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Das steckt hinter der Thorakoskopischen Ablation

„Vorhofflimmer-Chirurg“ bringt Schweizer Methode nach Vogtareuth

Thorakoskopische Ablation bei Vorhofflimmern aus der Schweiz in der Schön Klinik Vogtareuth
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Professor Dr. med. Sacha Salzberg praktiziert mit der Thorakoskopischen Ablation bei Vorhofflimmern eine neue Operationsmethode in der Schön Klinik Vogtareuth.

Vorhofflimmern zählt zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen. Bei hartnäckigen Fällen kann die Thorakoskopische Ablation helfen. Professor Dr. med. Sacha Salzberg ist weltweit anerkannt als „Vorhofflimmer-Chirurg“ und einer der wenigen, die diese neuartige Methode in Deutschland durchführen. Er hat diese Behandlung von Zürich nach Vogtareuth geholt. Was genau dahinter steckt und wie er auf die Schön Klinik gekommen ist, erklärt er im Interview.

Das Herz ist das Zentrum des Menschen: Wieso betreffen Herzrhythmusstörungen und speziell Vorhofflimmern Patienten über alle Altersstufen hinweg?  

Ein Herz schlägt mehrere Milliarden Mal in einem Leben, bei Kindern mit 120 Schlägen pro Minute. Wenn es mal stolpert oder unregelmäßig schlägt fällt das auf. Es gibt Faktoren, die Vorhofflimmern beeinflussen: Bluthochdruck, Alkohol, Nikotin, Kaffee, Stress und vieles mehr. Gefährdet sind auch Ausdauersportler: Je größer das Herz, desto eher treten Herzrhythmusstörungen auf. Vorhofflimmern ist lifestyle-bedingt.

Was sind denn die Anzeichen, bei denen unverzüglich gehandelt werden muss?

Bei einem Hirnschlag, der eine Halblähmung oder Sprachstörungen hervorruft, muss sofort der Notarzt gerufen werden. Bei Herzrasen, Palpitationen oder wenn das Herz stolpert und der Puls über 200 ist muss auch sofort gehandelt werden. Dazu kommen klassische Thoraxschmerzen wie Enge in der Brust. Vorhofflimmern ist unangenehm, kurzfristig aber nicht unmittelbar lebensbedrohlich, solange Blutverdünner im Spiel ist. Aber Vorhofflimmern muss zuerst festgestellt werden.

Was genau ist unter Vorhofflimmern zu verstehen?

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung überhaupt. Dabei schlägt das Herz zu langsam, zu schnell, aber immer unregelmäßig, sodass es weniger Blut in den Körper pumpt. Vorhofflimmern wird durch Fehlzündungen ausgelöst, die an einem bestimmten Ort im Herzen, den Lungenvenen, entstehen. Diese Auslöser werden mit der Lungen-Venen-Isolation behandelt - dem Grundstein der Vorhofflimmer-Therapie.

Wie wurde Vorhofflimmern bisher behandelt?

95 Prozent der Ablationen bei Vorhofflimmern werden schonend durch Kardiologen via Katheder in der Leiste durchgeführt, durch die Herz-Trennwand ins Herz vorgeschoben und das Gewebe im linken Vorhof verödet. In Deutschland werden pro Jahr circa 80.000 Ablationen so durchgeführt. Allerdings hat diese Methode gewisse Limitationen: Wird von innen nach außen im Herz gearbeitet, kann nicht beliebig viel Energie aufgebracht werden. Es bleibt das Risiko, ob das Gewebe tatsächlich zerstört wurde bei dem Eingriff. Schließlich befinden sich hinter dem Herz noch andere Organe und im schlimmsten Fall führt das Ganze zu einem Loch im Herzen. Oft bedarf es mehrfacher Eingriffe, um das gewünschte Resultat zu erreichen. Daher stellt die Katheder-Ablation einen heiklen Eingriff dar, obgleich die Resultate gut sind.

Herr Professor, als Facharzt für Herz und Thorakale Gefäßchirurgie sind Sie einer der wenigen Chirurgen, die die Thorakoskopische Ablation bei Vorhofflimmern durchführen: Was darf ich mir darunter vorstellen?

