Bauvorhaben: Regierung contra Landratsamt

Vogtareuth - Ja was denn nun? Wenn es nach dem Landratsamt geht, wird im Ortsteil Gaffl nicht gebaut. Die Regierung von Oberbayern sieht darin aber kein Problem.

Völlig unterschiedlich haben die beiden übergeordneten Planungsbehörden, das Landratsamt Rosenheim und die Regierung von Oberbayern auf den Bebauungsplan für den Ortsteil Gaffl reagiert. Die untere Bauleitplanung äußerte große Bedenken, die obere nicht.

Bürgermeister Matthias Maier sah Parallelen zum bayerischen Kartenspiel: "Ober sticht Unter", zeigte er sich überzeugt. Gemeint ist: Wenn die Regierung der Meinung ist, der Bebauungsplan stehe den Zielen der Raumordnung nicht entgegen, dann wird sie sich wohl gegen die untere durchsetzen.

Gaffl ist ein Weiler, gelegen an der Staatsstraße zwischen Zaisering und Vogtareuth - mit einem Gewerbebetrieb (Spedition), einer aktiven Landwirtschaft, ehemaligen Höfen plus Nebengebäuden und Wohnhäusern. Drei Grundeigentümer wollen ihren Nachkommen die Möglichkeit bieten, in Gaffl zu bauen und so im Dorf, in dem sie aufgewachsen sind, wohnen zu bleiben. Die Interessenten sind ausschließlich Kinder einheimischer Familien aus dem Weiler. Acht neue Wohnhäuser mit einer Wohnfläche von jeweils etwa 150 Quadratmetern sollen hier entstehen. Um diese Weiterentwicklung zu ordnen, hat der Gemeinderat auf Antrag einer Familie aus Gaffl die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen. Er soll den Spagat schaffen zwischen der Bewahrung des bäuerlichen Siedlungscharakters und einer Weiterentwicklung nur für Einheimische.

Der Bebauungsplan-Entwurf ist bereits den sogenannten Trägern öffentlicher Belange vorgelegt worden. Die Stellungnahmen lagen dem Gemeinderat nun zur Beratung vor.

Das Landratsamt hatte eine Stellungnahme abgegeben, die eine klare ablehnende Sprache spricht: Die Planungen für Gaffl seien "nicht nachvollziehbar", hieß es aus der Behörde. Der Weiler liege im Außenbereich ohne direkte Anbindung an das Dorf. Der Bebauungsplan ermögliche eine "massive Erweiterung" von Gaffl, durch die Festlegung der neuen Baufenster verdopple sich die Gebäude-Anzahl. Der bestehende Gewerbebetrieb werde in seinem Bestand beeinträchtigt.

Bürgermeister Maier hat eine Stellungnahme der Gemeinde als Gegenantwort auf die Reaktion aus dem Landratsamt formuliert. Darin wird auf die Meinung der Kommune hingewiesen, Gaffl sei aufgrund der Spedition und ihres Umgriffs, der ehemaligen Höfe plus Nebengebäude kein kleiner, ausschließlich ländlich geprägter Weiler mehr und sehr wohl gut an das Dorf angebunden - über eine Bushaltestelle direkt an der Staatsstraße.

Die baulichen Erweiterungsflächen seien von außen kaum einsehbar, das Gewerbe werde nicht beeinträchtigt. Fest stehe außerdem, dass sich die Anzahl der Gebäude nicht verdoppelt, weil bereits jetzt in Gaffl 13 Haushalte, verteilt auch auf ehemaligen Hofstellen in eigenständigen Gebäudeteilen, vorhanden sind.

Josef Oberberger (Aktiv für unsere Gemeinde) zeigte sich überzeugt, zur ablehnenden Haltung des Landratsamtes wäre es nicht gekommen, wenn die Baufenster für die beiden südlich gelegenen Wohngebäude nicht aufgenommen worden wären. Durch die im Süden des Gebietes geplante Bebauung entstehe ein Siedlungscharakter, der die Ziele des Bebauungsplanes unglaubwürdig mache. Die Regierung von Oberbayern sah diese Bedenken nicht. Der Plan stehe der Raumordnung nicht entgegen, hieß es aus der übergeordneten Genehmigungsbehörde.

Doch das Gesundheitsamt Rosenheim legte den Finger in eine Wunde: die nicht gesicherte Trinkwasser-Versorgung.

Wie berichtet, ist das Wasserschutzgebiet für die Zaiseringer Quelle nicht mehr rechtskräftig. Das Wasser gilt zwar nach wie vor "faktisch als topp", so der Bürgermeister, doch er warnte davor, die Einwände der Fachbehörde auf die leichte Schulter zu nehmen.

Die Zeit sei endgültig reif, sich mit der Frage der Sicherstellung der Wasserversorgung zu beschäftigen. Zu diesem Thema soll demnächst eine Sondersitzung des Gemeinderates stattfinden.

Der Gemeinderat forderte auf Anregung von Stadlhuber außerdem das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim auf, den Ablauf des Oberflächenwassers, das vor Ort in Gaffl nicht versickern kann, sondern in einem Regenrückhaltebecken gesammelt und dann abgeführt wird, auf ausreichende Bemessung hin zu überprüfen.

Das Gremium beschloss gegen die Stimmen von Oberberger, Stadlhuber und Josef Lechner (AfG), die wegen der beiden südlich geplanten Gebäude nicht zustimmen wollten, die nächsten Schritte des Verfahrens für den Bebauungsplan einzuläuten. Nach Einarbeitung der Stellungnahmen des Gemeinderates auf die Schreiben der Ämter und Behörden wird der Planentwurf auch noch öffentlich ausgelegt. Dann können auch Bürger Einwände oder Anregungen einbringen.

Heike Duczek (Oberbayerisches Volksblatt)

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