Energiewald Vogtareuth: Von Bäumen umzingelt

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Geplanter Energiewald in Vogtareuth erhitzt die Gemüter
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Vogtareuth – Ein ganze Nachbarschaft macht ihrem Ärger Luft. Sie befürchtet starke Einschränkungen in ihrer Lebensqualität durch die geplante Aufforstung vor der Haustür.

"Das ist ja eine schöne Wende", witzeln die Anwohner mit einer gehörigen Prise Ironie. "da kriegen wir einen Energiewald und brauchen gleichzeitig mehr Licht und Heizung, weil wir nur noch im Schatten der Bäume wohnen!" "Und die geplante Photovoltaikanlage können wir gleich wieder abbestellen," fügt eine betroffene Anwohnerin hinzu. Die Stimmung im Waldweg in Vogtareuth ist zum Zerreißen gespannt.

Auf der einen Seite steht der Eigentümer der landwirtschaftlichen Nutzflächen im Bereich der Straße. Die OVB Heimatzeitungen berichteten. Er plant, auf seinen Flächen entlang der Straße am nordöstlichen Ende der Stadt, eine Aufforstung durch eine sogenannte "Kurzumtriebskultur" anzulegen. Im Klartext bedeutet das, dass der Landwirt auf seinen Flächen Weiden und Pappelbäume anpflanzen will, um sie nach der Ernte zu Hackschnitzel zu verarbeiten. Auf der anderen Seite stehen die Anwohner, die ihre Häuser und Grundstücke ebenfalls entlang des besagten Waldwegs bewohnen und jetzt um ihre Lebensqualität bangen. Da wurde bereits eine Stange am Anwesen der Familie Fußstetter angebracht, die mit einer Höhe von ungefähr 15 Meter die zu erwartende Höhe der Bepflanzung verdeutlichen soll. Das Haus Fußstetter sei von allen Anwohnern am schlimmsten betroffen, so die Versammlung der Anwohner, er werde künftig von allen vier Seiten von den Bäumen umschlossen sein. Die restlichen Bewohner hätten etwas mehr Glück, sie seinen dann "nur" von einer oder zwei Seiten umzingelt.

Bilder von den betroffenen Anwesen in Vogtareuth

Der geplante Energiewald von Vogtareuth

"Und selbst wenn wir unser Haus verkaufen wollten, das mein Mann und ich gebaut haben; meine Kinder wollen eigentlich nicht weg; wer soll es denn kaufen, wenn es mitten im Wald steht?" so eine Betroffene. Generell befürchten die Anwohner "zuviele Faktoren, die die Lebensqualität auf Dauer zu stark beeinträchtigen würden", deshalb versuche man alles, um den geplanten Energiewald zu verhindern. Von Seitenn des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, in Person von Dr. Georg Kasberger heißt es, dass die Anhörungen im Fall Vogtareuth noch nicht beendet sind. Es gelte noch diverse Aspekte dieses "komplizierten Vorhabens" zu klären, unter anderem die Frage nach dem Abstand der Pflanzungen zu den Wohnhäusern und der entsprechenden Sicherung des Verkehrs. Grundsätzlich habe der Antragsteller jedoch einen Rechtsanspruch auf die Genehmigung seines Antrages. Die Gegner hingegen hätten keinen Rechtanspruch auf eine freie Sicht. Welche Beeinträchtigungen dabei zu erwarten sind und welche am Ende tatsächlich zu Stande kämen, würden aber unmittelbar in die Beurteilung der Lage und die daraus entstehenden Auflagen miteinbezogen. Nicht zu übersehen sei zudem die Tatsache, dass sich die geplante Aufforstung auf dem Gebiet einens Wasserschutzgebietes befinde. Aus diesen Gründen ist für die nahe Zukunft eine Ortbegehung mit allen Beteiligten und auch den Vertretern der zuständigen Ämter geplant. Im Vorfeld der Diskussion hatte der Landwirt bereits einen kleinen Streifen von Bäumen am Waldrand gepflanzt. "Die stehen da jetzt ungefähr zwei Jahre," so eine Anwohnerin, "da sieht man erst einmal wie schnell die wachsen. Und was da an Laub und Dreck bei der geplanten Menge anfällt, das möchte ich mir gar nicht ausmalen."

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