Es handelt sich um eine chirurgische Ablation - eine ganz kleine Nische, die nur von wenigen Chirurgen in Europa beherrscht wird. In den Niederlanden und Amerika zählt diese Methode zu den Standard-Verfahren. In Europa, der Schweiz und in Deutschland ist es ein innovatives neues Verfahren. Das Ziel des Eingriffes ist das gleiche wie bei der Katheter-Ablation - mit dem Unterschied, dass wir anstatt ins Herz einzudringen eine Ablation auf dem Herzen durchführen und somit das Vorhofflimmern isolieren.

Welche Vorteile bietet die neue Methode aus der Schweiz?

Der Eingriff ist sehr effektiv und befreit in über 90 Prozent der Fälle Patienten von Vorhofflimmern. Die damit verbundene reduzierte Medikamenteneinnahme und verbesserte Lebensqualität sind beeindruckend. Ein zusätzlicher Vorteil des Eingriffes ist die Abtrennung des linken Herzohrs. Ein schlagendes Argument: Die Patienten brauchen nach der Operation keinen Blutverdünner mehr - auch, wenn es wieder zu Vorhofflimmern kommt. Oft klagen Patienten über Herzrasen, Poltern oder Atemnot, aber auch über Nebenwirkungen von Medikamenten, insbesondere über Blutverdünner. Unser Eingriff erfordert einen Klinikaufenthalt von drei bis fünf Tagen. Nach einer Woche Schonzeit sind die Patienten wieder voll einsatzfähig. Wir arbeiten zudem ohne Röntgenstrahlen.

Gibt es auch Nachteile?

Der einzige Nachteil ist, dass es sich um eine Operation unter Vollnarkose handelt. Patienten, die in der Vergangenheit schon an Herz und Lunge operiert wurden, können nicht operiert werden.

Wie sind Sie auf den Standort Vogtareuth im Landkreis Rosenheim gekommen?

Ich habe in den letzten Jahren aus Deutschland sehr viele Anfragen bekommen von Patienten, die in die Schweiz kommen möchten. Nur ist es hier sehr teuer und keine Krankenkasse zahlt für einen Eingriff in der Schweiz, weswegen ich mein zweites Standbein in Deutschland aufbauen möchte, um diese Therapie einem breiteren Publikum anzubieten. In München hatte niemand Interesse an dieser innovativen Therapie - in der Schön Klinik in Vogtareuth indes habe ich einen echten Treffer gelandet. Ich bringe neue Patienten aus ganz Deutschland und davon profitiert die Schön Klinik. Außerdem gibt es hier einen der schönsten Operationssäle, die ich kenne.

Sie bieten die neue Operationsmethode seit Sommer 2021 in Vogtareuth an: Wie sind die ersten Eindrücke?

Im Juli haben wir im Raum Rosenheim begonnen. Es gibt ein großes Interesse von Zuweisern und Patienten. Langsam kommt die Routine und die Zusammenarbeit mit den Vogtareuther Kollegen funktioniert gut.

Stichwort Erfahrungsbericht: Welche Rückmeldungen bekommen Sie von Patienten?

Ich bin mit all meinen Patienten in engem Kontakt. Die bisherige Resonanz ist durchweg positiv. Der Patient kommt zu mir für den Eingriff und geht danach wieder zurück zu seinem Arzt. Auf meiner Homepage finden sich etliche Interviews aus der Schweiz mit Patienten, die ihre Erfahrungen erzählen.

Welche Art von Patienten behandeln Sie?

Es gibt drei Kategorien von Patienten, die für den Eingriff in Frage kommen:

  • Patienten, die symptomatisch sind und über einen längeren Zeitraum bereits einen Leidensdruck haben.
  • Patienten, bei denen nach Ablationen wieder Vorhofflimmern auftritt, weil die bisherigen Eingriffe nicht erfolgreich waren
  • Patienten, die Vorhofflimmern haben und vom Blutverdünner weg kommen wollen oder müssen

Wagen wir abschließend einen Blick in die Zukunft: Wie geht es weiter?

Seit mehr als zwölf Jahren führe ich Thorakoskopische Ablationen mit meinem chirurgischen Partner und langjährigem Mentor Dr. Wim-Jan van Boven aus Amsterdam, der diese Operationsmethoden erfunden hat, durch. In Zürich sind wird das Referenzzentrum und die einzigen, die das so spezialisiert anwenden. Patienten reisen aus ganz Europa zu uns. Jetzt ist es an der Zeit im Raum Rosenheim, München und Bayern vielen Patienten diese innovative Operationsmethode zu bieten. Das Ziel ist natürlich auch junge Kollegen auszubilden und diese neue Methode weiterzuführen.

mb

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