Waldkraiburg

Einen Abend lang am Limit mit Bergsteiger Thomas Huber

Thomas Huber im argentinischen Patagonien. Atemberaubende Bilder beeindruckten die Besucher des Vortrags. Foto re

Für ihn begann die Zeit in Waldkraiburg mit -einer Anstrengung besonderer Art: Insgesamt eine Stunde lang gab Thomas, der ältere der berühmten "Huber-Buam", den zahlreichen Fans und Neugierigen im Haus der Kultur -Autogramme.

Seine Bergleidenschaft - so verriet er - hat er sicher vom Vater geerbt, denn sein Geburtsort Palling "ist nicht unbedingt ein Kletter-Dorado". Nach erfolgreich abgeschlossenen Studien entschlossen sich beide Huber-Buam jedoch, nachdem sie ihr Klettertalent entdeckt und erste Sponsorenverträge in der Tasche hatten, Profi-Bergsteiger zu werden.

Ständig im lockeren, humorvollen Dialog mit dem Publikum, erzählte Thomas aus diesem "Leben zwischen Himmel und Erde" zunächst von seinen "härtesten Momenten", dem Abschied von seiner Familie in Berchtesgaden, wenn wieder ein waghalsiges Unternehmen bevorsteht. Ein Brief seiner Frau begleitet ihn dabei, in dem sie ihn bestärkt und ermutigt: "Kein Berg soll dir den Weg verstellen. Lass dir alle deine Fragen beantworten."

"Man muss umdrehen, wenn auch nur eine Sache nicht passt"

So war es auch im Jahr 2005 beim Aufbruch ins argentinische Patagonien. Atemberaubende Bilder, begleitet von den fachkundigen, aber auch sehr aufrichtigen Kommentaren Hubers, entführten die Zuschauer in dieser Multimedia-Show zum 1500 Meter hohen Granitpfeiler des Cerro Torre. Sie zeigten seine unvorstellbare Steilheit, seine Schönheit, aber auch die brutalen Wetterbedingungen, die Rückschläge bei den wiederholten Versuchen, den Berg zu bezwingen, das zermürbende, oft wochenlange Warten bei Schneestürmen, dann wieder die Gefahren an den Eispilzen bei zu warmem Wetter.

Als wichtigste Bergsteigerregel allerdings stellte Thomas Hubers heraus: "Man muss umdrehen, wenn auch nur eine Sache nicht passt." Andererseits sieht er sich als Profi gezwungen, spektakuläre Klettererfolge zu bringen, denn "erst dann rollt beim Sponsor der Rubel".

Geburtsstunde des Speedkletterns

Dieses Hin- und Hergerissensein zwischen der eigenen Suche nach Freiheit, den Unabwägbarkeiten am Berg und seinem "Broterwerb" verstand der Huber-Bua besonders eindringlich darzustellen am 1000 Meter hohen Granitpfeiler "The Nose" im Massiv El Capitan des amerikanischen Yosemite-Parks. Bis etwa 1955 galt er als unbezwingbar, wurde dann zum ersten Mal in 41 Tagen und in den 70er-Jahren in vier Tagen bestiegen. Mit den Huber-Brüdern schlug hier die Geburtsstunde des Speed-Kletterns.

Schon drei Routen hatten sie an dem Massiv erklommen, starteten immer wieder neue Versuche, schafften den Pfeiler "gemütlich kletternd" in vier Stunden und überholten dabei acht andere Seilschaften, durchstiegen ihn neun Mal entweder im Simultan-Klettern oder dem schnelleren, aber noch gefährlichere "Short-Fixing" - und mussten sich schließlich eine Niederlage eingestehen, da Thomas - leicht indisponiert - zweimal acht Meter tief ins Seil fiel. Eine harte Erfahrung für das Erfolg verwöhnte Duo. Gerade diese Situation aber machte ihm deutlich, "was Leben eigentlich bedeutet: auch einmal durch ein tiefes Tal gehen und sich dann wieder neuen Ideen zuwenden", am Berg noch schneller zu werden, Angst zu überwinden.

Rekorde und Tiefpunkte

Dies gelang ihnen beim Base Jump, begonnen in Ampfing beim Fallschirmspringen und nach vier Jahren in den Dolomiten an den Drei Zinnen in der Praxis angewendet: Nach dem Erklettern der ersten Zinne erfolgt vom Gipfel aus der freie Fall mit dem Fallschirm; nach dem Lauf zur Großen Zinne und der Besteigung von deren 600-Meter-Wand wieder ein Base Jump über 300 Meter und danach das Erklimmen der Westzinne. Dabei gab es für Thomas wohl das größte mentale Tief seiner bisherigen Karriere, als er sich eine Sehne riss. Doch auch jetzt schaffte er fast Unmögliches: Durch seinen eisernen Willen und härteste Disziplin kletterte er nach drei Monaten bereits wieder im 10. Schwierigkeitsgrad.

Eine Stunde lang schrieb Speed-Kletterer Thomas Huber im Haus der Kultur Autogramme. Foto fis

Was lag da näher, als "The Nose" noch einmal in Angriff zu nehmen? Sieben Versuche erfolgten, bis die Route mental voll visualisiert war - und dann gelang der Höhepunkt: Der Pfeiler wurde in der umjubelten Rekordzeit von 2:48,35 Stunden durchstiegen - für die Huber-Buam aber auch das - vorläufige - Ende des Speed-Kletterns. Denn neue Projekte reizten.

Die Berge der Welt haben das Duo gelehrt, "was es heißt, Mensch zu sein, seine Träume zu leben, sich aber auch Grenzen zu setzen." Trotz höchster Gipfel, grandioser Rekorde bleibt für Thomas Huber das Zentrum seiner Welt "seine Haustür in Berchtesgaden", seine Familie. fis

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