Die Autobergung bei Vogtareuth aus Sicht der Hilfskräfte

"Ein Auto ist kein U-Boot" - Spektakulärer Einsatz am Inn

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Das versunkene Auto im Inn. 
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Vogtareuth - Außergewöhnlicher Einsatz für die Rettungs- und Hilfskräfte an der Innstaufstufe Feldkirchen: Sie fischten innerhalb kürzester Zeit einen Wohnwagen und einen VW Golf aus dem Inn. Die Idee einer jungen Mutter, mit ihrer Tochter am Innufer zu übernachten, hätte sich um ein Haar zu einer Tragödie entwickelt. 

Die 29-jährige Sophia S. hatte Glück im Unglück. In der Nacht von Sonntag auf Montag übernachtete sie mit ihrer kleinen Tochter an der Staufstufe Feldkirchen in einem Wohnmobil. Sie rechnete dabei aber nicht mit dem steigenden Pegel des Inn, der insbesondere hinter der automatisch geregelten Überlaufschleuse durch einsetzenden starken Regen sehr schnell steigen kann. 

So wurden Mutter und Tochter praktisch im Schlaf überrascht - allerdings glücklicherweise nicht von ansteigenden Wassermassen, sondern von ihrem Mann, der sich Sorgen machte und aus Intuition heraus nach seiner Frau und der Tochter sehen wollte. Mitten in der Nacht brach er von Ebersberg aus auf nach Vogtareuth. 

Er war es, der als Retter in der Not die beiden Frauen aus dem Wohnmobil rettete - in allerletzter Sekunde, denn wenige Augenblicke später wurde das Wohnmobil von den Fluten mitgerissen und blieb einige Meter weiter in einem Baum hängen. Am Montag zog ein örtliches Abschleppunternehmen den Wagen aus dem Wasser und schleppte ihn ab. Der VW Golf, mit dem der Ebersberger an die Staustufe gefahren war, wurde ebenfalls in den Inn gerissen und ging sofort unter. Der Wagen konnte am Dienstag aus dem Inn geborgen werden. 

Auto aus Inn in Vogtareuth gezogen

Ein außergewöhnlicher Einsatz, den auch die Hilfskräfte nicht oft erleben. Die örtlichen Feuerwehren Pietzing und Prutting mussten sogar mit Booten anrücken, um den Wagen aus den Fluten zu holen. 

Jürgen Thalmeier vom Präsidialbüro des Polizeipräsidium Oberbayern Süd erklärt auf Nachfrage der Redaktion, dass ihn in seinen vielen Jahren, in denen er bereits als Pressesprecher agiere, nur zwei solcher spektakulären Fälle bekannt seien in der der Region: "Der erste Fall liegt zwei Jahre zurück und sorgte damals für Aufsehen, als zwei Beamte mit ihrem Streifenwagen im Rosenheimer Stadtteil Kastenau in den Inn stürzten. Der zweite Fall ist der aktuelle in Vogtareuth." 

Im November 2018 wurde zudem ein untergegangenes Auto, das in Zusammenhang mit einer Straftat stand, aus dem Innkanal bei Töging geborgen

Kosten trägt der Verursacher

Stefan Gartner ist Pressesprecher der Wasserburger Feuerwehr. Die Wasserburger Wehren seien bei den Bergungen am Inn nicht beteiligt gewesen, Gartner könne sich an einen derartigen Fall auch nicht erinnern: "So etwas hatten wir in den letzten 15 Jahren nicht in der Gegend." Er wisse nur, dass in der Vergangenheit ein paar Baustellenfahrzeuge aus dem Innkanal im Landkreis Mühldorf geborgen worden seien. 

So versank beispielsweise im Mai diesen Jahres ein Bagger in der Nähe von Pürten bei Waldkraiburg im Innkanal. 2016 ist in Ebing bei Waldkraiburg ein Lkw in den Innkanal gestürzt, nachdem er sich mehrfach überschlagen hatte.

Die Kosten, so erklärt Gartner weiter, würden je nach Fall auf den Verursacher umgelegt. Die Bergungskosten könnten dabei schnell steigen, weil bei solch außergewöhnlichen Einsätzen viele Rettungskräfte beteiligt seien: "In der Regel wird das versunkene Teil von Tauchern gesichert und dann mithilfe von Booten und einem Abschleppwagen aus dem Wasser geholt. 

Die Innstaufstufe in Feldkirchen. Dort wurde das Wohnmobil von den Fluten mitgerissen - das Auto des Ebersberger ging komplett unter. 

Dass die Kosten in diesem Fall nicht unerheblich seien, kann auch Elmar Ruhland von der Polizei Wasserburg bestätigen. Als Sachbearbeiter habe er die Kosten für den Einsatz verschiedener Rettungskräfte zusammengestellt und werde diese dem Verursacher in Rechnung stellen - schließlich könne nicht alles der Steuerzahler übernehmen

"Wenn jemand etwas macht, das anschließend beseitigt werden muss, dann muss derjenige auch die Kosten tragen", begründet Ruhland die Entscheidung und merkt dabei trocken an: "Ein Auto ist nun mal kein U-Boot, der Schwimmversuch leider misslungen.

Parken am Stauwehr strikt verboten 

Ferner sei sowohl die Zufahrt zu der Sandbank als auch das Parken am Stauwehr verboten. Eindeutige Schilder würden laut Ruhland dort hinweisen. Dennoch komme es laut Ruhland immer wieder vor, dass die Schilder missachtet werden. "Wenn wir an der Sandbank welche bei Grillpartys erwischen, gibt es ein Bußgeld. Parken und übernachten wie die Dame es mit ihrer Tochter gemacht hat, ist ebenfalls nicht erlaubt - dass es darüber hinaus schnell gefährlich werden kann, mussten die beiden nun am eigenen Leib erleben." 

Es sei laut Ruhland "sehr knapp" gewesen, dass Mutter und Tochter mit dem Leben davongekommen seien, denn "wenn die Staustufe geöffnet wird, steigt der Druck im Wehr in Minutenschnelle". 

Genau könne man das nicht berechnen, da die Wassermengen abhängig seien von von den Pegelständen der Nebenflüsse. Um einen Dammriss zu verhindern, verfüge das Wehr über eine Automatik, die die Schleuse öffne und wieder schließe. "Im schlimmsten Fall würde sonst das nachfolgende Wehr - das bei uns in Wasserburg - in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Folgen für die Altstadt möchte ich mir dann nicht ausmalen", unterstreicht Ruhland den Ernst der Lage. 

Um die Sicherheit der Einsatzkräfte bei der Bergung der beiden Fahrzeuge bei Vogtareuth zu gewährleisten, sei die Automatik zusätzlich von einem Experten beobachtet und manuell gesteuert worden. 

Der nächste Schritt sei nun, zu prüfen, ob etwaige Flüssigkeiten aus dem Auto wie Öl oder Benzin in den Inn gelangt seien. Das sei jedoch nicht mehr Aufgabe der Polizei. Darum kümmere sich Ruhland zufolge jetzt das Landratsamt Rosenheim

mb

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