Weitere Mängel beim "Mangelbau"

Stephanskirchen - Schon wieder wurden an der Grundschule Schloßberg Baumängel entdeckt. Die Ingenieurbüros müssen nun noch einmal nachplanen und nachkalkulieren.

Der Stephanskirchener Bauausschuss musste die Entscheidung über die Vorgehensweise bei der Sanierung der Betondecken im grünen Grundschulhaus in Schloßberg vertagen. Denn es wurden erneut Baumängel entdeckt. Die Ingenieurbüros müssen noch einmal nachplanen und nachkalkulieren.

Das grüne Grundschulhaus in Schloßberg hat sich zum Bedauern der Gemeinde als klassischer Mangelbau aus den 50er-Jahren entpuppt: Aufgrund nicht vollständiger Planunterlagen treten während der Sanierungsphase immer wieder Überraschungen auf. Im Herbst war es deshalb sogar zu einem Baustopp gekommen. Die dritten und vierten Klassen werden derzeit nicht in Schloßberg, sondern in Stephanskirchen an der Otfried-Preußler-Schule unterrichtet.

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Im Bauausschuss informierte die Verwaltung über den aktuellen Sachstand: Seit Ende des Jahres steht nach ihren Angaben endgültig fest, dass Decken aus dem Jahr 1955 im Unter-, Erd- und Obergeschoss des grünen Schulhauses sanierungsbedürftig sind. Die Problematik: Die Bewehrungsstähle im unteren Rippenbereich seien unzureichend oder gar nicht mit Beton überdeckt. Dies entspreche weder den heutigen noch den damaligen Anforderungen an die Kraftübertragung, den Korrosions- und Brandschutz, so die Fachleute. Zudem sei der ausführenden Firma beim Betonieren offensichtlich das Material ausgegangen, sodass Teilbereiche lediglich mit einer Mischung aus Splitt und Zement aufgefüllt worden seien.

In den Fluren, im Sekretariat, in der Hausmeisterkammer sowie im Lehrer- und Besprechungszimmer könnten die Decken unverstärkt saniert werden. In den Treppenhäusern und den Klassen müsse jedoch statisch mit Stahl verstärkt werden. Hier stehen zwei Vorgehensweisen zur Diskussion: eine aufwendige Einbohrung einer Bügelbewehrung oder der komplette Abbruch der Klassenzimmerdecken und ihr vollständiger Ersatz. In jedem Fall setze die Sanierung mit Verstärkung voraus, dass die jeweiligen Bodenaufbauten auf der Decke abzubrechen seien, hieß es weiter. In diesem Zusammenhang entdeckten die Gutachter weitere Mängel: Bei früheren Umbauten wurden tragende Wände ausgebaut, ohne dass entsprechende Unterfangungen errichtet wurden. Bei den auszubauenden Bodenbelägen ergaben Laboruntersuchungen außerdem, dass einige PBC-Beläge mit Asbest, manche zusätzlich mit dem Schadstoff PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) belastet sind. Davon gehe keine unmittelbare Gefahr aus, auch ein Ausbau werde nicht zwingend vorgeschrieben. Doch eine Erneuerung der Böden empfehle sich trotzdem, hieß es.

Derzeit kalkuliert die Baufirma auf der Basis dieser neuen Erkenntnisse die Kosten neu. Auch die Variante mit Abbruch der Decken in den Klassenzimmern wird auf ihre Wirtschaftlichkeit hin untersucht, teilte die Bauverwaltung mit. Eine Entscheidung konnte deshalb noch nicht fallen, wird jedoch für die nächste Ratssitzung nach der Sondertagung zur Strukturanalyse erwartet. Denn die Zeit drängt: Die energetische Sanierung der Grundschule mit Einbau eines modernen Brandschutzes und Barrierefreiheit soll bis zum neuen Schuljahr 2012/2013, das im September beginnt, abgeschlossen sein.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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