"Wir fordern Lärmschutz für alle"

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So sieht sie aus, die Lärmschutzwand für die Erler Bürger. Das Millionenprojekt wird derzeit auf deutschem Grund gebaut.

Oberaudorf - Seit Jahren beschäftigt die von der Tiroler Gemeinde Erl geforderte A93-Lärmschutzwand den Oberaudorfer Gemeinderat. Jetzt steht man vor vollendeten Tatsachen: Die Wand wird gebaut - auf deutschem Boden.

370 Bohrpfähle mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern sind gesetzt, Stahlbetonwandsockel eingelassen. Auf genau 2250 Metern werden momentan so genannte hochabsorbierende Wandelemente eingeführt. Es sei nicht so, dass man den Tirolern den Lärmschutz nicht gönne, hieß es im Gemeinderat. Man stoße sich vielmehr an der unterschiedlichen Rechtsauffassung in einem vereinten Europa. Das Gremium energisch: "Wir fordern einen Lärmschutz für alle!"

Die durch die A93 verursachten Lärmpegel liegen unterhalb der in Deutschland geltenden Grenzwerte der Lärmsanierung, so dass nach deutschem Recht derzeit in diesem Bereich keine Lärmschutzmaßnahmen erforderlich werden. Nach österreichischem Recht gelten aber für verkehrsbedingte Lärmimmissionen auf österreichischen Bundesstraßen niedrigere Grenzwerte. Die Gemeinde Erl forderte deshalb vehement eine Verbesserung der Lärmsituation für die betroffenen Anwesen - nach Jahrzehnten mit Erfolg.

Der Erler Bürgermeister Georg Aicher-Hechenberger verwies im Gespräch mit dem Oberbayerischen Volksblatt auf das Vierteljahrhundert politischen Kampf, den dieses knapp über zwei Millionen Euro teure Bauwerk erfordert habe. Er verstehe es voll und ganz, dass sich die Bürger auf bayerischer Seite benachteiligt fühlten. Die nun sichtbare Lärmschutzwand - die Gemeinde Erl muss übrigens 25 Jahre lang jährlich über 170.000 Euro an Erhaltungskosten dafür aufbringen - erhöhe aber seiner Meinung nach nun den Druck auf die politisch Verantwortlichen erheblich, die Rechtssituation auf deutscher Seite endlich anzugleichen. "Wir wissen, dass dies kein kurzer und einfacher Weg sein wird", so Aicher-Hechenberger. Der Schulterschluss mit den Inntaler Nachbargemeinden sei aber für ihn kein leeres Wort: Schon mehrmals habe die Gemeinde Erl Resolutionen bayerischer Gemeinden hinsichtlich der Lärmsituation in der Inntalfurche mitgetragen - und man werde sie weiter unterstützen.

Die Frage, warum auf Grundlage eines ausländischen Grenzwerts auf deutscher Seite eine Lärmschutzwand gebaut werden darf, beantwortet Nadine Lewandowski, Pressesprecherin der Autobahndirektion Südbayern kurz und bündig: Es spreche einfach nichts dagegen. Generell gebe es eben in europäischen Ländern unterschiedliche Grenzwerte für Lärm. An diese Rechtsgrundlagen hätten sich die jeweiligen Behörden zu halten. Die österreichische Seite habe sich weiterhin zu einer vollständigen Kostenübernahme verpflichtet. Aus technischer Sicht sei Lärmschutz dort am effektivsten, wo er entsteht: also direkt an der Autobahn.

Im Oberaudorfer Gemeinderat sprach man sich für eine gemeinsame Aktion aller Inntalgemeinden aus, um ähnliche Schutzmaßnahmen zu bekommen. Es soll eine Lärmvergleichsmessung vorgenommen werden, die eventuell hilfreich bei der Argumentation sein könnte, hieß es. Bürgermeister Hubert Wildgruber will hierfür die Kosten prüfen lassen.

Zweiter Bürgermeister Ferdinand Maier, der sich seit Jahren im Auftrag des Gemeinderats mit der Thematik befasst, rief unterdessen zum Selbstschutz auf. Er regte erneut an, auf Privatgrund im Bereich Niederaudorf einen Wall aufzuschütten. Die Planungen hierfür seien von der Autobahndirektion Südbayern bei einem Gespräch am Runden Tisch kostenlos in Aussicht gestellt worden. Aushubmaterial stünde mit Blick auf die für das nächste Jahre geplanten Umbaumaßnahmen am Passionsspielhaus in Erl zur Verfügung, so Maier. "Wir bleiben an der Sache dran", versicherte Wildgruber. Letztlich forderte der Gemeinderat eine Geschwindigkeitsbegrenzung und ein Lkw-Überholverbot in diesem Autobahnabschnitt. Diese Maßnahmen würde zum einen den Lärm reduzieren, zum anderen auch den nicht unerheblichen Schadstoffausstoß senken, der die Inntaler Bevölkerung ebenfalls Tag für Tag belaste.

ge/Oberbayerisches Volksblatt

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