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Rosenheimer Polizei und Tierschutz ermitteln

Getreten und wie Müll liegen gelassen - was geschah mit dem Pekinesen-Mix Pauli?

Pauli schwer misshandelt aufgefunden und operiert
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Schwer verletzt wurde Pauli in die Tierklinik eingeliefert; nur mehrere Not-Operationen konnten das Leben des kleinen Mischlingsrüden retten

Nur Dank des beherzten Eingreifens zweier Spaziergänger und der Hilfe von Rosenheimer Tierärzten ist der kleine Pekinesen-Mischling Pauli noch am Leben. Beinahe wäre der quirlige Rüde seinen schweren Bauchverletzungen erlegen. Auf Spurensuche mit der Polizei und dem Tierschutz.

Amerang/Rosenheim - Ein glücklicher Umstand verhinderte Ende Januar Schlimmeres: Am frühen Nachmittag bemerkte ein ortsansässiges Ehepaar im Bereich des Sportheims in Amerang ein klägliches Winseln und Wimmern. „Wir sind dann mit unserer eigenen Hündin hingegangen und da haben wir den Kleinen schon gesehen. Er war dort an eine Mauer gelehnt und lag aus meiner Sicht im Sterben. Ich glaubte nicht, dass er es übersteht“, berichtet Bernd Schröter. Seine Frau ergänzt: „Den Anblick werde ich mein Lebtag nie vergessen. Er muss unsägliche Schmerzen gehabt haben.

Besonders brisant: Der Rüde muss am Fundort wohl schon länger gelegen haben. Dass sich erst am Nachmittag jemand um den kleinen Pauli gekümmert hat, lässt das Ehepaar aus Amerang mit Unverständnis zurück. Die Spaziergänger reagierten dennoch umgehend und verständigte den Tierarzt. Beim Hunde-Doktor in der Region angekommen, wurde der Vierbeiner rasch erst-versorgt. „Er hatte extreme Schmerzen. Im Bauchbereich konnte ein Hämatom mit oder ohne Bauchbruch, wahrscheinlich durch ein stumpfes Trauma verursacht, festgestellt werden“, so die erste Diagnose noch am Fund-Tag.

Schreckliche Diagnose: Amputation nötig

Zur tiefgehenden Untersuchung wurde der tapfere Rüde schnell nach Rosenheim transportiert. Beim Spezialisten angekommen, folgte die ausführliche Betrachtung der Verletzungen. Besonders im Bereich des Unterbauchs und am Penis stellten die Ärzte starke, dunkelviolette bis schwarze Verfärbungen der Haut fest; ein eindeutiges Zeichen für innere Blutungen oder auch bereits absterbendes Gewebe. Nach mehreren Röntgen-Aufnahmen und einer Ultraschall-Untersuchung bestätigt sich die Eingangs-Diagnose. Ein stumpfes Trauma mit schwerwiegenden Quetschungen im Unterleib. Und noch schlimmer: Aufgrund der Umstände wäre ein Fußtritt als Ursache durchaus möglich, so die ausführliche Begutachtung.

In der folgenden Zeit beschäftigten sich die Ärzte eingehend mit Pauli. Nachdem er sich anfänglich recht gut zu erholen schien, traten bereits nach wenigen Tagen massive Schäden zutage. Die Urin-Abgabe erfolgte nicht über die Harnröhre im Penis, sondern vollkommen willkürlich über das Bindegewebe. Aufgrund der Schwere der Verletzungen musste Pauli somit umgehend mehrfach operiert werden. Neben bereits abgestorbenem Gewebe wurde auch der Penis vollständig entfernt.

In einer komplizierten Operation musste der Penis des Hundes abgenommen werden.

Wenn ein kleiner Hund jammert, dann lässt man ihn doch nicht einfach so liegen“, zeigt sich auch Kerstin Eckl vom Tierschutzverein Rosenheim schockiert. Sie und ihr Team haben sich nach den erfolgreichen Operationen um den kleinen Vierbeiner Pauli gekümmert. Dank einer künstlichen Harnröhren-Fistel und viel Fürsorge klappt es mittlerweile auch mit dem Wasserlassen wieder ganz gut, berichtet die Tierschützerin. Und dennoch: Nach Anzeige bei der Polizeiinspektion Wasserburg seitens des Vereins hat mittlerweile die Zivile Einsatzgruppe (kurz: ZEG) des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim die weiteren Nachforschungen übernommen. Dort kümmert sich die Hundestaffel um derartige Ermittlungen.

Auf Nachfrage erklärt die ZEG in Rosenheim, dass sich ein erster Anfangsverdacht leider bislang nicht erhärten ließ. „Wir haben die Ermittlung jetzt an die Staatsanwaltschaft abgegeben. Es steht schließlich immer noch ein Vergehen nach dem Tierschutz-Gesetz im Raum“, so ein beteiligter Beamter.

„Ich habe den Paul wie jeden Abend zum Pinkeln rausgelassen“, erzählt sein langjähriges Frauchen, die den Hund nach eigenen Angaben aus dem Tierschutz in Rumänien bekommen hat. Als er dann nach einiger Zeit noch immer nicht zurück war, habe sie sich auf die Suche gemacht; im Dunkeln und mit Taschenlampe, allerdings ohne Erfolg. Erst ein paar Tage später sei sie dann über einen Facebook-Post auf den schrecklichen Vorfall aufmerksam geworden. Wer hinter dem Angriff auf den kleinen Paul steckt, könne sie nicht sicher sagen. Einen Verdacht äußert sie dennoch: „Mein Sohn hat erzählt, dass meine ehemalige Vermieterin den Hund schon früher einmal getreten hat.“ An den Namen oder die Adresse könne sie sich allerdings nicht mehr erinnern.

Hohe Tierarzt-Kosten und nach wie vor nebulöse Umstände

Auf den Tierarztkosten in Höhe von rund 4000 Euro bleibt am Ende wohl der Tierschutzverein in Rosenheim sitzen, denn: Bereits Mitte Februar hatte die Besitzerin das Eigentum am Hund an den Verein abgetreten. „Ich bin alleinerziehend und ich kann mir das einfach nicht leisten“, so die ehemalige Halterin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Nun sucht das Tierheim ein neues Herrchen oder Frauchen für den kleinen Pauli. Auch wenn die schrecklichen Vorkommnisse tiefe Narben hinterlassen haben; das sonnige Gemüt der kleinen Fellnase können die nach wie vor ungeklärten Gräueltaten glücklicherweise nicht trüben.