Die Wildschweine sind da!

Riedering - In den vergangenen Jahren wurden immer mal wieder einzelne Exemplare gesichtet. Doch heuer hat sich das Schwarzwild „breit“ gemacht.

Die Wildschweine sind da. In den vergangenen drei Jahren wurden in der Gemeinde immer mal wieder einzelne Exemplare gesichtet. Doch heuer hat sich das Schwarzwild buchstäblich "breit" gemacht. Nun ist nicht mehr die Rede von einzelnen Tieren, sondern von ganzen Rudeln, und die bereiten besonders Jägern und Landwirten Kopfzerbrechen.

"Die gehen nicht mehr fort. Die bleiben jetzt für immer", ist sich Jäger Gerhard Schauer sicher. So viele Spuren und Hinterlassenschaften von Wildschweinen hat er im Gemeindegebiet von Riedering noch in keinem Jahr zuvor gesehen. Er hat bei Spaziergängen auch schon eine Bache mit mehreren Frischlingen gesichtet und prognostiziert: "Die werden jetzt ständig mehr. Diese Wildart vermehrt sich explosionsartig."

Zu spüren bekommen haben diese Entwicklung schon einige Landwirte. Georg Wagner verzeichnete vor einigen Wochen in seinem Feld zum ersten Mal unübersehbare Spuren. Ein Teil seiner Ackerfläche war von den Wildtieren völlig plattgewalzt worden. "Die Sauen haben einen Teil meiner Ernte vernichtet", klagt der Bauer. Er schätzt den Schaden auf rund 1000 Euro.

An sich betrachten Wagner und Schauer die Schwarzkittel mit Respekt. "Das sind unglaublich intelligente Lebewesen", sind sich die beiden einig. Doch gerade diese Tatsache führt dazu, dass die Regulierung der Bestände sehr schwierig ist.

Diese Erfahrung machen mittlerweile immer mehr Regionen in Deutschland. So wird der Wildschweinbestand rund um Berlin bereits auf 10.000 Tiere geschätzt, Tendenz rasant steigend. Weil das Schwarzwild schlau ist, flüchtet es vor den Jägern zwischen die Autos oder zieht gleich aus dem Wald in die Stadt: Dort darf es nicht so ohne Weiteres bejagt werden.

Vor einer derartigen Entwicklung fürchten sich nun auch viele Jäger und Landwirte im Raum Rosenheim. "Eine Wildsau zu erlegen, ist alles andere als einfach", lautet die Erfahrung von Schauer. "Tödliche Orte" würden sich diese als eher aggressiv geltenden Tiere sofort merken: "Wenn man aus einer Rotte das erste Schwein erschießt, hauen die übrigen ab und kommen lange Zeit nicht mehr zurück."

Gründe für die rasante Vermehrung kennt Schauer viele, unter anderem den Klimawandel: "Früher gab es in harten Wintern eine natürliche Auslese. Doch das ist heute nicht mehr der Fall."

Der Jäger sieht darum nur die Möglichkeit, dass die Tiere durch intensive Bejagung zahlenmäßig in die Schranken gewiesen werden: "Wir müssen den Bestand so niedrig halten wie möglich. Ausrotten lassen sich die Wildschweine jetzt auch in Riedering nicht mehr."

Eine Dezimierung sei auf jeden Fall nötig, sonst müssten neben den Landwirten auch die Jäger mit enormen finanziellen Einbußen rechnen. Letztendlich seien diese in der Regel verpflichtet, für Schäden aufzukommen, die durch Schalenwild in ihrem Revier entstehen. "Da kann es leicht so weit kommen, dass die Situation für uns gar nicht mehr tragbar ist", befürchtet Schauer.

Auch der Bund Naturschutz hat sich schon mit dem Problem "Wildschwein" befasst und sieht Handlungsbedarf. "Da ist ein gutes Wildmanagement nötig", lautet die Stellungnahme von Peter Kasperczyk, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz.

Seiner Meinung nach sind auch die Landwirte selbst ein Stück weit schuld an der ständigen Vermehrung der Wildschweine. "Viele Maisfelder befinden sich viel zu nahe an den Wäldern. Da haben es diese Tiere leicht, sich unbemerkt fortzubewegen. Nebenbei finden sie dann mühelos jede Menge Nahrung", so Kasperczyk. Wichtig seien darum Gespräche am "runden Tisch": "Nur gemeinsam kann man Lösungen finden."

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © pa

Kommentare