Schwarzlack: "Kein öffentlicher Durchgang"

OVB
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Schloss Brannenburg beherbergt eine Schule mit Internat. Die große Zahl von Wanderern und Freizeitsportlern stört nach Angaben von Eigentümer Hans Zuber den Schulbetrieb.

Brannenburg - Jetzt ist Schluss: Grundstücksbesitzer Hans Zuber hat den Durchgang zur Wallfahrtskirche Schwarzlack gesperrt: Zu viele Freizeitsportler behindern seiner Meinung nach den Schulbetrieb im Internat.

Lesen Sie hier den Bericht aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Weiter Weg zur Wallfahrtskirche

Seit 350 Jahren gibt es die Wallfahrt zur Schwarzlack bei Brannenburg. Einer der beliebtesten Wege zu der malerischen Kirche beginnt gleich hinter der Wendelsteinhalle und führt vorbei an Schloss Brannenburg mit der dort untergebrachten privaten Real- und Fachoberschule samt Internat. Vor einigen Wochen hat nun Grundstücksbesitzer Hans Zuber den Durchgang gesperrt. Zu viele Freizeitsportler beeinträchtigten den Schulbetrieb, begründet er seinen Schritt.

Brannenburg - "Geschlossenes Privatgelände - Zutritt nur für Berechtigte - kein öffentlicher Durchgang", so heißt es auf dem Schild, das neuerdings den Zugang zum Gelände des Schlosses verwehrt. Darunter ein Hinweis, dass offizielle kirchliche Veranstaltungen in Schwarzlack davon ausgenommen sind.

Vom Schloss bis zur Kirche: Der Weg zwischen den beiden markanten Punkten (in der Karte schwarz markiert) ist vorerst Vergangenheit.

Seit der Schließung des beliebten Wegs, der in allen gängigen Wanderkarten verzeichnet und Bestandteil des ausgeschilderten örtlichen Wanderwegenetzes ist, häufen sich die Beschwerden bei Gemeinde und Verkehrsamt. Doch dort sieht man keine Möglichkeit zu helfen: Da der Weg über Privatgelände verläuft, sei der Handlungsspielraum der Gemeinde begrenzt, bedauert Bürgermeister Mathias Lederer. Er versichert, die Gemeinde sei weiter auf der Suche nach einer Lösung. Die Nutzung des Weges sowie eine mögliche Verlegung waren bereits häufig Thema bei Gesprächen zwischen Gemeinde und Grundstückseigentümer Hans Zuber. Eine konkrete Lösung, die für alle Seiten akzeptabel ist, wurde bisher aber nicht gefunden.

Zuber wirbt um Verständnis für seinen Standpunkt und für die Notwendigkeit, das Schulgelände abzusichern. Kirchgänger und Wallfahrer seien nicht das Problem, betont er. Vielmehr erschwere es die "massive Zunahme der Freizeitgesellschaft", einen geschützten und repräsentativen Bereich im Schlossgelände zu schaffen. Zu viele Wanderer, Nordic Walker und Mountainbiker sind auf dem Areal unterwegs, das von den Internatsschülern als Pausenhof und in der Freizeit genutzt wird. Bereits mehrmals hätte es Kollisionen zwischen Bergradlern und Schülern gegeben. Auch würden Wanderer Hecken beschädigen und ihren Abfall hinterlassen.

Ganz andere Sorgen haben dagegen Veronika und Johann Peter, die Pächter der beliebten Gastwirtschaft neben der Wallfahrtskirche. Sie befürchten, dass ihre Gäste ausbleiben, wenn die Route durch das Schlossgelände auch zukünftig nicht mehr passiert werden darf. "Schon jetzt, noch vor Beginn der Sommersaison, wurden Reservierungen abgesagt", so das Ehepaar. Die Nutzung anderer Wege zur Schwarzlack sei für Senioren oder Familien mit Kindern oft nicht möglich. Ortsfremde Gäste, die den auf allen Karten und Wegweisern verzeichneten Weg nicht mehr nutzen könnten, blieben gänzlich aus. Tatsächlich gibt es von Brannenburg aus keine Alternative: Die teilweise parallel zum Fußweg verlaufende Forststraße ist eine Privatstraße, so dass die Schwarzlack nur noch über Großholzhausen oder über den Fußweg von Kogl aus zu erreichen ist.

Kirche prüft rechtliche Schritte

Wie die Gemeinde hofft auch die Kirche in Brannenburg auf ein gütliches Einvernehmen und eine weitere Nutzung des Weges für alle Wanderer. Der Kreuzweg zur Kirche stelle für viele Menschen eine Möglichkeit zum Gebet und inneren Einkehr dar und habe bereits eine Jahrhunderte alte Tradition, die in Zukunft weiter bestehen soll, so Pfarrer Bernhard Bielasik. Er und Kirchenpfleger Peter Zaggl haben deshalb ebenfalls ein Gespräch mit Direktor Zuber geführt. Da sich bislang aber keine einvernehmliche Lösung finden ließ, hat die Pfarrei mittlerweile das Ordinariat eingeschaltet. Dort prüft nun die Rechtsabteilung, ob es eine juristische Handhabe gibt.

Von Maria Stuffer-Chunphetch

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