"Fordere öffentliche Entschuldigung"

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Vogtareuth - Die närrische Saison ist längst vorbei, doch in Vogtareuth sorgt der abgesagte Pfarrfasching bis heute für Katerstimmung. Zum zweiten Mal beschäftigte sich jetzt damit der Gemeinderat.

Die Stimmung im Vogtareuther Gemeinderat ist schon seit Längerem angespannt - auch Folge zahlreicher schwieriger kommunalpolitischer Entscheidungen in den vergangenen Jahren. Dass sich aus anfangs sachlichen Diskussionen Streitigkeiten mit persönlicher Note entwickeln, ist auch schon vorgekommen - jedoch nicht, dass sich die Stimmung derart aufschaukelt.

Auslöser war diesmal nicht ein zukunftsweisendes politisches Thema wie das Dauerstreitthema des Kanalanschlusses der Außenbereiche, sondern eine Faschingsveranstaltung, das heißt: die Tatsache, dass sie nicht stattgefunden hat und die Frage, warum? Ratsmitglied Josef Oberberger, "Aktiv für unsere Gemeinde" (AfG), forderte in der öffentlichen Sitzung Aufklärung. Denn seiner Meinung nach geht es um mehr als nur um den Ausfall einer Faschingsveranstaltung. "Das Ehrenamt wurde mit Füßen getreten", ist er überzeugt.

Tatsache ist: Der Pfarrfasching war, wie berichtet, als Gemeinschaftsveranstaltung von Frauengemeinschaft, Katholischer Landjugendbewegung, Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat geplant. Die Absage erfolgte, weil sich die Veranstalter nicht in der Lage sahen, die erst nachträglich und kurzfristig vor dem Faschingstermin unterbreiteten gemeindlichen Auflagen des Bürgermeisters für die Nutzung der Turnhalle zu erfüllen.

Seitdem jagt im Dorf eine Schuldzuweisung die nächste. Die Veranstalter von der Pfarrgemeinde werfen Bürgermeister Matthias Maier vor, durch die ergänzenden Auflagen für die Turnhallennutzung ein vorher gegebenes Versprechen des Gemeinderates nicht eingehalten zu haben. In einer öffentlichen Ratssitzung zur Frage nach den Gründen für den abgesagten Pfarrfasching hatten Maier und Ratsmitglied Johann Bürger-Schuster (CSU) die Reaktion der Veranstalter dagegen als überzogen kritisiert.

Oberberger erneuerte seine Forderung nach einer öffentlichen Entschuldigung bei der federführenden Organisatorin Martina Schmidmaier und nach einer "Richtigstellung der Sachlage" - ein Anliegen, das auch der Pfarrgemeinderat in einem von Oberberger verlesenen, offenen Brief ausspricht.

Oberbergers überraschenden Vorstoß unter "Anfragen" empfanden einige Ratsmitglieder allerdings als Überrumpelung. Maier lehnte es deshalb ab, sofort Stellung zu nehmen. "Von mir gibt es heute keine Antwort." Trotzdem entfachte sich eine emotionale Diskussion, in die auch Bürger-Schuster, der sich von Oberberger zu Unrecht öffentlich angegriffen fühlte, eingriff.

Harald Grella von der Bürgerliste versuchte wie so oft schlichtend einzugreifen, in- dem er den Antrag stellte, das Thema auf die Tagesordnung der nächsten öffentlichen Ratssitzung zu stellen. "Dann wird alles gescheit ausgeredet." Die Situation eskalierte jedoch endgültig, als Maier Josef Stadlhuber (AfG) abrupt das Wort entzog, um die emotionale Diskussion zu beenden. Stadlhuber fühlte sich unfair behandelt. Schließlich hätten andere Mitglieder auch ihre Meinung sagen dürfen, ärgerte er sich. Nur mit großer Mühe gelang es, die Wogen wieder zu glätten.

Der Friede im Dorf ist jedoch sicherlich noch lange nicht wieder hergestellt. An einer öffentlichen Aufarbeitung kommen Gemeinderat und Bürgermeister wohl nicht vorbei.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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