„Wir müssen neue Wege gehen“

2020 weniger Auszubildende in der Region als im Vorjahr

Hunderte Ausbildungsplätze blieben im Jahr 2020 in Stadt und Landkreis Rosenheim, sowie den Landkreisen Traunstein, Mühldorf und Altötting unbesetzt.
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Hunderte Ausbildungsplätze blieben im Jahr 2020 in Stadt und Landkreis Rosenheim, sowie den Landkreisen Traunstein, Mühldorf und Altötting unbesetzt.

Die Zahl der Azubis in IHK-Ausbildungsbetrieben ist im Jahr 2020 in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Mühldorf und Altötting gesunken. Vor allem die sinkende Anzahl von Absolventen aus den allgemeinbildenden Schulen wirkte sich nachteilig auf den Bewerbermarkt aus.

Rosenheim/Traunstein/Mühldorf/Altötting – In Stadt und Landkreis Rosenheim haben im vergangenen Jahr 1.038 Auszubildende in Betrieben aus Industrie, Handel und Dienstleistungen im Raum Rosenheim ihre duale Berufsausbildung begonnen. Davon entfielen 323 junge Männer und Frauen auf die Stadt Rosenheim, im Landkreis Rosenheim waren es 715 neue Azubis. Das entspräche einem Minus von 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Arbeitsmarkt trotz Corona robust

In der Stadt wurden 237 der Neuverträge in kaufmännischen Berufen abgeschlossen, 86 in gewerblich-technischen. Im Landkreis wurden 467 Neuverträge in kaufmännischen Berufen abgeschlossen, 248 in gewerblich-technischen. Der Ausbildungsmarkt hat sich trotz Coronakrise als robust und aufnahmefähig erwiesen. Laut Zahlen der Arbeitsagentur vom September 2020 blieben rund 102 Lehrstellen in der Stadt und 244 im Landkreis unbesetzt.

Ein möglicher Grund: Laut Kultusministeriums ging die Zahl von Absolventen aus den allgemeinbildenden Schulen bayernweit im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 Prozent zurück. Besonders hohe Rückgänge waren bei Bewerbern zu verzeichnen, die ein Studium wählen können. Sie beliefen sich auf minus 15,5 Prozent bei Bewerbern mit allgemeiner Hochschulreife und auf minus acht Prozent mit Fachhochschulreife.

Andreas Bensegger, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Rosenheim, betont: „Viele Betriebe wollen ausbilden, weil sie auf die Zukunft setzen und dafür benötigen sie dringend Fachkräftenachwuchs.“ Leider habe die Pandemie nahezu alle Maßnahmen zur Berufsorientierung für Schüler zum Erliegen gebracht. Auch die wichtige Bewerbungsphase im Frühjahr habe darunter gelitten. Schnupperpraktika, Ausbildungsmessen und persönliche Bewerbungsgespräche konnten nicht stattfinden.

„Wir müssen neue Wege gehen“

Angesichts des Lockdowns sei es laut Bensegger jetzt umso wichtiger, in der Berufsorientierung alle Register zu ziehen. „Wir müssen neue Wege gehen und digitaler werden.“ Bei den Top-IHK-Berufen führten 2020 bei den Azubi-Neuverträgen in Stadt und Landkreis Rosenheim die Kaufleute im Einzelhandel die Liste an, gefolgt von den Bankkaufleuten, Industriekaufleuten und den Verkäufern.

Im Landkreis Traunstein zeichnet ist die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen noch höher: 2020 haben 633 Auszubildende in Betrieben aus Industrie, Handel und Dienstleistungen eine duale Berufsausbildung begonnen – ein Minus von 12,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 353 der Neuverträge wurden in kaufmännischen Berufen abgeschlossen, 280 in gewerblich-technischen. Auch in Landkreis Traunstein blieben laut Arbeitsagentur rund 224 Lehrstellen vom September 2020 unbesetzt.

Besonders viele Neuverträge

Besonders viele Neuverträgen für eine Ausbildung im Landkreis Traunstein wurden 2020 bei den Kaufleuten im Einzelhandel abgeschlossen, gefolgt von den Verkäufern und den Industriekaufleuten sowie den Industriemechanikern.

Im Landkreis Mühldorf zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Bei 416 unterschriebenen Ausbildungsverträgen ergibt sich ein Minus von 7,3 Prozent (Plus-Artikel auf ovb-online.de) gegenüber dem Vorjahr. 239 der Neuverträge wurden in kaufmännischen Berufen abgeschlossen, 177 in gewerblich-technischen. Rund 130 Lehrstellen blieben unbesetzt.

Die Liste der beliebtesten IHK-Berufe führten die Kaufleute im Einzelhandel an, gefolgt von Verkäufern, Industriekaufleuten sowie Industriemechanikern. Insgesamt starteten die IHK-Azubis ihre Ausbildung in 64 verschiedenen Berufen – von Automobilkaufleuten bis zum Zerspannungsmechaniker.

Landkreis Altötting bei Minus 11,2 Prozent

Ein Minus von 11,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr bei den Azubis verzeichnete der Landkreis Altötting. 494 junge Menschen begannen eine Berufsausbildung in Betrieben aus Industrie, Handel und Dienstleistungen. Davon entfielen 199 der Neuverträge auf kaufmännischen Berufe, 295 auf gewerblich-technischen. Rund 150 Lehrstellen blieben unbesetzt.

Beruf der Kaufleute besonders beliebt

Insgesamt starteten die IHK-Azubis ihre Ausbildung in 52 verschiedenen Berufen vom Anlagenmechaniker bis zum Zweiradmechaniker. Besonders beliebt unter den IHK-Berufen im Landkreis Altötting waren Chemikanten-Stellen. Aber auch Industriemechaniker und Kaufmann/-frau im Einzelhandel kamen gut an. (asc)

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