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Zwischen Wut, Freude und Hoffnungslosigkeit

26 Plakate, die Erinnerungen wecken: Rosenheimerin blickt auf zwei Jahre Corona-Pandemie zurück

Am Welttag der sozialen Gerechtigkeit haben die Mitglieder der Initiative „Rückenwind Gesundheitspersonal“ die Schildern vor dem Klinikum hochgehalten.
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Am Welttag der sozialen Gerechtigkeit haben die Mitglieder der Initiative „Rückenwind Gesundheitspersonal“ die Schildern vor dem Klinikum hochgehalten.

Der Tag, an dem der erste Corona-Fall in Rosenheim bestätigt wurde, jährt sich zum zweiten Mal. Carlotta Wittenberg von der Initiative „Rückenwind Gesundheitspersonal“ hat das zum Anlass für eine Kunstaktion genommen.

Rosenheim – Carlotta Wittenberg (38) hat sich in den vergangenen zwei Jahren oft hilflos gefühlt. „Ich hatte viele Corona-Leugner, Reichsbürger und Querdenker in meinem Freundeskreis“, sagt die gelernte Waldpädagogin und zweifache Mutter. In Gesprächen sei sie – gerade zu Beginn der Pandemie – hilflos gewesen und habe oft nicht gewusst, wie sie sich verhalten soll. „Für mich war dann relativ schnell klar, dass ich aktiv etwas machen muss“, sagt Wittenberg. Sie recherchierte, versuchte, so viel wie möglich, über Corona, Impfungen und Verläufe herauszufinden. „Ich habe schnell gemerkt, dass viele Menschen für Fakten nicht offen sind“, sagt sie.

Politisches Engagement

Davon irritieren ließ sich die 38-Jährige nach eigenen Angaben nicht. Im Dezember 2021 schloss sie sich der Initiative „Rückenwind Gesundheitspersonal“ an und engagierte sich politisch. „Ich habe dann überlegt, wie ich mich selbst einbringen kann“, sagt sie. Sie beschloss alle Fakten der vergangenen Jahre zusammenzutragen.

Sie nimmt Kontakt zum Klinikum auf, las Pressemitteilungen durch und schaute sich das Video an, das im Rahmen des Sozialpreises gedreht worden ist und an das Ärzte- und Pflegeteam der Covid-Stationen des Romed-Klinikums ging. „Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich das Video angeschaut habe“, sagt sie.

Lungenkrankheit kommt nach Deutschland

Sie machte sich Notizen, schrieb die wichtigsten Stationen auf. Da wäre beispielsweise der 28. Januar 2020, als der erste Fall der bis daher unbekannten Lungenkrankheit in Deutschland auftrat. Oder der März 2020, als Fachleute zum ersten Mal von einer Pandemie sprachen und die ersten Corona-Patienten ins Romed-Klinikum eingeliefert wurden.

Es folgten der bundesweite Lockdown, Lieferengpässe, Hausapotheken die plötzlich selbst Desinfektionsmittel herstellten und Schutzmasken, die häufig nicht mehr verfügbar waren. „Während der Recherche sind dann auch immer wieder Erinnerungen hochgekommen an die Zeit damals“, sagt Wittenberg. Sie spricht von Angst, Wut, dem immer wiederkehrenden Gefühl der Hilflosigkeit.

Plakate, die Erinnerungen wecken

Jedes Plakat, das sie mit schwarzer Schrift beschrieben hat, habe eine andere Erinnerung in ihr geweckt. „Mir haben zwei Freundinnen geholfen, zudem war das Krankenhaus so transparent, das es leicht war, alles auf Plakate zu bringen“, sagt sie. Mehr als 15 Stunden habe die Beschriftung dennoch gedauert.

Ein Gefühl von Hoffnung

Sie erinnert an das Besuchsverbot im Krankenhaus, die Überlastung der Klinikumsmitarbeiter und den Sommer 2020, als die Pandemie besiegt zu sein schien. „Da gab es zum ersten Mal das Gefühl von Hoffnung“ sagt Wittenberg.

Doch auch dieses Gefühl währte nicht lange. Es folgten die zweite Welle, der zweite Lockdown und eine Sieben-Tage-Inzidenz von 300. „Ab Dezember 2020 gab es dann endlich eine Impfung“, sagt Wittenberg. Doch die Anspannung blieb.

Belastungsgrenze im Klinikum

Die zweite und dritte Welle rollten über die Region, bis die Zahlen im Sommer 2021 wieder zurück ging. Im Herbst 2021 kam das Romed-Krankenhaus erneut an seine Belastungsgrenze, im November leuchten die Fenster der Intensivstationen rot. Ein deutschlandweites Zeichen, um auf die schwierige Situation in den Kliniken aufmerksam zu machen. Wieder gab es ein Besuchsverbot. Wieder wurden planbare Operationen verschoben.

Lob für die Klinikumsmitarbeiter

Im Januar 2022 war die Variante Omikron in Rosenheim angekommen. Es ist das letzte Schild, das Carlotta Wittenberg und ihre Mitstreiter angefertigt haben. Ganz unten schrieben sie in roter Schrift das Wort „Danke“.

„Es ist toll, was das Klinikum in den vergangenen zwei Jahren geleistet hat“, sagt die 38-Jährige. Geht es nach ihr und der Initiative, sollen die insgesamt 26 Poster in der Stadt ausgehängt werden. Wann und wie, steht im Moment allerdings noch nicht fest.

Zuspruch und viel Unterstützung

Schon jetzt hat es laut Carlotta Wittenberg viele positive Reaktionen gegeben. Unter anderem vom Klinikum. „Die Romed-Kliniken begrüßen jede Aktivität, die dazu dient, auf die extreme Belastung des medizinischen Personals in Kliniken und Krankenhäusern hinzuweisen, den Mitarbeitern Zuspruch, Unterstützung und Solidarität zu signalisieren und nicht zuletzt die Impfbereitschaft der Bevölkerung weiter zu steigern“, sagt Dr. Hanns Lohner, Ärztlicher Direktor und Pandemiebeauftragter des Romed-Klinikums Rosenheim.

Ein Auszug aus den 26 Plakaten, die Carlotta Wittenberg, gemeinsam mit zwei Freunden, angefertig hat, um sich an die vergangenen zwei Pandemie-Jahre zu erinnern.

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