfung anmelden? Nicht nur das bereitet Senioren aus Rosenheim Probleme

Einen Impftermin in Rosenheim zu bekommen ist für Senioren mitunter schon technisch gar nicht so einfach.
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Einen Impftermin in Rosenheim zu bekommen ist für Senioren mitunter schon technisch gar nicht so einfach.

Ab dieser Woche sollen rund 20.000 Senioren im Landkreis Rosenheim Post erhalten. Das gemeinsame Impfzentrum hat damit begonnen, Bürger über 80 Jahre zur Registrierung für einen Termin einzuladen. Der Brief bietet den Empfängern an, sich für einen Termin registrieren zu lassen. Doch schon das ist gar nicht so einfach.

Rosenheim – Die Anmeldung soll vorrangig über das Online-Portal des Bayerischen Gesundheitsministeriums unter erfolgen. Allein das sorgt beim ein oder anderen Angeschriebenen  offenbar für Schwierigkeiten. Dazu Rosenheims Seniorenbeauftragter Josef Kugler im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen: „Es können ja nicht alle Senioren mit dieser Technik umgehen. Es gibt auch Ältere, die haben weder einen PC noch ein Handy und können über diese kommunizieren. Für Ältere wäre es sicherlich besser gewesen, sich telefonisch anmelden zu können. Aber hierfür müssen natürlich entsprechende Leitungen geschaltet werden.“

Hotline schwer erreichbar

„Natürlich wäre es schön, wenn gerade ältere, mit der IT-Technik nicht so vertraute Menschen auf eine Registrierung mit PC, Laptop oder Smartphone verzichten könnten“, erwidert der Sprecher der Stadt Rosenheim, Thomas Bugl, auf die Kritik Kuglers. Dass jeder einzelne Impfwillige eine eigene Mailadresse benötige, um sich registrieren zu können, sei in Zeiten künstlicher Intelligenz geradezu anachronistisch. Aber diese Form der Registrierung habe gegenüber der telefonischen den „unschlagbaren Vorteil“, dass Missverständnisse beim Hören und Verstehen vermeidbar seien – wie beispielsweise bei der Schreibweise ausländischer Namen.

An der Kapazität der Leitungen scheitert es offenbar beim gemeinsamen Impfzentrum von Stadt und Landkreis Rosenheim. Unter der Nummer 08031/3658899 ist häufig nach gut zehn Minuten Warteschleife entweder Schluss oder man kommt gleich gar nicht durch.

Stadt meldet „Flut an Anrufen“

Auch OVB-Leser Otto Helwig aus Amerang regt sich über die Erreichbarkeit der Hotline auf, deren Einzugsbereich sich auf rund 320 000 Einwohner erstreckt, wie die Stadt Rosenheim als federführende Behörde schildert.

„Das Impfzentrum bittet um Verständnis, dass bei der Flut an Anrufen und der relativ langen Beratungs- und Bearbeitungszeit eine kurzfristige Abarbeitung der hohen Anruferzahl nicht möglich ist“, antwortet Rosenheims Pressesprecher Thomas Bugl auf Anfrage.

Kurzfristig Unterstützung besorgen

Im gleichen Atemzug spricht er mit seiner Antwort jedoch ein weiteres Problem an, das Otto Helwig ärgert. Die Sachbearbeiter sind täglich von 8 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr im Einsatz, um die Anrufer in einem „landeseinheitlichen EDV-System“ zu erfassen. Man plane jedoch eine Ausweitung besagter Hotline, sagt Bugl.„Es wird kurzfristig versucht, Unterstützungskräfte für diese Tätigkeiten zu aktivieren“.

Ebenso habe die Landesregierung inzwischen bei der Bundeswehr um Unterstützung für Gesamtbayern gebeten: „Bereits jetzt unterstützt die Bundeswehr zum Beispiel im Sanitätsbereich durch Sanitäter und Ärzte der Bundeswehr bei nichtmedizinischen Tätigkeiten in verschiedenen Einrichtungen sowie bei den Teams zur Ermittlung von betroffenen Personen im Rahmen der Kontaktverfolgung nach einer bestätigten Corona-Infektion“, berichtet Bugl.

Online-Registierung vereinfacht Datenerfassung

Die Anmeldung soll ohnehin vornehmlich online erfolgen soll. So kommuniziert es zumindest die Stadt Rosenheim. Zum einen vereinfache die Online-Registrierung die Datenerfassung, zum anderen sei das Portal auch für jene Gruppen gedacht, die sich nach der Empfehlung des Nationalen Impfgremiums später um einen Termin für die Vakzination registrieren lassen wollen – also Jüngere, die dann möglicherweise eher mit der Technik umzugehen wissen als die Senioren, sagt Oberbürgermeister Andreas März.

Eine E-Mail Adresse pro Person

Ärgerlich für viele ist zudem der Umstand, dass einmalig nur eine E-Mail-Adresse für die Registrierung eines Impfkandidaten verwendet werden darf.

Dies begründet das Bayerische Gesundheitsministerium mit Datenschutzgründen: Für die Erfassung sensibler Daten im Internet nutze die Behörde eine sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung – in diesem Fall die E-Mail-Adresse und eine Mobilfunknummer, an die eine Kurznachricht gesandt wird, sobald ein Termin vereinbart ist.

Kreis Ebersberg vergibt bereits Termine

OVB-Leserin Ingrid Klimesch aus Rosenheim berichtet, der Landkreis Ebersberg vergebe im Gegensatz zu Rosenheim bereits Impftermine. Dort hätten jenseits der Pflegeheimbewohner auch Senioren über 80 Jahre bereits die ersten Dosen erhalten. Für Rosenheim gilt hingegen bis auf Weiteres: Der Impfstoff, der momentan peu à peu in Rosenheim eintrifft, geht vorrangig an jene mobilen Impfteams, die das Serum vor Ort an Heimbewohner verabreichen.

Ebersberg hingegen handhabt die Aufteilung der Dosen anders: Zwar wurden auch dort vornehmlich die Einwohner der örtlichen Pflegeeinrichtungen geimpft, jedoch erhielten zugleich Einwohner über 80 Jahre das Serum, wenn sie noch mobil genug waren, das Impfzentrum des Landkreises Ebersberg aufzusuchen.

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