Über Lockdown hinaus?

Wirte in der Region Rosenheim finden es gut, wenn die 7-Prozent-Mehrwertsteuer bleibt

In Zukunft eine leichtere Last: In Wirtschaften werden für Speisen nur sieben Prozent Mehrwertsteuer fällig. Getränke bleiben allerdings bei 19 Prozent.
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In Zukunft eine leichtere Last: In Wirtschaften werden für Speisen nur sieben Prozent Mehrwertsteuer fällig. Getränke bleiben allerdings bei 19 Prozent.

Ein Schritt in die richtige Richtung und eine Erleichterung für den Augenblick: Die bis Ende 2022 geltende Senkung der Mehrwertsteuer auf 7 Prozent schmeckt den Wirten. Wenn sie denn irgendwann mal wieder aufmachen dürfen.

Rosenheim/Kiefersfelden – Ein guter Anfang, einer, der sozusagen Appetit auf dauerhafte Lösungen macht: So lässt sich die Meinung vieler Wirte in der Region Rosenheim zum Thema gesenkte Mehrwertsteuer für die Restaurant-Gastronomie zusammenfassen, „Natürlich, das hilft sehr“, sagt etwa Ingrid Hupfauf vom Kurzenwirt in Kiefersfelden. „Das hilft auf alle Fälle“, sagt auch Martin Kupferschmied vom Happinger Hof in Rosenheim.

Auch Theresa Albrecht feiert die Fortsetzung der Mehrwertsteuersenkung auf sieben Prozent bis Ende 2022 als Erfolg. Schon weil der Hotel- und Gaststättenverband, dessen Kreisvorsitzende die Chefin vom Hotel Post in Rohrdorf ist, seit Jahrzehnten auf Nachbesserungen bei der ungleichen Besteuerung von Imbiss-Gastronomie einerseits und den Restaurants und Wirtschaften andererseits drängt. Während der Wirt eines Restaurants vom Preis für eine Bratwurst 19 Prozent ans Finanzamt abführt, sind es beim Metzger und seinem Straßenverkauf nur sieben Prozent.

Packerlsuppe geringer besteuert als hochwertige Suppe?

„Es ist ja auch nicht einzusehen, dass man für eine frisch zubereitete Suppe, die einem in der Wirtschaft im Porzellanteller serviert wird, mehr Steuern zahl als für die Packerlsuppe beim Lidl“, sagt Albrecht. Es wirkt wie eine Ironie der Pandemiezeit, dass die Gastwirte den reduzierten Sieben-Prozent-Satz gerade dann erhalten, wenn er ohnehin fällig wäre:: Wer kann und will von den Gastronomen, bietet Essen zum Mitnehmen an – für das ohnehin nur sieben Prozent Mehrwertsteuer fällig wären. „Allerdings“, so sagt es Martin Kupferschmied vom Happinger Hof in Rosenheim, „irgendwann werden wir auch wieder aufmachen dürfen, und dann hilft uns das schon.“

Alles, was den Wirten in dieser schwierigen Situation helfe, sei zu begrüßen, sagt Georgia Brodka vom „Augustiner“ in Rosenheim, „auch die November- und Dezemberhilfen sind toll und großartig, und auch die Überbrückungskosten.“ Allerdings: „Von denen zahlt sich keine Miete für die Wohnung.“ Erst im Sommer 2018 öffnete der „Augustiner“ unter ihrer Führung, „wir zahlen noch ein Gründerdarlehen“. Es sei auch, so fügt sie hinzu, nicht klar, was man irgendwann zurückzahlen muss.

Viel Ungewissheit bei Gastronomen in der Region Rosenheim

Für die Gastronomen ist die Lage gerade unübersichtlich. Die Novemberhilfe sei noch nicht mal ganz angekommen, sagt Kupferschmied. Wie viele Mitarbeiter kann er auf Kurzarbeit halten? „Wir haben viele Auszubildende, da geht das nicht. Außerdem müssen die was lernen, die kann ich also nicht nach Hause schicken.“ Auch deswegen ist er ganz froh, dass zwischen fünf und 20 Zimmern unter der Woche von Geschäftsreisenden gebucht werden – damit er das Personal bei ider Stange halten kann. Ingrid Hupfauf wiederum kritisiert die Bürokratie: Stapelweise haben wir Meldezettel für Gäste ausfüllen müssen, und dann hat sich doch niemand dafür interessiert.“

Was vielen Wirten zu schaffen macht, ist die Ungewissheit. Wann wird man wieder Gäste bewirten dürfen? „Wenn die Zahlen weiter so sinken, dann vielleicht schon im März“, hofft Kupferschmied. 14 Wochen dauert der zweite Lockdown für die Gastronomie nun schon – es zieht sich. „Mir kommt‘s so vor, als hätten wir in den zwei Jahren seit der Eröffnung die meiste Zeit zu gehabt“, sagt Georgia Brodka.

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