Vielfalt und Bequemlichkeit

Zwei Webdesignerinnen aus Vogtareuth planen ein „regionales Amazon“

Eine Plattform, auf der sich lokale Unternehmen und Betriebe vernetzen und ihre Produkte präsentieren können: Das planen Stephanie Braun und Penelope Hathaway, Geschäftsführerinnen der Firma „WebRegionale“ aus Vogtareuth. Der Gemeinderat sichert seine Unterstützung zu.

Vogtareuth – Den Ausschlag, ihre Idee umzusetzen, gab die Corona-Krise. In einer Zeit, in der die Menschen zuhause bleiben sollen und in viele Geschäfte nicht zum Einkaufen strömen können, ist eine Online-Bestellung oft der einzige Weg. Und der Versand-Gigant Amazon bei vielen nur einen Klick entfernt.

Ausgleich zu Versandriesen schaffen

Die beiden Frauen wollen das ändern. „Jeder in der sozialen Gemeinschaft ist wichtiger als der Amazon-Riese“, sagt Hathaway. Der sei zwar nicht mehr wegzudenken, ergänzt Braun. Aber sie wollten einen „Ausgleich“ dazu schaffen, das Inntal stärken.

Erreichen wollen die beiden das mit einer Plattform im Internet. Darauf sollen Geschäftsinhaber, Dienstleister, Gastronomen und Handwerker in der Gemeinde einen Webshop erstellen können, in dem sie ihre Produkte anbieten. Auch einen Lieferservice anzubieten oder Geschenkgutscheine zu erstellen, soll möglich sein. Die Plattform soll vielfältig und bequem sein, sowohl für Kunden, als auch für Geschäftsleute und Ladeninhaber.

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Das ist zunächst die Priorität für Stephanie Braun. Doch wenn es nach ihr geht, soll es nicht dabei bleiben. Vereine könnten sich auf der Plattform auch vorstellen oder Babysitter ihre Dienste anbieten. So soll den Vogtareuthern auf einen Blick gezeigt werden: Welche Angebote gibt es in der Gemeinde? Und wie kann man sie in Anspruch nehmen?

Auch Betriebe mit Online-Shop sollen profitieren

Das Projekt ist für Interessierte das erste halbe Jahr kostenlos, ab dann verlangt „WebRegionale“ eine Pauschale. Das Angebot richte sich vor allem an Unternehmen und Geschäfte, die online noch nicht vertreten seien, sagt Braun. Aber auch Läden, die bereits einen Internetshop haben, würden durch den Eintrag in der Plattform profitieren. „Das schafft mehr Reichweite. Durch die Vielfalt auf der Webseite werden die Kunden zum Weitershoppen angeregt“, erklärt sie.

Die Plattform ist schon seit zwei Wochen online, Firmen können sich bereits anmelden. Doch dafür muss sie erst einmal bekannt gemacht werden. Deswegen haben Braun und Hathaway den Vogtareuther Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung um Hilfe gebeten. „Bringt es unter die Leute“, appellierte Braun. Der Gemeinderat zeigte sich aufgeschlossen. Es sei wichtig, örtliche Gewerbetreibende zu unterstützen, sagt Zweiter Bürgermeister Johann Bürger-Schuster (CSU-Parteifreie Wähler). Die Gemeinde könne „Mundwerbung“ machen. Auch Bernhard Maicher (AfG) hielt das Projekt für eine „gute Sache“, nannte es einen „Online-Regionalmarkt“.

Ein Markt, an dem sich auch Raphaela Oberberger beteiligen würde, sobald die Pandemie vorbei ist. Im Moment muss die Inhaberin des Geschenkladens „Herzenswunsch“ im Moosweg nach eigenen Angaben schauen, wie sie über die Runden kommt. Dennoch findet sie es sinnvoll, die Gewerbetreibenden im Ort auf einer Plattform zu bündeln. Gerade für Menschen, die sich in der Schön-Klinik am Ortsrand aufhalten und nicht wissen, welche Geschäfte es in der Gemeinde gibt.

Regional einkaufen jetzt besonders wichtig

Auch Hermann Unterseer vom gleichnamigen Textildruckunternehmen im Vogtareuther Gewerbegebiet hält das Projekt für eine „gute Idee“. „Das hört sich nicht schlecht an.“ Er sei sehr wichtig, dass die Menschen gerade jetzt regional einkauften.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow

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